Elektroauto Chronik eines Irrtums

Tesla Supercharger

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Mit der Beladung der Akkus mit Höchstleistung begann – wieder einmal – Tesla. „Tesla Motors begann 2012 mit der Errichtung leistungsfähiger Stromladestationen unter der Eigenbezeichnung ‚Tesla Supercharger‘. Die ersten Stationen lieferten eine maximale Ladeleistung von rund 90 kW. Ab 2013 wurde Technik für 120 kW installiert, später für maximal 145 kW. (…) Parallel zum Netzausbau in den USA begann Tesla Motors mit der Installation von „Supercharger“-Ladestationen in Europa, Asien und Australien. Im Juni 2014 gab Tesla Motors bekannt, einige Patente, die mit ihrer hauseigenen Entwicklung für Ladestationen verbunden sind, der Allgemeinheit zur freien Verwendung zur Verfügung zu stellen. (…) Beim Laden am ‚Supercharger‘ wird mit einem fest an der Ladesäule installierten Kabel unter Umgehung des internen Ladegeräts die Traktionsbatterie direkt mit Gleichstrom geladen. Der Standard der Typ-2-Steckverbindung wurde bei Nutzung von Gleichstrom bis 70 kW Leistung spezifiziert. Tesla wartete für sein leistungsstärkeres Gleichstrom-Schnellladungssystem nicht auf den 2013 verabschiedeten internationalen Ladestandard Combined Charging System, der für Gleichstromübertragung mit mehr als 70 kW ein erweitertes Steckerdesign mit zwei zusätzlichen Gleichstromkontakten verwendet, sondern überträgt die Spitzenleistung von 135 kW über modifizierte Kontaktstifte in seiner Typ-2-Steckverbindung.“ (Wikipedia)
„Das gesamte Netzwerk wird von Tesla selbst finanziert. Bisher ist der Preis für die Nutzung der Supercharger im Kaufpreis der Modelle S und X enthalten. Die Stationen können die Traktionsbatterien der Tesla-Fahrzeuge innerhalb ca. 40 Minuten so weit aufladen, dass die nächste Superchargerstation erreicht werden kann. Die Verteilung dieser Ladestationen entlang von Autoverkehrsmagistralen in 20 Ländern ermöglicht Fahrten auf langen Strecken mit kurzen Ladestopps. Tesla betreibt weltweit an 1229 Orten insgesamt 9623 Supercharger-Anschlüsse.“ (Wikipedia)
Für die Käufer von Model S und Model X, die ihr Elektroauto vor 2017 gekauft hatten, blieb die Benutzung der Supercharger kostenlos. Ab 2017 gab es für neue Käufer von Model S und X eine „Gutschrift“ von 400 kWh, das entspricht ca. 1600 Kilometer Reichweite.
Die Käufer des Tesla Model 3 bekamen keinen kostenlosen Strom.

Tesla: Unterwegs laden“: „Halten Sie an einer der schnellsten Ladestationen der Welt, während Sie eine Kleinigkeit zu sich nehmen. Dank unseres rasant wachsenden Supercharger-Netzes entlang der populärsten Routen kann Tesla Sie überall dort hin bringen, wo Sie hin wollen.“ – Tesla: „Jährliche Supercharger-Gutschrift“: „Jeder Tesla Model S- oder Model X-Besitzer erhält jährlich eine Supercharger-Gutschrift von 400 kWh – also genug für etwa 1600 km. Diese Gutschrift deckt den Langstreckenbedarf der meisten Tesla-Fahrer ab. Kunden, die weiter fahren, zahlen danach für das Laden am Supercharger nur einen Bruchteil der vergleichbaren Benzinkosten.“ (https://www.tesla.com/de_DE/supercharger)

Im Spiegel-Interview verwies Musk bei der Frage der Reichweite auf die „Supercharger“: „Wenn die Reichweite eines Elektroautos groß genug ist und es ein Netz von Schnellladestationen gibt, besteht absolut kein Grund mehr für einen zusätzlichen Antrieb. Wir werden nächsten Monat ein Software-Update herausgeben, mit dem unser Auto selbstständig erkennt, wann es außer Reichweite der nächstgelegenen Ladestation gerät. Es wird den Fahrer warnen und automatisch den Weg zum nächsten Supercharger weisen …“ [1]

