Elektroauto Chronik eines Irrtums

März 2017

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VW stellt den I.D. vor. Der Viersitzer geht schon in Richtung autonomes Fahren. Entwicklungsvorstand Frank Welsch: „Der I.D. beweist, dass ein Elektroauto kein Verzichtauto sein muss.“1 Die Mittelkonsole kann sich längenmäßig dem Arm des Fahrers anpassen; vier Laserscanner mit Kameraunterstützung und Sensoren sollen ab 2025 das autonome Fahren ermöglichen. Das Lenkrad wird in einer späteren Modifikation versenkbar sein, zusammen mit zwei Bildschirmen. Fußgänger erfahren über eine grünen Lichtreflex, dass sie die Fahrbahn kreuzen können. „Der für 2021 angedachte E-GTi mit zwei Motoren und einer Systemleistung von 275 Kilowatt soll in fünf Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer sprinten und mit vollem Akku etwa 450 Kilometer weit kommen. Das Allrad-Topmodell wird freilich genauso bei Tempo 160 eingebremst wie das Grundmodell mit der 125 oder 150 Kilowatt starken E-Maschine sowie 83 Kilowattstunden Batterieleistung und 500 Kilometer Reichweite.“1

Nur wenige Elektrobusse. Derzeit sind 78.345 Busse in Deutschland im Einsatz, davon 458 E-Busse, 1430 mit Gasantrieb und 76.334 mit Dieselantrieb. Es gibt etwa 20 Versuchsprojekte mit Elektro- oder Hybridbussen.1 Der VDV führt die Nachteile der E-Busse auf: „Genau wie beim Elektroauto ist auch die Reichweite von E-Bussen geringer als bei Bussen mit Verbrennungsmotor. Elektrobusse sind laut Schmitz in der Anschaffung (rund 750.000 Euro für einen rein elektrisch angetriebenen Gelenkbus) mehr als doppelt so teuer wie entsprechende Dieselfahrzeuge mit neuesten Euro-VI-Motor (etwa 350.000 Euro). Hinzu kommen höhere Kosten für die Instandhaltung, weil die Werkstätten auf Strom-Busse ausgerichtet werden müssen. Die Busse sind noch nicht verlässlich genug: Laut Schmitz kann etwa einer von fünf E-Bussen in den Testprojekten wegen technischer Probleme seine Fahrt nicht antreten oder zu Ende bringen. Durch die neue sensible Elektronik gibt es beispielsweise Ausfälle bei den Türen oder beim Kompressor.“2
Verkehrsminister Alexander Dobrindt und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel betonen in einer Art konzertiertem Ablenkungsmanöver die Wichtigkeit von E-Bussen: „Das Loblied auf die E-Busse stimmen die beiden aber vor allem deshalb an, um die Forderungen nach einer blauen Plakette – also eine bundesweite Umsetzung der Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge in Innenstädten – zu übertönen.“2 Dabei sind nach einer Untersuchung der Landesanstalt für Umwelt von 2014 in Stuttgart die Autos Verursacher von 72 Prozent des Feinstaubs und 63 Prozent der Stickoxide. Schwere Nutzfahrzeuge wie Lkws und Busse produzieren 22 Prozent des Feinstaubs und 30 Prozent  der Stickoxide. Marcel Langer vom UBA: „Wenn alle Busse von Diesel auf Elektro umgestellt würden, gäbe es keinen Rieseneffekt … Das wäre noch nicht die Lösung des Problems.'“2

Elektro-Taxi (1): ACM. Paul Leibold koordiniert das Projekt vom Taxi der Zukunft in Kooperation mit Siemens, Wissenschaftlern der Universität Aachen, der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Kleinserienhersteller Roding. Warum muss ein Taxi zwei Tonnen wiegen, um meist nur zwei Personen zu befördern? Deswegen wird ein Taxi aus Carbon entwickelt, das 550 Kilogramm wiegt und 3,30 Meter lang ist. Es hat Platz für den Fahrer und zwei Passagiere mit Gepäck. Es soll „Adaptive City Mobility“ (ACM) heißen und wird von der Bundesregierung mit 14 und von Partnern mit elf Millionen Euro gefördert. „Gedacht wird auch an eine multifunktionelle Verwendung: „So könnte das ACM tagsüber als Carsharing-Auto angeboten, am Abend von einem Pizzaboten zum Ausliefern genutzt und in der Nacht im Taxiverkehr eingesetzt werden. Damit das Auto rund um die Uhr rollen kann, entwickelt das Konsortium Akku-Wechselstationen. So sparen sich die Betreiber das langwierige Aufladen an Steckdose oder Ladesäule.“3

Elektro-Taxi (2): Eva. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und Fachleuten aus Singapur haben ein Elektro-Taxi für die Tropen entwickelt. Auch hier soll die Fahrgastzelle größtenteils aus Carbon bestehen. Die sparsame Klimaanlage lässt sich für jeden Sitzplatz individuell einstellen, um Strom zu sparen. Mit einem Schnellladesystem soll in 15 Minuten Strom für 200 Kilometer Reichweite geladen werden können. „So kann das Taxi nach Angaben der TUM im Zwei- oder gar Dreischichtbetrieb laufen. Vorgestellt wurde das auf den Namen ‚Eva‘ getaufte Fahrzeug im Frühjahr 2015 in Singapur. Lokalpolitiker drehten einige Runden damit, auch einige Autohersteller hätten die Technik bestaunt, sagt Felix Römer von der TUM. Seitdem aber ist es ruhig geworden um Eva – die Weiterentwicklung des Prototypen oder gar eine mögliche Serienproduktion ist bislang nicht in Sicht.“3

Tencent steigt bei Tesla ein. Der chinesische Internetriese Tencent hat bei der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet, dass er einen Aktienanteil von fünf Prozent für knapp 1,8 Milliarden Dollar übernommen hat. „Damit ist das Konglomerat, das etwa Chinas größtes Online-Netzwerk We-Chat betreibt, aus dem Stand zu einem der größten Aktionäre geworden. (…) Mit dem Geld der neuen Investoren soll ein reibungsloser Start der Serienfertigung des Mittelklasse-Autos ‚Model 3‘ gesichert werden. Der Wagen ist Teslas mit Spannung erwartetes, erstes Elektroauto für den Massenmarkt. Es gibt Hunderttausende Vorbestellungen.“4

Fußnoten und Quellen:
  1. Kacher, Georg, Lass uns reden, in SZ 11.3.2017 [] [] []
  2. Grah, Annika, aev/dpa, Zu teuer, zu unzuverlässig, zu aufwendig, in spiegel.de 12.3.2017 [] [] []
  3. Völklein, Marco, Kleines Fahrzeug, große Pläne, in SZ 18.3.2017 [] []
  4. DPA, Neuer Investor für Tesla, in SZ 29.3.2017 []
von wz
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