Elektroauto Chronik eines Irrtums

Mai 2020

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Aktualisiert 9.6.2020

VDA verstärkt Lobbyarbeit. VDA-Chefin Hildegard Müller arbeitete von 2005 bis 2008 als Staatsministerin im Kanzleramt von Angela Merkel: Man kennt sich also gut. Vor dem „Autogipfel“ im Kanzleramt am 5.5.2020 forderte Müller eine „zeitnahe Entscheidung“ über staatliche Autokaufprämien: Sie rechnet mit einem Verkaufsminus von mindestens 20 Prozent im Jahr 2020 und möchte eine „breite Förderung“ von Elektro- und Hybridautos, aber auch von Verbrennern. Der Steuervorteil des Dieselkraftstoffs soll erhalten werden.1
Dazu aus einem Kommentar von Henrik Müller in spiegel.de: Die „Abwrackprämie“ von 2009 half nur der Autoindustrie und vermischte konjunktur- und umweltpolitische Ziele. „Und dass Käufer von Neuwagen zu den Bedürftigen zählten, ließ sich beim besten Willen nicht behaupten.“ Eine deutsche Käufersubvention würde auch europäischen Produktionsstandorten nützen: „Gerade billige Elektroautos, die am ehesten von Kaufanreizen profitieren dürften, kommen aus der europäischen Nachbarschaft. So werden beispielsweise die Einsteigermodelle aus  dem VW-Reich (VW Up, Seat Mii, Skoda CityGo) im slowakischen Bratislava gebaut.“2

Die Auto-Bundesländer. Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg (Daimler, Porsche), Bayern (BMW, Audi)  und Niedersachsen (VW) wurden ebenfalls aktiv. Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Markus Söder (CSU) und Stephan Weil (SPD) stellten einen Forderungskatalog auf: 4000 Euro zusätzlich für den Kauf von Autos mit Elektro-, Brennstoffzellen- oder Plug-in-Antrieb, 3000 Euro für den Kauf eines Verbrenners. Wer sein Auto mit Euro-3- oder Euro-4-Norm abgibt (an wen eigentlich???), soll 1000 Euro „Recyclingprämie“ bekommen. Söder zufolge brauche man einen „Innovationsbeschleuniger“. Dazu sollen E-Ladestationen auch auf privater Ebene gefördert werden. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bezeichnete die Kaufprämien als „puren Lobbyismus“.3
Hunderte Millionen Euro sollen z. B. an Susanne Klatten und Stefan Quandt (BMW) und die Familien Porsche und Piëch (VW, Porsche) für 2019 ausgeschüttet werden: Gleichzeitig werden ungeniert staatliche Kaufhilfen gefordert.

Zulassungen E-Autos: Rekordhoch im März, Einbruch im April. Mit 6483 Neuzulassungen von E-Autos und Plug-in-Hybriden lag der April bei der Hälfte der März-Zulassungen. Laut Stefan Bratzel von CAM lag der März-Rekord an den durch den Flottenverbrauch induzierten günstigen Angeboten der Hersteller und an einem Prämien-bedingten Nachholeffekt, „Im Einzelnen wurden 3659 Anträge für reine Elektroautos mit Batterieantrieb gestellt, 2822 für Plug-in-Hybride und 2 für Brennstoffzellenautos. (…) Seit Start des Förderprogramms im Sommer 2016 sind bisher insgesamt 198.321 Anträge eingegangen. Die meisten waren mit 29.180 für Fahrzeuge der Marke BMW, dahinter folgen Renault mit 24.861 und VW mit 24.696.“4

Unerreichbar: 1 Million E-Autos und Hybride bis 2020, 10 Millionen bis 2030. Die Ankündigung der Merkel-Regierung von 2010, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen, scheiterte bekanntlich gründlich. Nun ist auch das nächste Ziel in weiter Ferne: Auch das 2019 ausgerufene Ziel, bis 2030 zehn Millionen Batterieelektroautos und Plug-in-Hybride auf die Straßen zu haben, war auch schon vor der Coronavirus-Pandemie unerreichbar, wie der Deloitte-Experte Harald Proff feststellte. Nach Delitte könnte der Corona-Virus das Ziel von einer Million bis 2030 um bis zu 500.000 reduzieren. Proff: „Finanziell wird ein teureres Elektroauto weniger in Betracht gezogen als konventionelle Fahrzeuge.“5