Trödeln bei Tesla. „Wer sein Auto vollgetankt hat, bezahlt und macht die Zapfsäule frei. An herkömmlichen Tankstellen ist das völlig normal. Bei den Tesla-Superchargern scheint dies aber nicht üblich zu sein, offenbar lassen manche Fahrer ihre Autos auch nach Abschluss des Ladevorgangs noch mehr oder weniger lang stehen. Sehr zum Ärger anderer Fahrer, die Strom zapfen wollen und nicht an die Schnellladesäule herankommen. Dies behauptet zumindest Tesla – und kündigt eine ‚idle fee‘, also eine Trödelgebühr an: Wer sein bereits voll geladenes Model S oder X länger als fünf Minuten am Supercharger stehen lässt, muss ab sofort in Deutschland und den europäischen Nachbarländern 35 Cent pro Minute bezahlen, also 21 Euro pro Stunde. Abgerechnet wird beim nächsten Besuch eines Tesla Service Centers, ein Limit für die Strafgebühr gibt es nicht.

Supercharger nur für die Langstrecke. Im Herbst 2015 wurden einige Käufer des Tesla Model S angeschrieben. Die Supercharger waren nicht für den Alltagsgebrauch gedacht, sondern für Langstreckenfahrten, worauf Tesla in dem Schreiben hinwies. „Wie diverse Medien berichteten, haben zumindest einige Besitzer eines Model S im Herbst 2015 Post vom Hersteller bekommen. Und keine freundliche. Die Supercharger, so hieß es in diesen E-Mails offenbar, seien nicht für den täglichen Gebrauch, sondern nur für Langstreckenfahrten gedacht. Man möge sein Supercharging doch bitte reduzieren. Das postete zumindest ein erboster Tesla-Fahrer im Forum des ‚Tesla Motors Club‘.
Die Irritation ist verständlich, schließlich hatte Tesla mit (auto)lebenslänglichem, kostenlosen Laden an den superschnellen Stromstationen geworben – oder zumindest haben viele es so verstanden. Tatsächlich steht auf der Info-Seite zum Supercharging bei Tesla immer noch zu lesen: ‚Supercharging is free for the life of Model S, once the Supercharger option is enabled.‘ Von Einschränkungen ist hier nicht die Rede. Gemeint war aber offenbar dennoch, dass die blitzschnellen Ladesäulen zum Laden des Akkus auf Fernreisen gedacht sind und nicht, um jeden Tag kostenlos Strom abzuzapfen. Das sollen Tesla-Fahrer eigentlich zu Hause tun. Denn auf Dauer und mit zunehmender Anzahl dieser E-Autos geht das hemmungslose Zapfen für Tesla dann irgendwann doch ins Geld.“ [2]

Von gratis nach kompliziert. Anfang 2017 änderte Tesla die Nutzungsbedingungen für seine Schnellladestationen, die bisher gratis 400 kWh pro Jahr für Käufer der Modelle S und X vorsahen: Anscheinend wurde die bisherige Regelung für Tesla auf Dauer zu teuer. „Für Neukunden, die ihr Elektroauto nach dem 15. Januar bestellen, wird es künftig kompliziert. Zumindest dann, wenn sie die jährliche Freigrenze von 400 Kilowattstunden überschreiten. Denn der Preis, den Tesla-Kunden dann an den Ladesäulen zahlen sollen, wird höchst kompliziert berechnet und hängt davon ab, wo und wie schnell man lädt. In Deutschland hat der Hersteller beispielsweise einen Preis von 34 Cent pro Minute festgelegt, wenn man an einer Säule mit mehr als 60 kW Leistung lädt. Bei weniger Leistung wird der Minutenpreis halbiert. Wie viel am Ende eine vollgeladene Batterie kostet, lässt sich mit diesen Werten nur schwer berechnen. Denn es hängt zum einen davon ab, wie viel Leistung der Supercharger abgibt (laut Hersteller bis zu 120 kW). Und es hängt zum zweiten davon ab, welchen Ladestand man erreichen will. Das Problem: Elektroautos laden nicht gleichmäßig. In 40 Minuten kann ein Model S mit einer Batteriekapazität von 90 Kilowattstunden etwa 80 Prozent seiner Kapazität aufladen. Das würde bei voller Leistung damit rund 13,60 kosten und rund 350 Kilometer Reichweite bringen.“ [3]

Teure Supercharger. Für Tesla bedeutete bisher das Betreiben der Supercharger-Ladestationen Kosten ohne Einnahmen. „Mit der Erhöhung der Gebühren will das Unternehmen möglicherweise andere interne Kosten ausgleichen, etwa die Ausgaben für die Produktion des Tesla Model 3. Wer vor dem Jahreswechsel auf 2018 ein teureres Modell S oder Modell X gekauft hat, ist übrigens von den erhöhten Ladepreisen nicht betroffen. Diese Kundengruppe nutzt die Supercharger ein Leben lang gratis. Wer ein Fahrzeug erst nach 2018 erworben hat, bekommt immerhin Gratisladung von 400 Kilowattstunden (kWh), die für rund 1600 Kilometer reichen soll.“ [4]

