Elektroauto Chronik eines Irrtums

November 2014

N

München blecht für Elektroautos. Die Landeshauptstadt will ab 2015 den Kauf von Elektroautos subventionieren. Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) informierte, dass Käufer von elektrischen Pkw 2500 Euro einmalige Subvention erhalten werden. Falls Handwerker oder Gewerbetreibende einen elektrischen Kleinlaster bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht kaufen, soll es 4000 Euro Subvention geben. Insgesamt sollen die nächsten drei Jahre hierfür 23 Millionen Euro aufgewendet werden. Dazu werden 500.000 Euro für Elektrofahrzeuge des städtischen Fuhrparks bereitgestellt. Auch soll die Ladeinfrastruktur verbessert werden. „Bislang unterhalten die Stadtwerke etwa 20 solcher Strom-Zapfsäulen, hinzu kommen einige wenige von anderen Stromanbietern, zum Beispiel vom Konzern Eon. Lorenz will diese Zahl bis Ende 2017 verhundertfachen, nämlich auf stadtweit 2000 Ladepunkte, und kalkuliert dafür weitere 600.000 Euro an Aufwendungen für die Stadt.“1

Busspuren- und Park-Freiheit. Trotz der Förderung der Elektromobilität lehnt München die Freigabe der Busspuren ab, wie sie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorschlägt. Auch Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle (parteilos) ist gegen die Freigabe von Busspuren für Elektroautos. „Laut Blume-Beyerle senden die Busse ein Signal aus, sobald sie sich auf der Busspur einer Kreuzung mit Ampel nähern – und schalten so selbst das Signal auf Grün. E-Autos verfügen über diese Technik nicht. Sie würden, fürchtet Blume-Beyerle, die Busspuren verstopfen – und ‚besonders umweltbewusste Fahrgäste ausbremsen‘.“1 Auch das kostenlose Parken in den Parkraumzonen wird in München abgelehnt: Ortsfremde Elektroautofahrer würden den Anwohnern Parkplätze verstellen, zusätzlichen Verkehr hervorrufen und das Parkraummanagement konterkarieren.1

München überfüllt mit Elektroautos. In Deutschland waren Ende 2013 etwas über 7100 Elektroautos zugelassen, in München einige Hundert. Davon gehören etliche zu Flottenbetreibern wie BMW (mit i3 und i8) oder den Carsharing-Töchtern.1

Die BMW-Straßenlaterne. Die geringe Verbreitung der  Elektroautos in Deutschland hat auch mit der mangelhaften Lade-Infrastruktur zu tun. Inzwischen gibt es zwar Apps für das Smartphone mit einer Übersicht der Ladestationen, aber nicht jedes Elektroauto kann an jeder Ladestation laden. Es muss daher erst eine Standardisierung der Anschlüsse erfolgen. BMW hat eine LED-Straßenlampe als Ladesäule präsentiert, deren standardisierter Abschluss für alle Fabrikate verwendbar sein soll. „Zwei Prototypen stehen vor dem Firmengebäude in München, im Frühjahr startet in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landeshauptstadt ein erstes Pilotprojekt unter dem Namen ‚Light and Charge‘. So soll ein flächendeckendes System in München vorangetrieben werden. Laut BMW soll dafür keine gesonderte Infrastruktur nötig sein. Bezahlt wird bargeldlos per App.“2

Allianz versichert Elektroautos. Die Allianz-Versicherung übernimmt nun auch die Versicherung von Elektroautos und hat einen weltweiten Kooperationsvertrag mit Tesla abgeschlossen. Die Zusammenarbeit betrifft auch das Design und den Ausbau der Ladestationen. Die Allianz versichert bereits Teslas in Großbritannien und Frankreich. „Tesla ist als Pionier der Elektroautos besonders attraktiv für die Allianz, auch wenn die Verkaufszahlen bisher niedrig sind. Denn Elektroautos sind ein Trend der Zukunft; wer da als Versicherer die Risiken früh kennt, hat große Marktvorteile.“3

Akku-Verluste. Da die Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit der Akkus oft problematisiert wurden, hat der ÖAMTC einen Langzeittest über drei Jahre mit dem Mitsubishi i-MiEV durchgeführt, der 2010 als eines der ersten reinen Elektroautos auf den europäischen Markt kam. „Das Ergebnis ist ernüchternd: Bereits nach drei Jahren verliert die Batterie 17 Prozent an Energie. Das klingt zunächst nicht dramatisch, doch ‚die meisten Hersteller schreiben schon bei 20 bis 30 Prozent Kapazitätsverlust den Tausch einzelner Zellen oder des ganzen Akkupacks vor‘, so ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.“4
Der Mitsubishi wurde 2011 auf dem Rollenprüfstand der TU Wien getestet. 2014, nach 40.000 real gefahrenen Kilometern, fährt er nur noch 90 statt der vormals 108 Kilometer im Nutzer-Mix. Bei einer simulierten Fahrt mit Tempo 50 fiel die Reichweite von 165 auf 137 Kilometer. „Auch Mitsubishi-Sprecher Friedrich Sommer zeigte sich dem österreichischen Magazin Format gegenüber überrascht. ‚Bei 100.000 gefahrenen Kilometern ist ein derartiger Leistungsabfall sehr wohl wahrscheinlich, aber nicht bei 40.000‘, so Sommer. Reklamationen diesbezüglich habe es noch nicht gegeben. Als möglichen Grund gab er zu viele Schnellladungen an. Dabei wird der Strom ungleichmäßig auf die Zellen der Batterie verteilt.“5
Mitsubishi gibt beim MiEV fünf Jahre Garantie, bei BMW und Tesla sind es acht Jahre. Renault bietet Mietbatterien mit Austausch.4

Fußnoten und Quellen:
  1. Völklein, Marco, München unterstützt Kauf von E-Autos, in SZ 6.11.2014 [] [] [] []
  2. Reek, Felix, Es lade Licht, in sueddeutsche.de 11.11.2014; vgl. auch Ubitricity []
  3. Fromme, Herbert, Unter Strom, in SZ 24.11.2014 []
  4. Akkuschwund schon nach drei Jahren, in sueddeutsche.de 27.11.2014 [] []
  5. Akkuschwund schon nach drei Jahren, in sueddeutsche.de 27.11.2014; Hervorhebung WZ []
von wz
Elektroauto Chronik eines Irrtums

Chronologie

Anhang