Telefonischer Autogipfel mit der Bundeskanzlerin (1). Am 5.5.2020 gab es eine Telefonkonferenz der Spitzen der deutschen Autoindustrie, der Gewerkschaften und der zuständigen Minister mit Angela Merkel. VDA-Präsidentin Hildegard Müller war von 1998 bis 2002 Bundesvorsitzende der Jungen Union und von 2005 bis 2008 Staatsministerin im Bundeskanzleramt von Angela Merkel. Der VDA forderte Fördermaßnahmen, auch über eine Abwrackprämie, vulgo „Umweltprämie“ wie 2009, kurz: ein „automobiles Konjunkturprogramm“. Anmerkung dazu in der SZ: „Das Kunststück gelingt auch nur der Autoindustrie: Sie bricht eine Diskussion vom Zaum – und findet dann Argumente, sie rasch in ihrem Sinne zu entscheiden. Und zumindest die Landespolitiker folgen.“6 Und das parteiübergreifend: Niedersachsens Stephan Weil (SPD),  Baden-Württembergs Wilfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Bayerns Markus Söder (CSU) fordern vom Bund eine „Innovationsprämie“ von 4000 Euro. „Gelten soll sie für Autos, die einen Batterie- und Brennstoffzellenantrieb haben oder zumindest einen kleinen Elektrohilfsmotor, genannt Plug-in-Hybridzusätzlich zum bestehenden Förderprogramm.“7 Dazu sollen moderne Benzin- und Dieselautos (mindestens mit Klasse 6d) eine Prämie von 3000 Euro bekommen. Wer sein Auto der Emissionsklasse Euro 4 und schlechter verschrottet, soll eine „Recycling-Prämie“ von 1000 Euro bekommen. Wer zwei Jahre nach Kauf oder Leasings eines modernen Verbrenners auf ein reines E-Auto umsteigt, soll einen „Umstiegsbonus“ von 1000 Euro bekommen. Winfried Kretschmann: „Bei einer Innovationsprämie ist mir wichtig, dass dabei die am meisten bekommen, die sich ein emissionsfreies Auto kaufen.“7
Martin Kaiser von Greenpeace äußerte dazu: „Kaufprämien entfachen ein milliardenteures Strohfeuer aus vorgezogenen Käufen.“6

Telefonischer Autogipfel mit der Bundeskanzlerin (2). Das Ergebnis war (zunächst) nicht unbedingt zufriedenstellend für den VDA. Anfang Juni wollen Bundesregierung und Konzerne weiter über Kaufanreize beraten. 15 Umweltorganisationen fordern stattdessen eine Mobilitätsprämie für Fahrräder und den ÖPNV. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist gegen die ungezielte Staatshilfe für Konzerne: „Eine Neuauflage der Abwrackprämie darf es nicht geben.“8
In der SZ zieht Michael Bauchmüller in einem Kommentar eine Parallele zu den Corona-Verhaltensregeln: „Den größten Gefallen tut die Bundesregierung der Industrie, indem sie Abstand von ihr hält und keinen Wunsch erfüllt: keine weiteren Kaufprämien, keine Lockerung von Klimaauflagen. Zumindest beim Autogipfel am Dienstag hat sie der Versuchung widerstanden. (…) Denn die Pandemie trifft auch im Fall der deutschen Autoindustrie auf einen Patienten mit Vorerkrankung.“9

Neuer E-Caddy. Das Beispiel StreetScooter macht Schule: VW liefert an die Firma Abt den Caddy mit langem Radstand, und daraus wird ein Elektro-Caddy mit 83 kW-Motor, 37,3-kWh-Akkus und einer Reichweite von rund 160 Kilometer. Im 4. Quartal 2020 ist er ab 29.900 Euro lieferbar.10