Elektrisches Wachstum. Tesla zufolge gab es Anfang 2018 weltweit 1229 Supercharger-Stationen mit insgesamt 9623 Ladepunkten, bis Mitte Mai kamen 121 Stationen dazu. „Zusätzlich wurden viele bestehende Standorte mit weiteren Ladepunkten ausgestattet. Pro Supercharger-Standort, die sich vor allem entlang der wichtigsten Fernstraßen und Autobahnen befinden, gibt es nun im Schnitt Ladeplätze für bis zu acht Elektroautos.“ [5]

Das Tesla-Leid der Pächter. Ein Tesla-Fahrer bedeutet oft kein Geschäft für die Tankstellenpächter, trotz der Ladezeiten. Die Wirtschaftswoche berichtet vom Tesla-Fahrer Andreas Schimanski am Rasthof Achern, ein paar Kilometer vor Straßburg, der lieber in seinem Auto sitzen bleibt. „‚Ich halte mich einfach nicht so gerne da drinnen auf‘, sagt Schimanski und wendet sich wieder dem Display seines Tesla Model S zu. Langsam wechselt der Ladebalken die Farbe. Rot, Orange, Gelb, Grün. 22 Minuten, geschafft. Schimanski macht die Türe zu und fährt davon. Da drinnen ist Björn Lang vom Kaffeeautomaten bis zum Bockwurstwasser für alles verantwortlich. ‚Wenn ich dürfte, ich würde diese Ladestationen heute wieder abbauen‘, sagt Lang, Pächter des Rasthofs Achern, und gibt einen langen Seufzer von sich. ‚Darf ich aber leider nicht.‘“ [6; Hervorhebung WZ]

Der neue Auto-Kultur-Kampf. Die Regensburger Firma Eurorast hatte den Zuschlag für die Tesla-Supercharger erhalten. Eurorast hatte sich durch die Zeitspanne von 30 Minuten für das Schnellladen mehr Einkünfte an den Raststätten erhofft. Ihr Geschäftsführer Johannes Witt musste im Juli 2018 feststellen: „Unsere Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt.“ [6] – „Doch nach drei Jahren lässt sich sagen: Der Plan ist gescheitert. Während der Unternehmenschef Witt dafür noch höfliche Worte findet, geht es am Nebentisch wüster zu. Der Chef ist nicht ohne Grund von seinem Büro in Regensburg quer durchs Land bis an die französische Grenze nach Achern gereist, einmal im Jahr versammelt er alle seine Pächter um zu hören, wie deren Geschäfte so laufen und wo die größten Sorgen liegen. Die Ersten haben sich an dem lauen Sommerabend schon zu einem Bier zusammengefunden. Sobald das Wort Tesla fällt, bricht ein Sturm der Empörung los. Zieht man die Schimpfworte ab und die Plattitüden, dann bleiben ein paar Anekdoten hängen. (…) Als sich der Sturm der Empörung unter den Tankstellenpächtern gelegt hat, kommt der Chef Witt auch mal wieder zu Wort. ‚Auch wenn wir alle ein bisschen enttäuscht sind, jetzt müssen wir natürlich dranbleiben am Thema Elektromobilität‘, sagt er. Es stimmt, dass die Ladestellen meistens leer bleiben, die wenigen Nutzer nichts konsumieren und trotzdem Parkraum verbrauchen. Wenn aber der Durchbruch der Elektromobilität kommt, ‚dann werden diejenigen im Vorteil sein, die sich am Anfang als Knotenpunkte etabliert haben‘, sagt Witt.“ [6]

Das billigere Tesla Model 3 bezahlt. Die Besitzer des Tesla Model 3 bekommen, wie schon oben erwähnt, den Strom der Supercharger nicht umsonst. „Im Bezahlmodell fallen für den Nutzer pro kWh oder pro Minute entsprechende Gebühren an der Station an. Nach Angaben des Branchenmagazins Electrek.com hat Tesla die Preise in mehreren Staaten mitunter deutlich angehoben. Am Beispiel Oregon verdoppelt sich der Preis von 0,12 auf 0,24 Dollar pro kWh; in Kalifornien gibt es einen Zuwachs von 0,20 auf 0,26 Dollar und in New York liegt die Steigerung bei 0,19 auf 0,24 Dollar. Damit liegen die Preissteigerungen an der Supercharger-Zapfsäule zwischen 20 und 100 Prozent.“ [7]

