Elektroauto Chronik eines Irrtums

Tesla Berlin/Brandenburg

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Aktualisiert 21.1.2020

Goldenes elektrisches Lenkrad. Am 12.11.2019 bekam Tesla-Mitgründer Elon Musk  von Bild und Auto Bild in Berlin das Goldene Lenkrad. Auf der Bühne verkündete Musk überraschend: “ Wir haben uns entschieden, die erste europäische Gigafactory in der Gegend von Berlin zu bauen.“1 Gebaut werden soll zunächst Tesla Model Y, ein kompakter SUV auf der Basis des Model 3. Musk verwies auf die Nähe zum neuen Berliner Flughafen BER, sagte aber: „Wir werden definitiv ein höheres Tempo verlegen müssen als der Flughafen.“2
Details siehe im Lexikon: Tesla Model Y

Was ist eine Tesla Gigafactory? Etwas unpräzise ist die Verwendung des Begriffs Tesla Gigafactory, mit dem zunächst der Batterieherstellungskomplex in Nevada bezeichnet wurde. Nun soll es laut spiegel.de bereits vier Gigafactories geben: Neben Nevada eine Fabrik im US-Bundesstaat New York, eine dritte in Shanghai – und die vierte dann in Deutschland, wobei hier eine Kombination aus Auto- und Akkufabrik als Gigafactory bezeichnet wird. 1 – Das neue Tesla-Werk soll auf einer Industriefläche im brandenburgischen Ort Grünheide (Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin) entstehen. Beworben hatten sich u. a. auch Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Niedersachsen (und halbherzig Bayern).2

Wieviel Arbeitsplätze? Es sollen 6- bis 7000 neue Stellen entstehen. In Berlin ist ein Tesla Design- und Ingenieurszentrum geplant. Laut Bild sollen es insgesamt 10.000 neue Arbeitsplätze sein.3 Das ist auch deshalb fraglich, weil Elon Musk eine hohe Automatisierungsrate bevorzugt (die  allerdings in den USA-Werken auch für eine hohe Rate an Reklamationen geführt hat). Seine Vision ist eine „Maschine, die eine Maschine baut“.4 Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop nannte im RBB bis zu 7000 Arbeitsplätze. Ferdinand Dudenhöffer von CAR/Uni Duisburg/Essen: „Zellfabrikation ist hochautomatisiert. Da zählen Energiekosten deutlich mehr als Arbeitskosten.“5

Lob der Politik. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) äußerte: „Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land.“2 Die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop teilte auf Twitter mit: „Wer Visionen hat, kommt nach Berlin! (Z. B. ins Berghain! WZ) Willkommen in der Metropolregion, Tesla!“2 – Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Die Entscheidung von Tesla, eine hochmoderne Fabrik für Elektroautos in Deutschland zu errichten, ist ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland.“3 VW-Chef Herbert Diess sieht seine reine Elektro-Strategie bestätigt: „Tesla ist sehr wichtig für uns, weil Elon demonstriert, dass es funktioniert.“6

Die Subventionen für Tesla (1) Laut Peter Altmaier seien Subventionen bisher kein Thema. „Alle Firmen würden gleich behandelt, und der US-Elektroautobauer wolle auch keine Sonderkonditionen. Eine Bevorzugung von Tesla, etwa bei der E-Mobilitätförderung, gebe es nicht.“3 – „Es ist bisher nicht über Subventionen gesprochen worden.“7
Ministerpräsident Dieter Woidke sagte: „Wir werden alles tun, diese Investition zu unterstützen.“8 Laut Woidke seien Tesla nur „Zusagen für übliche Subventionen im Rahmen des EU-Beihilferechts gemacht worden.“3 – „Mit Emissären von Musk sei auch über mögliche Finanzhilfen gesprochen worden, etwa durch die deutsche Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Regierung, German Trade & Invest (GTAI).“7 – Euskirchen/Nordrhein-Westfalen war in der Tesla-Schlussrunde noch dabei. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium gratulierte nach Brandenburg, wenn auch der Ministeriumssprecher sich eine Spitze nicht verkneifen konnte: „Möglicherweise sei die besondere Standortförderung in Brandenburg ein Punkt  gewesen.“5
„Regierungssprecher Engels verwies auf die strengen Vorgaben aus Brüssel, die den Wettbewerb der Standorte in Europa regelten.“9
Wer das mal glauben will. In den USA hat Elon Musk beinhart die Konkurrenten um die erste Tesla Gigafactory ausgespielt, und der „Sieger“ Nevada musste teuer bezahlen:

Zur Erinnerung: Nevadas Subventionen. Letztlich hat Nevadas Gouverneur Brian Sandoval (bis 2019 im Amt) für Teslas Gigafactory fast 1,3 Milliarden Dollar Subventionen gewährt. Laut Elon Musk muss diese einen Umsatz von fünf Milliarden Dollar pro Jahr machen, um die Subventionen zu rechtfertigen.10
Dazu kommen natürlich die finanziellen Zugeständnisse des US-Bundesstaates Nevada. Vergünstigungen, die das Unternehmen in den kommenden 20 Jahren erhalten wird. „500 Millionen US-Dollar hatte sich Musk vor den Verhandlungen gewünscht, Gouverneur Brian Sandoval schnürte ein 1,25-Milliarden-Paket, das ohne Widerspruch genehmigt wurde. Es ist die elftgrößte Steuererleichterung in der Geschichte der Vereinigten Staaten, und sie ist 14 Mal so hoch wie das bislang größte Paket in der Geschichte von Nevada, die 89 Millionen Dollar für Apples Datencenter.“11 Das hat seinen Preis. Für die großzügige Subventionierung von Tesla „wurde die Förderung für Filmindustrie und Versicherungen gekürzt. Könnte es sein, dass sich Nevada verzockt hat? Gouverneur Sandoval rechnet über den Multiplikatoreffekt mit bis zu 22.000 neuen Arbeitsplätzen in der Region. Kenneth Thomas von der University of Missouri, einer der führenden Experten für Steuervergünstigungen, sagt dagegen: ‚Wir sollten keine Jobs zählen, für die das Unternehmen nicht verantwortlich ist – und Tesla bekommt die Erleichterung für bis zu 6500 neue Stellen.‘ Sollten es am Ende nur 5000 Stellen sein, dann hätte Nevada pro Arbeitsplatz 250.000 Dollar ausgegeben.“11
Es wird interessant, welche Subventions-Summen Brandenburg aufbringen muss…

Warum Teslas aus Brandenburg? Im Gewerbebetrieb in Grünheide war schon einmal ein BMW-Standort geplant. In spiegel.de sah man am 14.11.2019 das Foto einer Straßenkreuzung an einem Wald: Und der Wald wurde als Standort genannt. Platz scheint kein Problem zu sein; die Autobahn A 10 ist nahe, ebenso die S-Bahn nach Berlin. „Bundesweit produziert kein Land mehr Ökostrom pro Bewohner als Brandenburg.“9
Der eingesetzte Strom in der Akkuproduktion ist entscheidend für den sogenannten CO2-Rucksack: Kommt er aus Kohlekraftwerken (z. B. aus nahen polnischen Kohlekraftwerken), wird dieser CO2-Rucksack so groß, dass von einer CO2-Einsparung durch Elektromobilität nicht die Rede sein kann. Wird mit Ökostrom produziert, erhebt sich angesichts der riesigen benötigten Strommengen die Frage, ob für sinnvollere Verwendungen (im Haushalt im Gewerbe, in der Industrie) überhaupt noch wertvoller Ökostrom übrig bleibt.
Das geplante Tesla Design- und Ingenieurszentrum mit angekündigten 3000 neuen Arbeitsplätzen soll in Berlin entstehen. Der von der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) angebotene Standort Cleantech-Businesspark in Berlin-Marzahn wurde seitens Tesla als zu klein abgelehnt. Trotzdem jubelte Pop: „Die ganze Welt reißt sich um Tesla … Berlin/Brandenburg wird es. Wirklich großartig!“12