Neues von der IAA 2021 (1): Münchner Zentrum blockiert. Sie findet vom 7. bis 12.9.2021 in München statt. Benötigt werden der Königsplatz, der Wittelsbacherplatz, der Odeonsplatz mit Ludwigstraße bis zur Galeriestraße, Max-Joseph-Platz und Marienplatz. Mit Auf- und Abbau werden diese Orte bis zu 16 Tage blockiert. Der Olympiapark wird aufgrund „der Vorbehalte der Automotivunternehmen“ nicht mehr benötigt. Der alte Münchner Stadtrat hat dies alles am 29.4.2020 in nichtöffentlicher Sitzung genehmigt, da die Messe München bis Ende April die Verträge mit dem VDA unterzeichnen musste.
Die IAA 2021 präsentiert den „Summit“ auf dem Messegelände und den „Open Space“ im (blockierten) Zentrum. Verbrennermodelle fungieren unter „emissionsarme Antriebe mit neuer Filtertechnologie“.11 Unter dem Aspekt „Smart City“ werden u. a. präsentiert „die Themen Multimodialität (Nutzung mehrerer Verkehrsmittel etwa auf dem Weg zur Arbeit) und Shared Mobility (das Teilen von selbst bewegten Fahrzeugen wie Autos oder E-Scootern).“11

Neues von der IAA 2021 (2): Die VIP-Spuren. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat hält die Einrichtung von sogenannten „High Occupance Vehicle Lanes“ (HOV) auf Transferachsen vom Messegelände zum Zentrum bis zum September 2021 für unmöglich: Diese Strecken sollen in zwölf Minuten ermöglicht werden. Hierzu müssten auf der A 94 und der Prinzregentenstraße für den Straßenverkehr Spuren gesperrt werden. Eine Voruntersuchung sich müsste hier u. a. mit den dadurch entstehenden Staus, der Verlagerung von Verkehrsströmen und einer vorschriftsmäßige Nutzung der HOV-Spuren befassen.11

Neues von der IAA 2021 (3): Widerspruch. Der bis April 2020 amtierende Stadtrat Herbert Danner (Bündnis 90/Die Grünen) hat an seinem letzten Tag als Stadtrat bei der Regierung von Oberbayern Widerspruch gegen den Stadtratsbeschluss eingereicht: Der Beschluss hätte in einer öffentlichen Sitzung gefasst werden müssen, da für eine Geheimhaltung „keine relevanten persönlichen oder finanziellen Tatbestände“ vorgelegen hätten. Das Interesse der Öffentlichkeit sei elementar, da 6,3 Hektar öffentliche Fläche für die IAA zur Verfügung gestellt würden. Die Regierung von Oberbayern will eine Stellungnahme der Stadt einholen und rechtsaufsichtlich prüfen. Auch Thorsten Keller vom Bund Naturschutz kritisierte dies: „Ein derart weitreichender Eingriff in den öffentlichen Raum – ohne Beteiligung der Öffentlichkeit – ist ein Affront ohnegleichen.“12 Der CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sieht dagegen eine „einmalige Chance“ für die Darstellung der Mobilität der Zukunft. Für ihn ist es „nicht erklärlich, wie man auf diese Umsätze verzichten kann“. SPD-Stadtrat Joachim Vorländer betonte die „Nachhaltigkeit“ der Open Spaces und meint: „Es wird keine VIP-Bereiche geben.“13 Der Noch-Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt, Christian Krimpmann (CSU) meinte, man solle sich nicht wehren gegen diese „bedeutende Veranstaltung von internationaler Tragweite“ in München: Das muss man größer denken, da geht es um den Wirtschaftsstandort München und Bayern.“12
Der Ausverkauf: Die Corona-Pandemie dient inzwischen als Rechtfertigung für jegliche angeblich wirtschaftsfreundliche Aktivität: So wird das Zentrum Münchens – entgegen der ursprünglichen Pläne mit dem Olympiapark -, in einer Nacht- und Nebenaktion für zwei Wochen an die IAA ausgeliefert.
Andreas Schubert schrieb dazu in einem SZ-Kommentar: „Trotzdem hätte vorab ein Dialog stattfinden müssen – nicht mit den Autobauern, sondern mit den Bürgern. (…) Die IAA bleibt eine riesige Werbeveranstaltung, die nun die schönsten Flecken der Stadt tagelang belegen darf.“14
Vergleiche auch: IAA München 2021

