Elektroauto Chronik eines Irrtums

Mai 2019

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Aktualisiert 24.5.2019

Deutscher Automarkt China. BMW und Mercedes verkaufen rund 25 Prozent ihrer Neuwagen in China, Auto rund ein Drittel, VW fast 40 Prozent. Der chinesische Staat hat seit 2004 umgerechnet rund 50 Milliarden Euro an Subventionen für Elektroautos ausgegeben. „Um gut im Geschäft zu bleiben, ist die E-Offensive unabdingbar.“1

Elektrische SUV-Flut. Genau die Fahrzeug-Kategorie, die schon fossil betrieben am unsinnigsten ist, wird nun elektrifiziert. Mercedes will seinen E-SUV EQC in China verkaufen, BMW bringt den E-SUV Vision iNext. Und VW stellte bei der „SUV Night“ (!) der Shanghai Auto Show den fast fünf Meter langen ID.Roomzz vor. Er wird in China produziert. VW-Marketingvorstand Jürgen Stackmann: „Er ist die Spitze des Eisbergs für die Zukunft.“1
Wenn der Eisberg nur nicht vorher abschmilzt!

Keine E-Scooter mehr auf französischen Gehwegen. Gerade wurden Elektro-Scooter in Frankreich zugelassen, schon werden sie demnächst wieder von Gehwegen verbannt. Ab September wird ein Bußgeld von 135 Euro erhoben, wenn ein E-Scooter auf dem Gehweg unterwegs ist. Seit der Einführung der Elektro-Scooter 2018 sind allein in Paris 15.000 Roller diverser Firmen unterwegs: Bis Ende 2019 sollen es 40.000 werden.2

BMW hat es, Daimler hat es, und VW will es auch. BMW hat mit Kettler einen eigenen Elektro-Scooter entwickelt. Daimler ist im Verleihgeschäft mit Elektro-Scootern. Und nun will VW über seine Sharing-Platform We Share in den Testbetrieb einsteigen. Die E-Scooter werden von der US-Firma Segway produziert, die inzwischen der chinesischen Firma Ninebot gehört. Die Daimler-App MyTaxi testet in Lissabon Elektro-Roller unter dem Namenj Hive.3

Scheuer rollert zurück. Nach viel Kritik am Plan von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Elektro-Scooter auch auf Gehwegen fahren zu lassen, will er dies auf Druck der Länder doch nicht zulassen. Auch der Verkehrsausschuss des Bundesrats hatte mehrheitlich dafür gestimmt, Elektro-Scooter wie Fahrräder zu behandeln.4

Von VW zu PW. Grünen-Vorsitzender Robert Habeck hat die VW-Elektrostrategie kritisiert, zuerst die Premiumklasse zu elektrifizieren. Nur wenige können sich Autos für 100.000 Euro leisten. Wenn VW kein Elektroauto unter  20.000 Euro anbietet, müsse sich der Konzern in PW (PremiumWagen) umbenennen. VW-Konzernchef Herbert Diess hatte die Strategie so beschrieben: „Wir machen als Erstes den Audi e-tron elektrisch, dann kommt der Porsche Taycan, also Autos im Preissegment 80, 90, 100.000 Euro, die zusätzliche Kosten durch die teurere Batterie gut verkraften.“ Und die Konsequenz: „Das bedeutet unterm Strich, dass die CO2-Vorgaben und die Flottenziele zunächst einmal nicht dazu führen, dass die Autos kleiner werden.“5
Dank der Bewertung aller Elektroautos  mit Null Gramm CO2 und den Super-Credits ist dieser Klima-Schwindel möglich.
Habeck kritisierte auch die steuerliche Subventionierung von Diesel und das Dienstwagen-Privileg.

Früherer Greenpeace-Verkehrscampaigner kritisiert Entwicklung der Elektromobilität. Wolfgang Lohbeck hat u. a. in den Neunziger Jahren den Drei-Liter-Kleinwagen Smile von Greenpeace mitentwickelt. Im SZ-Interview äußerte er sich skeptisch bezüglich der ökologischen Einstellungen von Automanagern, die nur auf Druck der Straße bzw. von Gesetzen reagierten. Die Tesla-Modelle bezeichnete Lohbeck als „die dümmste und obszönste Variante der Elektromobilität (…) Das ist Energieverschwendung, Ressourcenverschwendung, Platzverschwendung.“6
Die zu bewegende Masse bei großen Elektroautos sei zu hoch. Mit heutiger Technik ließen sich problemlos kleine, leichte Autos mit einem realen Spritverbrauch von 1,5 Litern bauen: Das entspricht 30 bis 40 Gramm CO2.
Der Ökostrom ist oft weder sauber noch umsonst, aber kostbar. Die Bewertung von Elektroautos mit „Null Emission“ ist eine Illusion angesichts der CO2-Emissionen bei deren Herstellung und dem Strommix. „Deshalb ist die Forderung ‚Null Benzin, null Diesel‘ wirklich unsinnig.“6

ADAC wirbt und vertreibt. Der ADAC lobte den Renault Zoe als „Deutschlands beliebtestes Elektroauto“ und vergab die Noten 2,7 im Autotest und 1,8 für die Kosten. In Renault-Inseraten stand dann: Renault Zoe: „Deutschlands meistgekauftes Elektroauto 2018 – Jetzt besonders attraktiv für ADAC-Mitglieder“.7 „Was nicht im Bericht steht: Der ADAC hat den Zoe nicht nur getestet, er hilft auch, das Modell zu vertreiben.“8