Dazu eine Kritik von Claudius Prösser in taz.de: „Aber die Grünen haben einen Ruf als Ökopartei zu verlieren, und mit ihrer unreflektierten Begeisterung für die Musk-Schmiede kommen sie damit wieder ein Stückchen voran. Denn selbst wenn die Tesla-Modelle selbst in der taz schon mal leichtfertig „Öko-Autos“ tituliert werden – das sind sie nicht. (…) Das „Model Y“, das vielleicht mal in Grünheide montiert wird, weist zwar nicht die grotesken Spitzenwerte des Sportwagens „Roadster“ (über 400 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit) auf. Es handelt es sich aber eben doch um einen SUV, dessen Elektromotoren ihn laut Herstellerangaben in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 katapultieren und der mit 240 Stundenkilometern Spitze natürlich im Land der unbegrenzten Geschwindigkeit auf Autobahnen genau richtig ist.“12
Und Nicole Dittmer in deutschlandfunkkultur.de erwähnt die gefloppten Brandenburger Großprojekte Cargolifter, die Chipfabrik und den Lausitzring – und erwähnt im Zusammenhang mit Elon Musk dessen Pläne mit dem Hyperloop und die Besiedlung vom Mars. Im Interview kritisiert der ehemalige Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck, dass Tesla für eine „falsche Richtung der Elektromobilität“ stehe: Nötig seien kleine, leichte und effiziente Elektroautos, wogegen Tesla für das Gegenteil stehe: „Autos, die drei Tonnen wiegen, die nahezu eine  Tonne Batterie mit sich schleppen. (…) Der Umstieg zu weniger CO2 wäre mit kleineren, leichteren Verbrennern schneller zu schaffen als mit Elektro-Autos.“8

Öko-Gigafactories?  Tesla will in Grünheide eine Gigafactory errichten: Die neue Tesla Gigafactory wird entsprechend viel Ökostrom benötigen. Das war ein entscheidender Fakt beim Zuschlag, da Brandenburg Spitzenreiter bei der Produktion erneuerbarer Energien sei, wie Dietmar Woidke betonte: „Wir können klimafreundliche Produkte auch klimafreundlich produzieren.“7
„Schon bis 2030 rechnet das Öko-Institut mit einem Bedarf von mehr als 30 Gigafactories weltweit. Bis 2050 könnten es rechnerisch 220 sein.“13
Es könnte also sein, dass die Gigafactories den Ökostrom-Markt für ihre Akku-Produktion leersaugen – plus den Ökostrom fürs Laden der Elektroautos. Aber der wertvolle Ökostrom steht nur begrenzt zur Verfügung. Und Haushalte, Gewerbe  und Industrie werden dann wieder mit herkömmlichem schmutzigem Strom versorgt. Das kann auch kein sinnvolles Ziel sein. Hier verschiebt sich das CO2-Aufkommen: Vordergründig fährt dann die Elektromobilität angeblich CO2-frei mit Ökostrom, während die CO2-Emissionen nur verlagert werden.

Der Bauplatz. Die Gemeinde Grünheide hat 8500 Einwohner. Der Tesla-Bauplatz liegt vier Kilometer südlich; das Areal soll wegen der ehemaligen BMW-Pläne weitgehend erschlossen sein. Allerdings muss ein Kiefernwald noch abgeholzt werden. Die Anbindung an den Öffentlichen Verkehr ist mangelhaft. Die Investitionshöhe ist laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) ein mehrfacher Milliardenbetrag“. Die Gemeinde Grünheide arbeitet an der Raumplanung für zusätzliche Wohnungen.7 – Der Kiefernwald des Tesla-Standorts ist etwa 300 Hektar groß. „Bis Ende Februar  soll ein Drittel der Bäume gefällt sein, bevor die Vögel Nester bauen.“14

Tesla-Bauteile aus Deutschland. Tesla kaufte im Herbst 2016 das deutsche Maschinenbauunternehmen Klaus Grohmann aus der Eifel mit 790 Mitarbeitern und 123 Millionen Euro Umsatz. Das auf Automatisierung spezialisierte Unternehmen und ehemaliger BMW-Zulieferer arbeitet inzwischen nur noch für Tesla. Der Stoßdämpferfabrikant Bilstein (ThyssenKrupp) beliefert Tesla, dazu Bosch, ZF, Continental, Recaro etc. und Schuler (Pressen), Kuka (Roboter), Dürr (Lackieranlagen).15