DVR für Tempo 130 km/h. Der DVR hat fast 200 Mitglieder: nämlich quasi alle Organisationen, die mit dem Thema Verkehrssicherheit befasst sind. Vor zehn Jahren hat der DVR die Senkung der Zahl von Schwerverletzten und Toten im Straßenverkehr („Vision Zero“) als Ziel formuliert. Nun spricht sich der DVR für ein Tempolimit von 130 km/h aus – auch angesichts von rund 70 Prozent Autobahnstrecken ohne Tempolimit. Dieses bringt auch einen harmonisch fließenderen Verkehr, CO2-Einsparungen von zwei Millionen Tonnen und weniger Unfälle. DVR-Präsident Walter Eichendorf: „Dass ein Tempolimit zu weniger Toten und Schwerverletzten auf Autobahnen führt, ist wissenschaftlich unstrittig.“15

Der Donald Trump der Elektroautos. Elon Musk, der Tesla-Chef, ärgerte sich über die Corona-Beschränkungen in Kalifornien: Die Auflagen des dortigen Bezirks Almeda verhindern, dass die Tesla-Fabrik vor Juni in Betrieb gehen darf. Musk drohte deshalb, den Firmensitz in einen anderen Bundesstaat zu verlegen.16 – „Erst am Montagabend ließ er einen Streit mit dem Bundesstaat Kalifornien eskalieren. Er will das Hauptwerk umgehend wieder hochfahren und werde selbst an der Produktionslinie sein, schrieb Musk am Montag bei Twitter. ‚Wenn jemand festgenommen wird, werde ich darum bitten, dass es nur ich bin.‘ Im Alameda County, in dem sich das Tesla-Werk in Fremont befindet, gelten weiterhin Ausgehbeschränkungen, die eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen. Tesla hatte am Wochenende eine Klage dagegen eingereicht – und Musk hatte gedroht, den Firmensitz des Elektroauto-Herstellers von Kalifornien zum Beispiel nach Texas oder Nevada zu verlegen.“17 Beide US-Bundesstaaten werben mit Niedrigsteuern und lockeren Reglementierungen.
Am 11.5.2020 war der Parkplatz vom Tesla-Werk Fremont wieder voll: Es wurde produziert, entgegen der Anordnungen des Alameda-County. Die Behörden wollten erst eine Woche später die Produktion freigeben. Elon Musk bat darum, dass die Behörden ihn persönlich bei der Arbeit festnehmen sollten.18Musk: „Ich werde mit allen anderen am Fließband stehen. Sollte jemand verhaftet werden, dann möchte ich darum bitten, dass es nur ich bin.“19Musk hatte die kalifornischen Corona-Verordnungen als „faschistisch“ bezeichnet und Anfang März geschrieben: „Die Corona-Virus-Panik ist dumm.“19
Der Starttermin des Tesla-Werkes in Fremont wurde von den Behörden auf de 18.5.2020 festgelegt: wie bei den Werken von General Motors und Fiat Chrysler, also keine Sonderrechte für Elon Musk. Wilfried Eckl-Dorna charakterisiert Musk als ein trotziges Kind, das sich eine Klatsche eingefangen hat: Auch für Musk gab es keine Sonderbehandlung. Dazu ging er mit seiner Belegschaft unfair um. Mitarbeiter empfanden sein Verhalten als „Einschüchterungs- und Bedrohungstaktiken“. Für Eckl-Dorna „wirkt Musk nicht mehr wie eine visionäre Lichtgestalt – sondern wie ein skrupelloser Kapitalist vom ganz, ganz alten Schlag“.20

Patente aus Deutschland und anderswo. Im Jahr 2019 kamen laut DPMA und EPA 3683 Patentanmeldungen deutscher Firmen aus dem Bereich Verbrennungsmotor und 660 aus dem Bereich Elektrotechnik. Bei der Batterietechnik führt LG Chem/Südkorea (313 Anmeldungen) vor Bosch/Deutschland (213), BMW/Deutschland 126), CATL/China (121) und Samsung SDI/Südkorea (113). Im Bereich Autonomes Fahren liegt Bosch vorn (357) vor Ford Global Technologies (290), BMW (277), Daimler (266) und GM Global Technology Operations (208).21

VW produziert für Parkplätze. Das Elektroauto ID.3 weist Probleme bei der Software-Entwicklung auf und deshalb wird derzeit ohne vollständiges Betriebssystem produziert. „In der Zwischenzeit parken Tausende ID.3s als seelenlose Hüllen, teils am Gelände der VW-Fabrik in Zwickau (…), teils auf einem riesigen Parkplatz in Sachsen, den VW der Öffentlichkeit aber nicht gern zeigt.“22 Hinzu kommen Probleme beim nagelneuen Golf 8 mit der E-Call-Notruffunktion: Auch hier müssen Tausende Golf 8 zwischengeparkt werden.

