Elektroauto Chronik eines Irrtums

Opel Ampera-e

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Aktualisiert 7.3.2019

Vorgeschichte: Kalifornien und der Clean Air Act. Der Clean Air Act ist ein Bundesgesetz der USA zur Reinhaltung der Luft. Damit soll eine gute Luftqualität gesichert, vor Saurem Regen geschützt und die Ozonschicht geschützt werden. Dazu sollen CO2-Emissionen reduziert werden, um der Klimaerwärmung entgegenzuwirken. Der Clean Air Act wurde schon 1963 verabschiedet und in den 1970er Jahren erweitert und verschärft und 1990 in seiner endgültigen Form bestätigt. (Aus Wikipedia) Gegen Ende des 20. Jahrhunderts zeichnete sich damit die kommende Positionierung des Elektroautos ab.

General Motors elektrifiziert vor. Die Opel-Mutter General Motors hatte 1996 das zweisitzige EV1-Coupé auf den Markt gebracht. Es wurde nach 1100 Exemplaren mangels Nachfrage wieder eingestellt.1

Die Folgen. Kalifornien verschärfte den Clean Air Act und verlangte ab 2003 eine Quopte von elf Prozent Elektroautos. „Deshalb ging BMW 2009 mit einem Großteil ihrer 600 Mini-E-Prototypen in Kalifornien an den Start; auch Nissan betreibt die Markteinführung des E-Mobils Leaf mit Hochdruck. General Motors ist beim neuesten Elektro-Hype ebenfalls dabei, doch diesmal ist unter der Motorhaube alles anders. Der Chevrolet Volt und der nahezu baugleiche Opel Ampera dürfen sich Elektrofahrzeuge nennen, obwohl sie einen 111 kW (150 PS) starken Elektromotor mit einem Vierzylinder-Benziner kombinieren“1

2010: Der Hybrid-Opel Ampera. Rein elektrisch hat der Ampera 150 PS, der zusätzliche Verbrennungsmotor 60 kW (82 PS): Das soll für eine Reichweite von 500 Kilometer reichen, macht die 1,7 Tonnen aber langsam. „Jede Energiewandlung kostet mindestens sieben Prozent der eingesetzten Energie, rechnen Experten vor. Opel macht auch auf Nachfragen keine Angaben zum Benzinverbrauch. (…) Auf langen Strecken dürfte der Ampera knapp doppelt so viel Kraftstoff brauchen wie ein vergleichbar starker Diesel. Beim Wochenendausflug ins Gebirge schlägt der Klimavorteil des CO2-freien Fahrens also ins genaue Gegenteil um.“1 Dazu kostet die Lithium-Ionen-Batterie mit 16 kWh über 10.000 Euro.

Stadt elektrisch, Land fossil. Der Elektromotor des Opel Ampera-e reicht für etwa 60 Kilometer. wenn sie leer ist, erzeugt der Verbrennungsmotor Strom; die  Reichweite beträgt so etwa 500 Kilometer. „Das Ampera-Prinzip ist klar: In der Stadt fährt man elektrisch, über Land mit Benzin.“2

Christian Wüst im Spiegel: „Der Ampera ist das erste uneingeschränkt praxistaugliche Elektroauto der Welt. Er ist kein Minimalauto, sondern eine viertürige Limousine mit Kofferraum. Er wird kein Verkehrshindernis sein, sondern 160 Kilometer pro Stunde erreichen. Und er wird kein Fall für den Abschleppdienst sein, wenn der Lithium-Akku leer ist. Geht der Strom zur Neige, springt ein Benzinmotor an.“3
Diese Reichweitenverlängerer wurde von Opel und GM 2007 vorgestellt und heißt auch heute noch Range Extender. „Das Auto fährt so weiterhin elektrisch, produziert aber seinen eigenen Fahrstrom mit Kolbenkraft, womit das Problem der geringen Reichweite gelöst ist – das Kardinalproblem des Elektroautos. Beim Opel Ampera dagegen dominiert der Elektroantrieb, er erbringt die volle Antriebsleistung von 150 PS auch ohne Benzinunterstützung. Der Wagen ist so konzipiert, dass er in erster Linie elektrisch fahren soll; eine Batterieladung (Ladezeit gut drei Stunden) reicht, um mehr als 60 Kilometer zügig im Verkehr mitzuschwimmen.“3 – „35 Liter fasst der Tank des Range Extenders. Damit ist bei gemäßigter Fahrweise eine Streckung der Reichweite um respektable 400 Kilometer möglich.“4
16 kWh bedeuten bei einem CO2-Anteil von 500 g pro kWh rund 80 g CO2 pro Kilometer. Dazu kommt der CO2-Rucksack des Elektroautos plus der CO2-Anteil für die gesamte neu anzulegende Strom-Infrastruktur. Da ist man einem sparsamen fossil betriebenen Auto besser unterwegs.

Der Verbrauch. Der Ampera hat zwei Elektromotoren und einen Verbrennungsmotor. „Angestrebt ist ein Praxisverbrauch von rund sieben Litern, etwa das Niveau gleichstarker konventioneller Autos. Elektrisch angetrieben soll der Wagen 16 Kilowattstunden pro 100 Kilometer konsumieren, was bei derzeitigen Strompreisen rund 3,50 Euro Kraftstoffkosten verursachen würde, weniger also als ein konventionelles Drei-Liter-Auto. (…) Kühle Rechner werden sich dadurch kaum motivieren lassen, einen Opel für knapp 43.000 Euro zu kaufen.“3

