Elektroauto Chronik eines Irrtums

Mai 2017

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Elektrisierte BMW-Aktionäre. Hauptversammlung der Aktionäre in der Münchner Olympiahalle: Die Aktionäre stellten fest, dass BNMW  mit dem i3 und i8 führend gewesen – waren. Seitdem laufe BMW der Entwicklung hinterher, konstatierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und fragte die BMW-Manager, wie es mit den Elektroautos weiter gehe. „Natürlich reden sie bei BMW, wie bei allen anderen Autofirmen, viel von elektrifizierten Wagen, die angeblich sehr bald herumfahren, gesteuert von Robotern. Aber, auch daran erinnert ein Aktionär in der Aussprache: BMW, das sei doch ‚Freude am Fahren‘. Wo bleibe denn die Freude, wenn ein Computer pilotiere? (…) Im Jahr 2021 soll ein BMW mit dem Modellnamen iNext elektrisch wie roboterisiert herumfahren.“1

Merkels eine Million: (1) Die Windhundprämie. Im April 2016 beschloss die Bundesregierung die Prämie für Elektroautos, die ab Mai 2016 beantragt werden konnte. Autoindustrie und Bundesregierung stellten je 600 Millionen Euro zur Verfügung. So wollte man dem Ziel endlich näher kommen, eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf die Straßen zu bringen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte zur „Windhundprämie“, es bekämen nur die ersten Käufer die Prämie. „Ein Jahr später aber muss sich immer noch niemand beeilen. Die Deutschen verschmähen das Geschenk. Seit Juli bekommen sie beim Kauf eines E-Autos bis zu 4000 Euro ‚Umweltbonus‘ – je zur Hälfte von Bund und Industrie. Für 300.000 Autos würde die Fördersumme reichen. Doch bis Ende April zählte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gerade mal 17.937 Anträge. Privatleute sind nur wenige unter den Antragstellern.“2

Merkels eine Million (2): keine Million. Im Mai 2017 waren etwa 55.000 Elektroautos in Deutschland unterwegs. Am 15.6.2017 gab Angela Merkel bei einem Arbeitgeberkongress der CDU zu: „So wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.“2 Im Januar hatte bereits der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) festgestellt: „Wenn wir nicht noch die Fahrräder dazuzählen, werden wir nicht mal auf die Hälfte kommen. Ich rate zu ein bisschen mehr Realismus.“2

Merkels eine Million (3): Ministerinnen bedauern. Angesichts des Ziels von einer Million Elektroautos bis 2020 durch Merkel betonten Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Umweltministerin Barbara Hendricks am 16.6.2016, dass die Elektromobilität „von herausragender Bedeutung“ sei. „“Unsere ambitionierten Ziele für die Elektromobilität in Deutschland sollten wir deshalb nicht einfach aufgeben, sondern lieber überlegen, wie wir Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität machen.“3

VW mit drei Partnern in China. VW gab 2016 eine Kooperation mit ostchinesischen Elektroautohersteller Jianghuai Automobile Group (JAC) bekannt. Nun bekam VW von der chinesischen Regierung ein Gemeinschaftsunternehmen mit JAC genehmigt: Das Joint-Venture soll jährlich 10.000 Elektroautos bauen. In China müssen ausländische Autohersteller mit chinesischen Firmen kooperieren. „Allerdings sind pro Hersteller eigentlich maximal zwei Joint Ventures vorgesehen. Da Volkswagen aber bereits mit FAW aus Nordchina und SAIC aus Shanghai kooperiert, brauchte der JAC–Deal eine Sondergenehmigung. Diese ist nun erteilt worden.4 Die angedachte Einführung einer Elektroquote war zunächst für Anfang 2018 geplant, soll nun aber auf Drängen von VW um ein Jahr verschoben werden, denn VW hätte sonst bereits 2018 etwa 60.000 Elektroautos in China produzieren müssen. „Die Hersteller argumentieren, dass sie Planungssicherheit brauchen. Für die Jahre danach steht die Strategie. Bereits 2020 möchte VW 400.000 Elektroautos in China absetzen. 2025 sollen es dann sogar 1,5 Millionen Fahrzeuge sein.“4