Tesla-Fernfahrer (1). Von 2013 bis 2018 wurden laut Tesla an den Superchargern insgesamt 850 Millionen Kilometer elektrischer Reichweite geladen. „Das entspricht mehr als 1100 Fahrten zum Mond und zurück, 15 Fahrten von der Erde zum Mars oder 21.000 Weltumrundungen. (…) Bislang werden die meisten Ladevorgänge zwar noch von Steckdosen zu Hause gestartet, doch im letzten Monat wurde bereits alle zehn Sekunden eine neue Ladung bei einem europäischen Supercharger gestartet. Mit einem Haken allerdings: Die Schnelllade-Stationen sollen künftig nicht mehr von gewerblichen Anwendern – etwa Taxifahrern, Carsharing-Diensten oder auch Behörden – genutzt werden dürfen. Wer sich nicht daran hält, dem droht Tesla, sein Auto für die Supercharger per Fernzugriff zu sperren. Gerade für gewerbliche Nutzer aber ist die E-Mobilität durchaus interessant.“ [8]

Tesla-Fernfahrer (2). „Die Erweiterung des Netzwerks hat im Laufe der Zeit durch die wachsende Zahl an Tesla-Fahrern in Europa ebenfalls zugenommen. Im Rahmen der stetigen Expansion, sind auch die neuen Ladestationen größer geworden, einschließlich Breukelen mit 28 Supercharger in den Niederlanden und Rygge, einem 34 Supercharger Standort in Norwegen. Tesla hat die Kapazitäten für bestehende Standorte entlang der Hauptverkehrsstrecken erweitert und das Ladenetz mit neuen Standorten verdichtet. Zum Beispiel ist der Standort in Wiener Neustadt in Niederösterreich von bisher 6 auf nun insgesamt 14 Ladepunkte erweitert worden. Das Supercharger-Netzwerk hat in Europa im vergangenen Jahr fast 70.000 Reisen quer über den Kontinent ermöglicht. Die beiden am meisten befahrenen Strecken in Europa führen sowohl durch Frankreich als auch durch Deutschland, wobei es Tesla-Fahrer von Nordeuropa bis hin zum Mittelmeer zieht. Zum Beispiel haben rund drei Viertel der belgischen und österreichischen Tesla-Fahrer im vergangenen Jahr zusammen mit mehr als der Hälfte der niederländischen, deutschen und dänischen Tesla-Fahrer an ausländischen Superchargern geladen. Darüber hinaus reiste einer von fünf norwegischen Besitzern nach und durch Dänemark, jeder sechste deutsche Besitzer nach Italien und umgekehrt.“ [9]

Wie funktioniert der Tesla Supercharger? Aus dem Tesla-Text:
Navigieren: Wenn Sie auf ihrem Touchscreen ein Ziel eingeben, leitet Sie der integrierte Routenplaner automatisch über die am besten gelegenen Supercharger auf der Strecke an ihr Ziel. – Aufladen: Schließen Sie Ihren Tesla für etwa 30 Minuten an den Supercharger an und trinken Sie einen Kaffee oder essen Sie eine Kleinigkeit, während Ihr Tesla lädt. – Weiterreise: Sobald ihr Fahrzeug zur Weiterfahrt bereit ist, werden Sie über ihre Tesla-App benachrichtigt. [www.tesla.com/de_DE/supercharger]

[1] Bethge, Philipp, Jung, Alexander, „Niemand will ein Mistauto“, in Der Spiegel 48/24.11.2014

[2] Schade, Meike, Tesla  führt Trödelgebühr ein, in autobild.de 20.12.2016

[3] Bay, Lukas, Kopfrechnen mit Tesla, in handelsblatt.com 13.1.2017)

[4] Tesla: Gebühren für Supercharger steigen drastisch an, in computerbild.de 15.3.2018

[5] Tesla: Elektroauto-Ladenetzwerk Supercharger wächst und wächst und wächst…, in elektroauto-news.net 29.5.2018

[6] Fischer, Konrad, Warum Tesla-Fahrer  an Autobahn-Raststätten unbeliebt sind, in wiwo.de 14.7.2018

[7] Grundhoff, Stefan, Tesla erhöht Preise für Supercharger-Nutzung deutlich, in automobil-produktion.de 13.3.2018

[8] 15 mal von der Erde zum Mars: Teslas Supercharger-Netzwerk knackt neue Rekordmarke, in focus.de 28.6.2018

[9] Das Supercharger-Netzwerk von Tesla  wächst auf über 400 Standorte in ganz Europa, in presse-augsburg.de 28.6.2018

 

 

 

 

von wz
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