Elektroauto Chronik eines Irrtums

September 2011

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Kagermann hat noch kein Elektroauto. Der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), Henning Kagermann: „Ich werde mir eines zulegen – in ein bis zwei Jahren. (…) Wenn Sie in Ihrer eigenen Garage Strom tanken, finde ich das sogar bequemer als an der Tankstelle.“1
Eine völlige Fiktion: Das moderne Schnelllademodell geht von 370 kW aus. Darunter leidet dann das gesamte Mittelspannungsnetz – und die Stromversorgung mit unzureichender Verteilung.

Kritik an der NPE. Christian Wüst berichtet im Spiegel über die IAA 2011: „Erstmals wird auf der Frankfurter Autoschau ein ganzes Areal der Elektromobilität gewidmet sein. Auf insgesamt 20.000 Quadratmetern, so Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, bekommt der Besucher einen ‚einzigartigen Überblick über diese Antriebsart‘. Doch wenn etwas in der Halle sichtbar werden wird, dann der ernüchternde Entwicklungsstand einer Antriebstechnik, die noch lange nicht dazu taugt, einen Massenmarkt zu erschließen. ‚Der Elektro-Hype ist mir unerklärlich‘, sagte kürzlich ein Altmeister der Fahrzeugentwicklung im Fachmagazin Automobil Industrie: Fritz Indra, Honorarprofessor in Wien und früher leitender Motorenentwickler bei Opel und General Motors, sieht noch reichlich ‚offene Fragen‘ und keine befriedigenden Antworten. (…) Und bleibt das Auto liegen, hilft kein Reservekanister – nur der Abschleppdienst. Wie fest muss der Mensch im Glauben einer Nationalen Plattform verankert sein, um eine Million Menschen zu sehen, die so ein Auto haben wollen?“2
Rudolf Krebs, Entwicklungschef bei VW, schreibt an die Enden des Fünfecks fünf Begriffe: Energieinhalt, Leistung, Kosten, Sicherheit und Lebensdauer. Es sind gewissermaßen die Himmelskörper im Sternbild Elektromobilität. Der Entwickler, erklärt Krebs, sei in diesem Gebilde gefangen. Verbessert er eine der Eigenschaften, geht es sofort zu Lasten der anderen. Steigen Leistung oder Energieinhalt, sinkt die Lebensdauer. Oder eine höhere Reichweite – muss teuer bezahlt werden. Die große Herausforderung besteht im Moment darin, ein Elektroauto zu entwickeln, das in all diesen Disziplinen gerade so eben akzeptabel ist. (…) ‚Für den Langstreckeneinsatz‘, sagt VW-Experte Krebs, ‚können Sie den Elektroantrieb auf absehbare Zeit vergessen.‘ (…) Auch die geplanten E-Rennen der Fia werden kaum Reklame machen für die neue Antriebsart, vielmehr deren Schwachpunkt illustrieren. Ein solcher Strom-Grand-Prix wird gut 15 Minuten dauern. Mehr schaffen die Akkus nicht.”2

Saubere Elektroautos? Myclimate-Geschäftsführer René Estermann zur Frage, ob das Elektroauto sauber sei: „Nein, denn auch die Produktion der Autos verursacht Treibhausgase und eine fast-emissionsfreie Fahrt ist nur möglich wenn der Strom, der in das Fahrzeug eingespeist wird, aus erneuerbaren Quellen stammt. Beim derzeitigen Strommix in Europa entstehen etwa 80 bis 100 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit sind Elektrofahrzeuge mit Euromix-Strom ähnlich gut wie die aktuell besten Verbrennungsmotoren. Eine fast emissionsfreie Zukunft mit E-Mobilen setzt voraus, dass nur Ökostrom aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse für das Fahren verwendet wird und die Emissionen der Produktion kompensiert werden.“3
Aber der für die Masse der Elektroautos großflächig zu erzeugende Ökostrom ruiniert Flora und Fauna und die Landschaft.

Fußnoten und Quellen:
  1. Ramstetter, Michael, Vigl, Mario, „Die Kunden müssen sagen: Wow, das will ich haben“, in ADAC Motorwelt 9/2011 []
  2. Wüst, Christian, Das Strom-Phantom, in Der Spiegel 37/12.9.2011 [] []
  3. Bilger, Oliver, „Begrenzte Reichweite“, in SZ 9.9.2011 []
von wz
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