Elektroauto Chronik eines Irrtums

Mai 2014

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Laden auf der A9. Ab 15.5.2014 stehen auf den 430 Kilometern der A 9 zwischen München und Leipzig acht neue Schnellladestationen zur Verfügung, an denen Elektroautos unter 30 Minuten zu 80 Prozent geladen werden können. Sie entstanden im Rahmen eines Modellprojektes des Bundesverkehrsministeriums. Die ersten vier Wochen geben diese den Strom kostenlos ab. „Die neuen Säulen sind mit dem Steckersystem ‚Combined Charging System‘ (CCS) ausgestattet, das von 2017 an europaweit Standard ist. Das Projekt ‚Schnellladung auf der A9‘ wird von Siemens, Eon und BMW betrieben und vom Verkehrsministerium mit drei Millionen Euro unterstützt.“1 Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte dazu:
„Mit Förderprojekten wie diesen wollen wir der Elektromobilität einen kräftigen Schub verleihen.“2
Rechnen wir mal nach: 8 Stationen, 30 Minuten Ladezeit macht pro Stunde bestenfalls 16 Elektroautos, mal 24 Stunden (unrealistisch: Wer lädt um 3 Uhr morgens!) macht bestenfalls 384 Autos pro Tag.

Die berühmte eine Million E-Autos. Eine Million Elektroautos wollen seit 2010 die schwarzgelbe und die schwarz-rote Merkel-Regierung bis 2020 auf deutsche Straßen bringen. Weit gefehlt, zumindest im Frühjahr 2015, wo etwas mehr als 12.000 Elektroautos verkehren. Dazu kommen 90.000 Plug-in-Hybride. Insgesamt sind fast 44 Millionen Pkw zugelassen.3

„Elektro-Feigenblatt“. Die Mercedes B-Klasse Electric Drive wird von Tesla mit dem Antrieb beliefert. Da Daimler bis 2017 mit nicht mehr als um die 50.000 Exemplare der elektrischen B-Klasse rechnet, rentiert sich die Entwicklung eines eigeh3en Antriebs oder gar einer eigenen Karosserie wie beim i3 nicht. „Wer auf den Rücksitzen Platz nimmt, muss seine Füße allerdings auf den doppelten Boden für das Batteriepaket stellen. Das ist nicht sehr bequem – aber wer braucht schon Platz für fünf Erwachsene samt Gepäck, wenn man nicht sehr weit fahren kann? Die Reichweite bleibt der limitierende Faktor des Elektrofahrzeugs: Der Radius liegt bei rund 200 Kilometern, beim Einsatz der Klimaanlage zum Kühlen oder Heizen schrumpft er rapide.“4

Polizei elektrisch. Niedersachsens Polizei fährt in mehreren Großstädten Niedersachsens demnächst mit sechs elektrischen Kleinwagen. Der Test kostet rund 640.000 Euro, die aus dem Landesetat kommen. Dazu kommen demnächst zwölf weitere Elektroautos und zwei Hybridautos.5

Fußnoten und Quellen:
  1. Freie Fahrt für E-Autos auf der A9, in SZ 14.5.2014 []
  2. Kuhr, Daniela, A 9 unter Strom, in SZ 14.5.2014 []
  3. Dobrindt will E-Mobilität fördern, in sueddeutsche.de 22.5.2014 []
  4. Mit dem Lückenfüller in die Zukunft, in SZ 24.5.2014 []
  5. DPA, Elektroautos für die Polizei, in SZ 20.5.2014 []
von wz
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