„Kompetenzzentrum Batterie“ von BMW. Am 12.11.2019 kündigte Elon Musk an, in Grünheide  eine Gigafactory zu bauen. Am 14.11.2019 eröffnete BMW-Chef Oliver Zipse das Kompetenzzentrum Batterie in München. Zipse: „Wir sehen jetzt gerade in diesen Tagen, dass die systemintegratorische Kompetenz für die Produktion ganz kriegsentscheidend ist. (…) Es gibt keine besseren Bedingungen, dies zu tun, als hier in Deutschland. (…) Das ist der Hauptgrund, warum immer mehr Wettbewerber hier auch in Deutschland ihre Zelte aufschlagen.“16 Im BMW-Batteriezentrum forschen 200 Spezialisten an Zellchemie und Herstellungsprozessen der Akkus. Die Zellen werden noch von Samsung gefertigt, später von CATL: Der chinesische Konzern baut gerade eine Fabrik bei Erfurt. Das Kobalt besorgt BMW selbst aus Marokko und Australien; auch Lithium will BMW selbst beziehen.17 Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte zur Eröffnung: „Bayern, Batterie und BMW, das ist die neue Dreifaltigkeit.“18

Die Subventionen für Tesla (2): Nach der Ankündigung von Elon Musk, dass Tesla eine Gigafactory in Europa bauen wollte, „stürzten sich die deutschen Landesregierungen auf Musk wie eine Horde Immobilienmakler auf einen solventen Käufer.“19 Eingereiht haben sich in Deutschland u. a. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmannn (CDU), Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Due Grünen), Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Musk trat überraschend am 12.11.2019 in Berlin auf, um das Goldene Lenkrad von Bild und AutoBild zu erhalten und den Standort Grünheide in Brandenburg für seine Gigafactory zu verkünden. „Nur wenige Stunden vor Musks Auftritt hatte der US-Konzern bereits eine E-Mail an die Investitionsbank des Landes Brandenburg geschickt – Teslas erster Antrag auf staatliche Förderung. (…) Wie hoch die von Musk geforderten Subventionen für das Brandenburger Investment sind, will die Bank nicht verraten. (…) Die Subventionen für Tesla könnten dann womöglich bei mehr als einer Milliarde Euro liegen“19 – Von der EU werden laut Bild am Sonntag 300 Millionen Euro kommen.20
Bei wohlwollend geschätzten 7000 Arbeitsplätzen wäre dies eine Subvention pro Arbeitsplatz von 142.857 Euro. Sofern Tesla überhaupt überlebt, siehe unten.

Die Subventionen für Tesla (3). Tesla könnte vom deutschen Kohleausstieg profitieren. „Nach derzeitigen Planungen stünden viele Milliarden bereit, die auch Brandenburg, das im Süden die Braunkohleregion Lausitz beheimatet, zugutekommen. Ein Teil der Subventionen ist Zukunftsindustrien und Innovationen vorbehalten. Tesla wäre dafür wie gemacht.“21 BMW und Porsche profitierten in Leipzig von beträchtlichen Subventionen. Zwischen fünf und 45 Prozent der Investitionssumme können über Beihilfen finanziert werden.21

Die Gigafactory und der deutsche Naturschutz. Der geplante Bauplatz der Tesla Gigafactory bei Grünheide liegt in einem unberührten Kiefernwald von 300 Hektar. Der Vorsitzende des NABU Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch: „Der Zeitplan von Musk ist extrem ambitioniert, denn wir wissen gar nicht, welche Tierarten sich im Wald angesiedelt haben.“21

Untergang oder Verkauf? Der US-Autor und Tesla-Kritiker Edward Niedermeyer hat vor kurzem das Buch „Die aberwitzige, ungeschminkte Geschichte von Tesla veröffentlicht. „Niedermeyer sieht seit Längerem Anzeichen dafür, dass sich Tesla ‚dem Endspiel nähert‘, also der Entscheidung, ob der E-Auto-Konzern nachhaltig profitabel wird. Oder untergeht – und verkauft wird. Die Expansion nach Deutschland habe ‚zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn‘, meint er.“19

