Elektroauto Chronik eines Irrtums

September 2010

S

Ladestationen in München. Bis Ende August 2010 gab es zwei funktionsfähige Ladestationen von den Stadtwerken München (SWM); Bei der Tesla-Niederlassung an der Blumenstr. 19 und 26. In Planung haben die SWM 100 weitere bis Ende 2010. 70 davon werden auf und in privaten Immobilien errichtet. Derzeit ist die Zahl der Elektroautos in München noch unter 100.1 „Die neuen Stationen der Stadtwerke sind Teil des Nationalen Entwicklungsplans der Bundesregierung zur Elektromobilität, München ist eine von acht Modellregionen in Deutschland. Ziel ist, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.“1

Toyota elektrisch. Toyota hatte in den USA imageschädigenden Rückrufaktionen. Nun will der inzwischen größte Autokonzern der Welt reine Elektroautos entwickeln. Der Prius war bisher ein Hybrid mit Elektromotor und fossilem Motor. Von der reinen E-Version des Prius sollen bis 2012 20.000 Fahrzeuge in den USA verkauft werden. Sie sind 3000 bis 5000 Dollar teurer als der Hybrid-Prius. „Der angepeilte Preis von unter 28.000 Dollar würde den elektrisch angetriebenen Prius zum billigsten Öko-Auto seiner Klasse machen. Konkurrent General Motors bietet sein Modell Volt für 41.000 Dollar an.“2

Ferdinand Dudenhöffer in der Zeit: „Elektroautos, Hybride und Hochleistungsbatterien sind ein riesiger Wachstumsmarkt. Deshalb will Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland zum ‚Leitmarkt‘ für Elektromobilität machen. Schaut man näher hin, entpuppt sich die Ankündigung als heiße Luft. Auch das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, wird verfehlt.“3
Eine richtige Erkenntnis – schon im Jahr 2010!
Dudenhöffer weiter: „Das größte Förderprojekt für Elektromobilität sind acht Modellregionen, in die 115 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II fließen. Dabei werden über 190 Einzelprojekte unterstützt. Im Schnitt liegt die Fördersumme pro Projekt bei 605.000 Euro. Es dominiert das föderalistische Prinzip, das nach dem ‚Gießkannenprinzip‘ subventioniert. (…) Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Autos stammen von deutschen Herstellern, deswegen fehlt hier der Impuls von der Angebotsseite. Derzeit fahren hierzulande gerade mal 1600 Elektroautos. Bis 2012 ändert sich daran wenig. Selbst wenn dann eine rasante Steigerung erfolgt, kommen wir gerade mal auf 290.000 Stromer im Jahr 2020. Zählen wir noch die ab 2013 angekündigten Plug-in-Hybride dazu, also Hybride, die an der Steckdose nachgeladen werden können, erreichen wir bei günstigstem Verlauf maximal 600.000 Fahrzeuge.“3

Benzin gegen Strom. Roland Wengenmayr  im Berliner Tagesspiegel: „Moderne Elektromotoren setzen zwischen 85 und 95 Prozent der elektrischen Energie in Vortrieb um, die effizientesten Diesel dagegen höchstens 35 Prozent der chemisch im Treibstoff gespeicherten Energie – im Teillastbetrieb sogar erheblich weniger. Der Großteil dieser Energie heizt nur die Umwelt auf. Allerdings enthält fossiler Kraftstoff rund fünfzig bis hundert Mal so viel nutzbare Energie wie ein voll geladener Lithium-Ionen-Akku gleichen Gewichts. Deshalb leiden Elektroautos nach wie vor unter einem Gewichtsproblem, das kürzere Reichweiten erzwingt. Der effizientere Antrieb kann dies nur teilweise ausgleichen. Reine E-Autos müssen daher die Ladekapazität ihrer Akkus voll ausnutzen – während Hybridautos ihre Akkus mit kleinen Energiemengen schonen.“4
Beim Vergleich der Effizienz fossil betriebener Motor gegen Elektromotor werden die Verluste bei Erzeugung und Verteilung außer Acht gelassen. Bei der Stromerzeugung in thermischen Kraftwerken liegt der Verlust bei 40 bis 70 Prozent – und auch „Öko-Strom“ ist nicht CO2-frei, wie gern propagiert wird.

Alterungsprozesse. Volker Störkmann leitet das Elektrifizierungsprogramm des Smart. „Kritisch ist aus Störkmanns Sicht nicht das tausendfache Laden und Entladen der Akkus, sondern ihr allmähliches Altern, besonders in heißen Sommern. Ursache ist die Elektrochemie. Wenn die Akkus elektrische Energie abgeben oder laden, fließt im äußeren Stromkreis ein Strom negativ geladener Elektronen. Im Akkuinneren fließen zum Ausgleich positiv geladene Lithiumatome (Lithiumionen) zwischen den schwammartigen Elektroden. In ihnen läuft die chemische Reaktion zur Energiespeicherung ab. Im Lauf der Jahre scheidet sich das Lithium aber auch an den falschen Stellen im Akku ab und geht so langsam verloren. Dies und andere Prozesse lassen die Akkus altern.“5

Fußnoten und Quellen:
  1. Tibudd, Michael, Steckdose am Straßenrand, in SZ 1.9.2010 [] []
  2. Reuters, Toyota unter Strom, in SZ 15.9.2010 []
  3. Dudenhöffer, Ferdinand, Leitmarkt Deutschland? So nicht, in Die Zeit 16.9.2010 [] []
  4. Wengenmayr, Roland, Stadtflitzer mit Magie im Heck, in Der Tagesspiegel 23.9.2010 []
  5. Wengenmayr, Roland, Stadtflitzer mit Magie im Heck, in Der Tagesspiegel 23.9.20104 []
von wz
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