Zwei Antriebssysteme. „Ausreichende Batteriekapazität für den durchschnittlichen Alltagseinsatz wird für die gelegentliche Fahrt über Land oder in den Urlaub durch einen herkömmlichen Verbrennungsmotor ergänzt und gesichert – nicht als Ladestation, sondern als Generatorantrieb, der im Falle einer leer gesaugten Batterie den Elektromotor mit Strom versorgt. Der Verbrenner, ein Benziner, sitzt beim Ampera unter der Fronthaube und holt aus vier Zylindern und 1,4 Liter Hubraum 86 PS. Ist die Batteriekapazität erschöpft, springt der Otto an und bringt einen Generator in Schwung, der seinerseits den elektrischen Antriebsmotor mit der jeweils benötigten Menge Strom beliefert.“5

Testfahrt im Ampera 2011. „Im Falle des Ampera verspricht der Hersteller bis zu 80 Kilometer. So viel erreichten auch wir auf einer ersten Testfahrt, allerdings mit ausgeschalteter Klimaanlage und in gemächlicher Überlandfahrt. Im Unterschied zu anderen Elektrofahrzeugen mit leerer Batterie ist jedoch die Fahrt im Ampera damit nicht zu Ende. Denn nahezu unmerklich bringt sich ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 86 PS ins Spiel. Dieser sogenannte Range Extender, zu deutsch: Reichweitenverlängerer, treibt einen Generator an. Der wiederum erzeugt Strom und speist den Elektromotor. Auf diese Weise soll der Ampera-Fahrer für weitere 420 Kilometer mobil bleiben. Die Angst, unterwegs mit leerem Stromspeicher zu stranden, ist einem damit genommen.“6
Den Ampera-E gab es ab 42.900 Euro. Sein Lithium-Akku mit 16 kW wiegt rund 200 kg und kostet 15.000 Euro.6

Lieferschwierigkeiten. Das Schwestermodell von General Motors, der Chevrolet Volt, geriet bei einem Crashtest in Brand. „Der Brand des elektrischen Hoffnungsträgers Chevrolet Volt im vergangenen Jahr brachte die Diskussion um Akku-Sicherheit erst so richtig ins Rollen. Die Elektro-Limousine war nach einem Crashtest abgebrannt, weil sich die Lithium-Ionen-Batterie entzündet hatte. Das geschah aber erst 21 Tage nach dem Test. Nach und nach war Kühlflüssigkeit ausgelaufen, die normalerweise dafür sorgt, dass die einzelnen Zellen der Akkupacks nicht überhitzen.“7

Der Brand hatte auch Folgen für den Ampera-E. „Das US-Schwestermodell Chevrolet Volt hatte bei einem Crashtest Feuer gefangen. Pech für die Rüsselsheimer: In Europa gibt es laut Opel schon an die 6500 Vorbestellungen für den Ampera. Die Volt-Geschichte ist also nicht nur ein technischer Rückschlag, sondern auch ein erneutes Image-Problem.“8

Ampera-Ernüchterung. „Einer der ersten, die hierzulande Elektroautos verkauften, war Opel. Der große Erfolg beim Ampera blieb jedoch aus. Anfangs hatte man das Auto in Rüsselsheim als großen Durchbruch gefeiert. Inzwischen herrscht hier längst Ernüchterung.“9

Opel Ampera-e: Das Antriebskonzept ist ungewöhnlich: „Sein 111 kW / 150 PS starker E-Motor erledigt die Antriebsaufgaben. Der zusätzlich an Bord befindliche 1,4-Liter-Benzinmotor mit 63 kW / 86 PS dient als Generator, der bei Bedarf die Batterie lädt. Der gesamte Aktionsradius des Deutsch-Amerikaners liegt bei etwa 500 Kilometern, wobei zwischen 40 und 80 Kilometer rein elektrisch gefahren werden können. (…) Wie bei allen anderen Plug-in-Hybriden gilt: Den offiziellen Normverbrauch von unter 1,6 Litern sollte man nicht allzu ernst nehmen.“10

Spritztour mit dem Opel Ampera-e. Wie bei anderen Elektroautos üblich sind die Firmenangaben zur Reichweite eher theoretischer Natur. „Von dem versprochenen 520 Kilometer-Radius kann man schon unter günstigen Umständen mindestens 150 Kilometer streichen. Kommen schnelle Autobahnpassagen hinzu, vergaloppiert sich die Reichweitenanzeige komplett. (…) Opel verspricht 150 Kilometer zusätzliche Reichweite in nur 30 Minuten Ladezeit. Im Kleingedruckten geben die Rüsselsheimer allerdings zu, dass es sich um einen theoretischen Wert mit komplett leerer Batterie handelt. In der Praxis dauert es meist wesentlich länger, weil der Akku beim Schnellladen heiß und die Ladeleistung abgeregelt wird.“11

Fußnoten und Quellen:
  1. Die Hoffnung aus der Dose, in SZ 5.7.2010 [] [] []
  2. Lubbadeh, Jens, Niemann, Christoph, Elektroautos können klimafreundlich sein, in Greenpeace-Magazin 02/2011 []
  3. Wüst, Christian, Notstrom aus Benzin, in Der Spiegel 27/2011 [] [] []
  4. Weber, Oskar, Straßensegler und Flautenschieber, in SZ 4.7.2011 []
  5. Weber, Oskar, Straßensegler und Flautenschieber, in SZ 4.7.2011 []
  6. Specht, Michael, Einstand mit Anstand, in SZ 17.10.2011 [] []
  7. Crashs und Manipulationen, in focus.de 7.7.2012 []
  8. Fromm, Thomas, Ärger in Rüsselsheim, in SZ 16.12.2011 []
  9. Fromm, Thomas, Eine Frage des Preises, in SZ 11.6.2014 []
  10. Harloff, Thomas, Sie haben alle das gleiche Manko, in sueddeutsche.de 1.4.2015 []
  11. Becker, Joachim, Kilometerfresser, in SZ 30.6.2018 []
von wz
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