Elektroauto Chronik eines Irrtums

Tesla Model X

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Tesla Model X ist ein Allrad-SUV, der im Februar  2012 vorgestellt und ab September 2015 ausgeliefert wurde. Model X hat Platz für bis zu sieben Personen; die zweite und dritte Sitzreihe ist über Flügeltüren zu erreichen. Die Motorisierung geht von 245 kW (333 PS) bis zu 449 kW (611 PS); die Länge liegt bei fast fünf Metern; das Gewicht variiert von 2373 kg bis zu 2509 kg. (Aus Wikipedia)

Verwandtschaft mit Model S. Model X hat die Aluminiumkarosserie des Model S; die Panasonic-Batterien sind am Boden angebracht. Die Reichweite soll bei 480 km liegen. [1] Das Model X wird bis zu 144.000 Dollar (umgerechnet 128.000 Euro) kosten. „Für den Wagen gebe es bereits 25.000 Vorbestellungen, sagte Musk bei der Premierenparty vor 5000 geladenen Gästen. (…) Insgesamt produziert Tesla damit nun zwei Fahrzeuge in Fremont, dem einzigen Produktionsstandort. Das aktuelle Modell S, eine Oberklasse-Limousine, ist seit 2012 erhältlich. Der Sportwagen Roadster, Teslas erstes Fahrzeug, wird nicht mehr hergestellt. 2015 soll die gesamte Produktion bei 50 000 liegen, 2020 sollen es schon 500.000 sein. Mit dem Model X soll dieses ehrgeizige Ziel geschafft werden.“ [2]

Gewicht bringt Steuererleichterung. Musk bezeichnete Model X mit seinen Flügeltüren als „Glanzstück der Ingenieurskunst“. [3] – „Was Musk, 44, nur beiläufig erwähnte, das war das Gewicht. Das Fahrzeug, das im kommenden Jahr zunächst an jene 25.000 Menschen ausgeliefert werden soll, die es bereits vor der Präsentation bestellt haben, soll mehr als 6000 amerikanische Pfund wiegen (2720 kg; WZ).“ [3] Das Model X als Schwergesicht könnte sogar Absicht sein: „Im Artikel 179 der US-Steuergesetze nämlich gibt es eine Regelung, die bei ihrer Einführung als ‚Hummer-Steuer-Schlupfloch‘ bezeichnet wurde. Sie besagt, dass Firmen beim Kauf von Fahrzeugen mit einem Gewicht von mehr als 6000 Pfund Steuervergünstigungen von bis zu 25.000 Dollar in Anspruch nehmen können.“ [3]

Reiche Tesla-Käufer. Der Tesla-X-Käufer bekommt in Kalifornien eine staatliche Steuervergünstigung von 7500 Dollar und einen Zuschuss des Bundesstaates Kalifornien von 2500 Dollar. Wer den Tesla als Firmenwagen einsetzt, kann dazu bis maximal 25.000 Dollar von der Steuer absetzen. „Kritiker schimpfen das Schlupfloch als Dicke-Autos-für-reiche-Leute-Regel, durch das neue Tesla-Modell gerät es wieder in die Schlagzeilen – zumal eine neue Studie zeigt, dass das mittlere Haushaltseinkommen von Tesla-Käufern bei 280.000 Dollar pro Jahr liegt.“ [3]

Wunde Falcon Wings. Die „Falcon Wings“, Flügeltüren des Model X sind auch seine Achillesferse: Hier gibt es Qualitätsprobleme: „Die riesigen Falkenflügel sind an einem schmalen Rückgrat in der Mitte des Daches aufgehängt. Das sieht cool aus, wenn sie elektrisch hochfahren und das staunende Publikum durch das gesamte Fahrzeug blicken kann. (…) Doch der aufwendige Klappmechanismus ächzt im Vergleich zu konventionellen Türen unter deutlich mehr Gewicht. Die anfänglich vorgesehenen Hydraulikantriebe für die Flügeltüren verloren Öl, liefen heiß und quittierten den Dienst.“ [4]

Produktionsprobleme. Auch beim Model X gab es Produktionsprobleme. Anfang 2016 wurden erst 250 pro Woche produziert anstatt wie vorgesehen 1000 bzw. im Jahr 2016 50.000 Model X. [4] Dazu kamen viele Qualitätsprobleme: Eine Liste hat Tesla selbst publik gemacht. [5]

Stromfresser. Ein Tester in der SZ berichtete von einem Verbrauch von 30 kWh bei weniger als der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen. „Oberhalb von 160 km/h kann man zuschauen, wie das Geschoss mit der Stirnfläche einer Schrankwand die Akkus leer saugt. Selbst bei mehr als 500 Kilogramm Batteriegewicht fährt die Reichweitenangst auf der Autobahn also ständig mit. Im Normzyklus wären theoretisch 467 Kilometer drin. Doch im trüben und kalten Spätherbst schrumpft dieser Schönwetterwert auf nicht einmal 300 Kilometer Schleichfahrt.“ [5] Dazu kommt die mäßige Ladeleistung der Haushaltssteckdose für das Akkumonster, die nur unter 100 Kilometer Reichweite über Nacht lädt. [5]
30 kWh auf 100 km beim deutschen Strommix mit rund 500 g CO2: Das macht 150 g CO2 pro Kilometer: Und da ist der CO2-Rucksack des Herstellungsprozesses der Akkus noch gar nicht dazuaddiert. Ökologisch geht anders!

Heizung? Bei Temperaturen um Null Grad wird Model X nicht warm. “ Zudem schmälert selbst der schwache elektrische Zusatzheizer den Energievorrat empfindlich. (…) Die kälteempfindliche Beifahrerin will nach dieser Landpartie nichts mehr von der Elektromobilität wissen. Zumindest nicht bis zum nächsten Somme“ [5]

Aus der Tesla-Model-X-Info: 100 kWh-Batterie, Reichweite 295 km, von null auf 100 km/h in 2,9 Sekunden: „Model X ist the SUV uncompromised.“ [6]

[1] Becker, Joachim, Tesla verleiht Flügel, in SZ 24.5.2014

[2] Busse, Caspar, Mit Flügeln in die Zukunft, in SZ 1.10.2015

[3] Schmieder, Jürgen, Steuern sparen mit Elon, in SZ 15.10.2015

[4] Becker, Thomas, Eine Firma auf Speed, in SZ 23.1.2016

[5] Becker, Joachim, Dragster an der kurzen Leine, in SZ 19.11.2016

[6] Meet Model X, in www.tesla.com , April 2017

von wz
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