Aus einem Essay von Thomas Fromm: „Natürlich ist man hinterher immer schlauer als vorher, aber dass sieben Jahre nach dem E-Auto-Frühling gerade mal an die 34.000 reine E-Autos und 165.400 Hybrid-Fahrzeuge (also Autos mit kombiniertem Elektro- und Verbrennungsmotor) herumfahren würden, hätte man wohl auch nicht gedacht. (…) Die Kunden wollen keine Autos, die nach 100 Kilometern mit leeren Batterien stehen bleiben, ohne dass sie wissen, wo man die dann wieder aufladen soll. Wer mit vollbetankten Golfs, 3er BMWs und Daimlers groß geworden ist, wer es gewohnt ist, dass an jeder Ecke der Stadt und auf jeder Autobahn Zapfsäulen stehen, der zögert den E-Auto-Kauf hinaus – wenn es sein muss, bis der letzte Tropfen Sprit durch die Zapfpistole gezogen wird.“5

Audi-Chef lobt das Elektroauto: „Rupert Stadler war schon immer der beste Verkäufer seiner Marke: ‚Wir machen das Elektroauto zum Must-have des kommenden Jahrzehnts‘, kündigte der Audi-Chef jüngst an.“6
Wikipedia: „Seit dem 30. Mai 2018 gilt er als Beschuldigter im Abgasskandal. Am 11. Juni 2018 ließ die Staatsanwaltschaft München II seine private Wohnung durchsuchen. Ihm und einem weiteren Vorstandsmitglied werden jeweils Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last gelegt. Am 18. Juni 2018 wurde Stadler aufgrund von Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Zuvor soll er versucht haben, Einfluss auf Zeugen zu nehmen. Am 19. Juni 2018 wurde Stadler daraufhin vom Aufsichtsrat von Audi beurlaubt.“

Fußnoten und Quellen:
  1. Hägler, Max, Hoch motorisiert zu mehr Rendite, in SZ 12.5.2017 []
  2. Balser, Markus, Hägler, Max, Kurzschluss, in SZ 17.5.2017 [] [] []
  3. Balser, Markus, Hägler, Max, Kurzschluss, in SZ 17.5.2017) – „Die Kanzlerin habe ‚seit Jahren ihre schützende Hand über den Diesel‘ gehalten, was der Elektromobilität eher schade, statt sie zu fördern, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer.“ ((Balser, Markus, Hägler, Max, Kurzschluss, in SZ 17.5.2017)

    Kretschmanns Stuttgarter Elektro-Gipfel. Audi, Daimler und Porsche präsentierten vor dem Neuen Schloss ihre Elektroautos. Die Konzernchefs trafen sich danach mit Wilfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) zur Fotosession und später zum „Auto-Gipfel“. Thema war natürlich auch der Dieselskandal und mögliche Fahrverbote. „In Stuttgart wird vermutet, Dobrindt mache einen großen Bogen um das Fahrverbot, um vor der Bundestagswahl keine autofahrenden Wähler zu vergraulen. (…) Während Berlin auf die Bremse tritt, prescht das Musterländle voran. Auch wenn viele Themen auf Landesebene eigentlich falsch angesiedelt sind. Wer zum Beispiel kauft sich ein Elektro-Auto, wenn es nur in Baden-Württemberg Lade-Stationen gibt und anderswo nicht?“ ((Mayr, Stefan, Viel Marmor, wenig Substanz, in SZ 20.5.2017 []

  4. Giesen, Christoph, Ein drittes Joint Venture, in SZ 23.5.2017 [] []
  5. Fromm, Thomas, Bei ihren E-Autos zeigen die Hersteller zu wenig Gefühl, in sueddeutsche.de 26.5.2017 []
  6. Becker, Joachim, Lego-Strategie gegen Elon Musk, in SZ 27.5.2017 []
von wz
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