Elektroauto Chronik eines Irrtums

Februar 2018

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Ladezone München. Die Stadtwerke München (SWM) wurden vom Wirtschaftsausschuss des Stadtrats beauftragt, 350 weitere Ladesäulen zu installieren und bis Ende 2019 zusätzliche Parkplätze für zehn Millionen Euro mit Ladesäulen zu versehen. Diese Investition wird sich für die SWM nicht rentieren. Deshalb dürfen die SWM diese Anlagen nach 2020 wieder demontieren, falls die Ladesäulen weiter defizitär sind und keine weitere Finanzierung seitens der Stadt München erfolgt. „Die 350  Säulen bieten je zwei Ladepunkte mit bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom. Nach Bedarf können statt einer Normalladesäule auch sogenannte Multicharger ans Netz gehen – sie bestehen aus einem normalen Ladepunkt und einem mehr als 22 Kilowatt Gleichstrom starken Schnellladepunkt, die gleichzeitig genutzt werden können. Umrechnungsformel: eins zu fünf, ein Multicharger bringt so viel wie fünf normale Säulen. Theoretisch könnten also statt der 350  Normalladesäulen auch 70  Multicharger aufgebaut werden.“ [1]

Nächste Studie: Elektroautos besser. Das Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT), das sich bei der Aufklärung des VW-Dieselskandals verdient gemacht hat, untersuchte elf Forschungsarbeiten zum Thema Elektroauto. In diesem Fall war das ICCT-Ergebnis nicht nachvollziehbar: Elektroautos seien klimafreundlicher als angenommen. „Demnach sparen die strombetriebenen Fahrzeuge über einen Lebenszyklus von 150.000 Kilometern zwischen 28 und 72 Prozent des Treibhausgases Kohlendioxid ein. Die Bandbreite ist so groß, weil auch der unterschiedliche CO2-Ausstoß bei der Produktion der Batterien von E-Autos einkalkuliert werden muss. (…) Laut der ICCT-Studie hat das Elektroauto spätestens nach drei Jahren den Diesel oder Benziner in seiner Klimabilanz überholt.“ [2]
Das Ergebnis ist schon bezüglich des CO2-Ruckssacks nicht verstehbar.

Elektrische Lieferzeiten. Der Tesla Model 3 hinkt mit der Produktion hinterher und wird erst in 2019 in Deutschland erwartet. Ein Jahr Lieferzeit hat der Honda Ioniq Elektro. Wer den Smart Fortwo ED im Januar 2018 bestellt, wird frühestens Ende 2018 beliefert. „Als Grund nennen die Smart-Leute die ‚sehr hohe Nachfrage, die die anvisierten Planungen weit übertroffen‘ habe. Ähnlich klingt es bei VW, wenn man sich nach dem Golf E erkundigt, also der Elektrovariante des Kompaktwagens. Dessen Lieferzeit beträgt aktuell mindestens zehn Monate. (…) Offenkundig haben einige Hersteller das Interesse an Elektroautos viel zu niedrig eingeschätzt. Ökonomisch lässt sich das durchaus begründen, denn die Gewinnmarge bei einem E-Auto – wenn es sie denn überhaupt gibt – ist deutlich niedriger als bei einem herkömmlichen Modell.“ [3]
Beim Nissan Leaf und beim Kangoo ZE dauert es ein halbes Jahr, beim Tesla Model S und X wie beim Renault Zoe oder beim Renault Twizy sind es fünf Monate. Etwas schneller geht es beim BMW i3 und beim Opel Ampera. [3] „Ein bisschen Geduld ist also erforderlich, wenn man in ein Elektroauto umsteigen möchte. Das übt schon einmal für später, an der Ladesäule.“ [3]

[1] Hutter, Dominik, Vollgas beim Strom, in SZ 7.2.2018

[2] Traufetter, Gerald, Elektroautos deutlich klimafreundlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, in spiegel.de 9.2.2018; vgl. auch Klimafreundliche Elektroautos, in Der Spiegel 7/10.2.2018

[3] Pander, Jürgen, Kriegel, Matthias, Mal wieder nicht geliefert, in spiegel.de 26.2.2018

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