VW kauft sich in China ein. VW will eine 50-prozentige Beteiligung für umgerechnet 900 Millionen Euro bei Anhui Jianghuai erwerben: Das ist die Muttergesellschaft des VW-Partners JAC Motors, mit dem VW Elektroautos produziert. Dazu will VW der größte Anteilseigner des Batterieherstellers Guoxuan High-Tech werden. VW will bis  2025 in China jährlich 1,5 Millionen Elektroautos produzieren und versucht so, die Versorgung mit Akkus zu sichern.23

Auto-Gipfel bei der Auto-Kanzlerin. Am 2.6.2020 werden sich die Konzernbosse der Autoindustrie mit den beteiligten Bundesministern und Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt treffen. Angedacht ist ein Fördertopf – für Verbrennermodelle! Alles bis maximal 140 mg CO2 könnte beim Kauf gefördert werden.24 Das Bundeswirtschaftsministerium mit Peter Altmaier (CDU) will mit fünf Milliarden Euro Elektroautos UND Verbrenner subventionieren.25 Darüber gab es umgehend große Streitereien, vgl. Juni 2020.

Auch DGB für Kaufprämie. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell verlangt eine Kaufprämie für „technologieoffene“ Fahrzeuge und emissionsarme Verbrenner. Im Rahmen eines Konjunkturprogramms soll auch u. a. in eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für E-Mobilität investiert werden.26

Acht Milliarden Euro für französische E-Autos. Präsident Emmanuel Macron stellt ein Hilfspaket über acht Milliarden Euro für die durch Corona geschädigte französische Autoindustrie vor. „Von der kommenden Woche an können Konsumenten vom Staat bis zu 12.000 Euro Zuschuss erhalten, wenn sie ein Elektroauto kaufen.“27 Hybride werden mit 2000 Euro gefördert. Dazu kommen noch weitere fünf Milliarden Euro staatlich garantierte Kredite für den Renault-Konzern. „Macron hofft, dass so bis 2025 eine Million E- oder Hybridautos in Frankreich gefertigt werden.“28

Konjunkturprogramm: Die Autoindustrie fordert Förderung für Verbrenner. Der VDA betonte am 29.5.2020, dass  von den 800.000 Arbeitsplätzen in der Autoindustrie durch die Corona-Pandemie Tausende Arbeitsplätze auf der Kippe stünden. Deshalb müssten auch Benziner und Diesel gefördert werden, nicht nur Elektroautos.29

Städte gegen noch mehr Verkehr. Deutsche Großstädte befürchten, dass bei massiven Kaufanreizen sich die Verkehrsprobleme weiter verschärfen werden. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hat als Vorreiter Umweltspuren für Bus und Fahrrad anlegen lassen und äußerte nun: „Wer in Städten Verantwortung trägt, kann gar nicht anders: Der muss sich für mehr Bus-, Bahn- und Fahrradverkehr einsetzen. Aber sicher nicht für mehr Individualverkehr im Auto… Wir müssen den Autoverkehr auf lange Sicht deutlich reduzieren. In den nächsten 15 Jahren sollte der Autoverkehr in deutschen Städten um rund 50 Prozent sinken.“29

Söder fordert auch Kaufprämie. Am 2.6.2020 treffen sich im Kanzleramt die Spitzen der Großen Koalition, um über das nächste Konjunkturprogramm für die Wirtschaft zu verhandeln. Mit Verweis auf die acht Milliarden Euro für die französische Autoindustrie (siehe oben) fordert der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Kaufprämie: „Wir nehmen damit alte Autos vom Markt und ersetzen sie durch saubere Fahrzeuge der nächsten Generation.“30
Eine alte Regel im Umweltbereich: Vom Einsatz der Rohstoffe und Energie ist es am umweltfreundlichsten, ein Auto bis an das Ende seiner Funktionsfähigkeit zu fahren. Die These, dass man durch vorzeitiges Verschrotten der Umwelt einen Gefallen zu würde, ist grundfalsch: Damit fördert man nur die Autoindustrie.