Bundesfinanzminister fördert Elektromobilität. Anfang 2019 gab es in Deutschland 83.000 reine Elektroautos. Olaf Scholz (SPD) will steuerliche Anreize verlängern, um Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. s soll eine Sonderabschreibung für elektrische Lieferfahrzeuge geben. Die Dienstwagenbesteuerung soll bei privat genutzten Elektroautos länger privilegiert werden. Das Stromtanken am Arbeitsplatz soll steuerfrei bleiben. Im Gesetzentwurf steht weiter: „Die Maßnahmen zur steuerlichen Förderung der Elektromobilität leisten einen wesentlichen Beitrag  zur Erhöhung der Umweltverträglichkeit des Personen- und Güterverkehrs.“9
Ja wenn es denn so wäre…

VW fertigt in Osteuropa. VW wollte zunächst einen elektrischen Kleinwagen im Werk Emden bauen. Da ein Verkaufspreis von 20.000 Euro bei dem deutschen Lohnniveau nicht möglich ist, wird nun vermutlich in Bratislava produziert. Dafür soll in Emden ein elektrischer Kompakt-SUV gebaut werden.10

Tesla-Fahrer von Martinshorn geweckt. In den Niederlanden ist ein angetrunkener 50-jähriger Teslafahrer auf der Autobahn eingeschlafen. Sein Auto fuhr auffallend dicht hinter  einem anderen her. „Als die Streife sich vor den Wagen setzte, um ihn mit einem Anhaltezeichen zum Stoppen zu bewegen und das Tempo verlangsamte, habe der Tesla automatisch zum Überholen angesetzt, hieß es. Mit eingeschaltetem Martinshorn habe man den Fahrer schließlich geweckt. Der Mann war laut Polizei angetrunken und musste seinen Führerschein abgeben.“11

Nächster Schritt zur Ersetzung von Hand und Fuß: das E-Bike auf dem Wasser. Rudern und Paddeln war gestern: Jetzt gibt es das erste Wasser-E-Bike. Das neuseeländische Unternehmen Manta5 präsentierte den Hydrofoiler XE-1. Eine Stunde gleitet das 29 Kilogramm schwere Gefährt elektrisch durch das Wasser. Es soll umgerechnet 4500 Euro kosten.12

E.on: Kein Stromengpass durch Elektroautos. E.on-Vorstand Thomas König präsentierte am 21.5.2019 in Berlin vor Journalisten einen „virtuellen Stresstest“. E.on hat mit der Aachener Beratungsfirma Consentec verschiedene Szenarien bis 2045 berechnet. Wenn der Marktanteil von Elektroautos bei 100 Prozent liegt, kämen im Versorgungsgebiet von E.on mit zehn Millionen Menschen rund 6,5 Millionen Elektroautos. Während ein Haushalt mit allen elektrischen Verbrauchern eine Leistung von etwa 5 kW benötigt, kommt nun die Wallbox in der Garage mit 11 kW hinzu.13
„Die Konkurrenz von EnBW testet in Ostfildern mit zehn Familien, welche Probleme Elektroautos in den Netzen verursachen und welche Ladestrategien die besten sind. E.on probiert das in einem ähnlichen Feldversuch mit 30 niedersächsischen Familien aus. Für den aktuellen Stresstest nutzte das Unternehmen jedoch den Computer. Im simulierten Szenario gab es insgesamt 2,9 Millionen virtuelle 11-Kilowatt-Ladesstationen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Dazu kamen 200.000 öffentliche Ladesäulen mit je 50 Kilowatt und 25.000 Schelladepunkten, beispielsweise an Autobahnraststätten, mit jeweils 150 Kilowatt.“13
König geht davon aus, dass die Ladespitzen ungleichmäßiger verteilt sind, je mehr Elektroautos es gibt, da sie zu unterschierdlichen Zeiten geladen werden: „“Das Bestandsnetz wird 25 bis 30 Prozent dieser angenommen Fahrzeuge relativ problemlos vertragen. Danach spätestens müssen wir das Netz ausbauen.“13 Der Investitionsbedarf wird bis 2045 bei 2,5 Mrd. Euro liegen.

Christoph Seidler in spiegel.de zu Strombelastungen durch Elektroautos: „‚Zahnarztalleen‘ nennen Netzmanager die Straßen mit hoher Tesla-Dichte und vielen Schnellladesäulen.“13

Fußnoten und Quellen:
  1. Kriegel, Matthias, Volt geil! in spiegel.de 3.5.2019 [] []
  2. Frankreich verbannt E-Scooter von Gehwegen, in spiegel.de 4.5.2019 []
  3. Volkswagen bereitet offenbar Einstieg in E-Scooter-Verleih vor, in spiegel.de 6.5.2019 []
  4. Scheuer will E-Scooter doch nicht auf Gehwege lassen, in spiegel.de 7.5.2019 []
  5. Habeck kritisiert VWs Elektro-Strategie, in spiegel.de 7.5.2019 []
  6. Hägler, Max, „Auch E-Autos haben einen beträchtlichen CO2-Ausstoß“, in sueddeutsche.de 14.5.2019 [] []
  7. Anzeige im Stern, 9.5.2019 []
  8. Ritzer, Uwe, Kritik nur per Stimmzettel, in SZ 13.5.2019 []
  9. Balser, Markus, Finanzminister will E-Autos länger fördern, in SZ 10.5.2019 []
  10. VW will Elektro-Kleinwagen in Osteuropa bauen, in spiegel.de 17.5.2019 []
  11. Polizei ertappt Tesla-Fahrer schlafend auf Autobahn, in spiegel.de 17.5.2019 []
  12. Przybilla, Steve, Schwimmendes Fahrrad, in SZ 18.5.2019 []
  13. Seidler, Christoph, Stresstest fürs Stromnetz, in spiegel.de 21.5.2019 [] [] [] []
von wz
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