Fußnoten und Quellen:
  1. Autoverband fordert schnelle Entscheidung über Kaufprämie, in spiegel.de 3.5.2020 []
  2. Müller, Henrik, Corona und die Wirtschaft: Darf’s noch ein bisschen mehr sein? in spiegel.de 3.5.2020 []
  3. Drei Bundesländer fordern Autokaufprämien, in spiegel.de 4.5.2020 []
  4. Nach Rekordhoch im März Zahl der Anträge für Elektroauto-Prämie bricht ein, in spiegel.de 5.5.2020 []
  5. Eckl-Dorna, Wilfried, Warum eine reine E-Auto-Kaufprämie jetzt nicht ausreicht, in manager-magazin.de 5.5.2020 []
  6. Bauchmüller, Michael, Hägler, Max, Mayr, Stefan, Wer am lautesten schreit, in SZ 5.5.2020 [] []
  7. Bauchmüller, Michael, Hägler, Max, Mayr, Stefan, Wer am lautesten schreit, in SZ 5.5.2020; Hervorhebung WZ [] []
  8. Balser, Markus, Bauchmüller, Michael, Hägler, Max, Warten auf die Milliarden, in SZ 6.5.2020 []
  9. Bauchmüller, Michael, Patient mit Vorerkrankung, in SZ 6.5.2020 []
  10. Dieses Tuning freut auch Ökos, in spiegel.de 4.5.2020 []
  11. Schubert, Andreas, Mobilität beansprucht viele zentrale Plätze, in SZ 7.5.2020 [] [] []
  12. Mühleisen, S., Schubert, A., Beschwerde gegen IAA-Beschluss, in SZ 8.5.2020 [] []
  13. Mühleisen, S., Schubert, A., Beschwerde gegen IAA-Beschluss, in SZ 8.5.2020. Doch da gibt es die geplanten HOV – wie die „Olympic Lanes“ beim IOC. Und weitere Sonderberechtigungen werden sich kurz vor der IAA 2021 herausstellen: ebenfalls wie beim IOC üblich []
  14. Schubert, Andreas, Zugeständnisse statt Dialog, in SZ 8.5.2020 []
  15. Nefzger, Emil, Deutscher Verkehrssicherheitsrat fordert Tempo 130 auf Autobahnen, in spiegel.de 11.5.2020 []
  16. DPA, Ärger für Kalifornien, in SZ 11.5.2020 []
  17. Zöttl, Ines, Not oder Wahnsinn, in spiegel.de 11.5.2020 []
  18. Fromm, T., Hulverscheidt, C, Corona-Wüterich am Werk in SZ 13.5.2020 []
  19. Schmieder, Jürgen, Nie langweilig, in SZ 13.5.2020 [] []
  20. Eckl-Dorna, Wilfried, Elon Musk: Entlarvt die Corona-Krise den Tesla-CEO als Erzkapitalisten? in manager-magazin.de 13.5.2020 []
  21. Häger, Max, Weltmeister der Statistik, in SZ 19.5.2020 []
  22. Slavik, Angelika, Abgestellt, in SZ 19.5.2020 []
  23. Giesen, C., VW investiert in China, in SZ 28.5.2020 []
  24. Staatliche Kaufprämie für die E-Klasse, in spiegel.de 22.5.2020 []
  25. Kaufprämien: Bundesregierung will Autokäufe mit bis zu fünf Milliarden Euro unterstützen, in spiegel.de 31.5.2020 []
  26. DPA, DGB fordert Auto-Kaufprämie, in SZ 25.5.2020 []
  27. AP, Frankreich hilft der Autoindustrie, in SZ 27.5.2020 []
  28. Nothilfe, in SZ 28.5.2020 []
  29. Balser, Markus, Hägler, Max, Sie klagen, warnen und fordern, in SZ 30.5.2020 [] []
  30. Corona-Krise: Markus Söder fordert Kaufprämie für deutsche Autos, in spiegel.de 31.5.2020 []
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