Auch Microvast in Brandenburg.  Der 2006 gegründete US-Konzern Microvast wird in Ludwigsfelde bei Berlin eine Batteriefabrik aufbauen. Dort sollen Batteriezellen, Module und Batteriepacks gefertigt werden. Eine Baugenehmigung liegt – im Gegensatz ur Tesla-Fabrik in Grünheide – vor. Am 1.4.2020 soll Baubeginn sein, im Januar 2021 die Produktion starten. Microvast beliefert Kunden im Bus- und Nutzfahrzeugbereich.22

Einigung über Kaufvertrag. Tesla hat sich it dem Land Brandenburg prinzipiell über den Kaufvertrag für das Grundstück bei Grünheide geeinigt. Die Antragsunterlagen für die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz hat Tesla beim Landesamt für Umwelt eingereicht. Im 1. Halbjahr 2020 soll Baubeginn sein, ab 2021 das Modell Y gebaut werden.23

Zur Geschichte von Grünheide. Renate Meinhof hat in der SZ die historischen Hintergründe beleuchtet. Wo die Tesla-Gigafactory gebaut werden soll, war früher ein geheimes Sperrgebiet mit einem Außenlager des Ministeriums für Staatssicherheit: Hier überprüfte die „Abteilung M“ den Brief- und Paketverkehr der DDR und öffnete Briefe und Pakete, entnahm Geldscheine (allein zwischen Januar 1984  und November 1989 über 32 Millionen DM) und hörte Telefonate ab. Der Regimekritiker Robert Havemann, ein enger Freund von Wolf Biermann, gründete mit Freunden am 9.9.1979 das Neue Forum. Havemann stand von 1976 bis 1979 unter Hausarrest und wurde rund um die Uhr von der Stasi bewacht. Im April 1982 starb er in Grünheide.14

Überraschungs-Coup. Die Tesla-Ansiedlung war wohl nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten der Regierung von Brandenburg bekannt. Die Wahl war am 1.9.2019. In der neuen Regierung sind CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen vertreten. Wie wird sie es mit dem Naturschutz halten, wenn bis Februar 2020 90 Hektar Tesla-Wald gerodet werden sollen. Eingriffe in den Wald müssen ausgeglichen werden: Tesla hat einen dreifachen Ausgleich der gerodeten Waldfläche angeboten. Aber wo sollen diese Flächen herkommen? Dazu der Geschäftsführer des BUND Brandenburg, Axel Kruschat: „An sich sind wir in einer Situation, in der man überhaupt keinen Wald mehr fällen darf.“24

Immobilien-Schnäppchen. Tesla kauft das Grundstück mit 300 Hektar im Gewerbegebiet Grünheide für ewas unter 41 Millionen Euro. Das entspricht 13,66 Euro pro Quadratmeter. „Im angrenzenden Gewerbegebiet Freienbrink liege der Preis dagegen bei 40 Euro pro Quadratmeter. Dort sei das Gelände allerdings bereits erschlossen.“25
Einer Meldung der SZ vom  14.11.2019 zufolge ist das Gelände bereits weitgehend erschlossen: „Vor einigen Jahren wollte hier zwischen Edeka-Lager und Autohof bereits BMW investieren, entschied sich dann aber für Leipzig. Das Areal ist es deshalb schon weitgehend erschlossen, der Bau der Fabrik könnte also schnell beginnen.“7 Damit wären die 40 Euro pro Quadratmeter (wie im Gewerbegebiet Freienbrink) wieder aktuell: Das entspräche einem Kaufpreis von 120 Millionen Euro.
Es würde mich doch wundern, wenn das Land Brandenburg bzw. die Gemeinde Grünheide nicht auch noch die restlichen Erschließungskosten für das Tesla-Gelände übernimmt.

Finanzausschuss genehmigt Verkauf. Der Finanzausschuss des Landes  Brandenburg hat den Verkauf des Baulandes an Tesla einstimmig bei einigen Enthaltungen genehmigt. Der Tesla-Vorstand hat dem Kauf allerdings noch nicht zugestimmt. Ein zweites externes Gutachten zum Wert des Baugrunds soll bis Ende Januar 2020 vorliegen. „Dann soll der endgültige Preis angepasst werden, sofern es zu einem abweichenden Grundstückswert kommt.“26
Nachtrag 21.1.2020: Der Tesla-Vorstand hat dem Kaufvertrag am 18.1.2020 zugestimmt.27

Tesla eröffnet Bürgerbüro. Es soll in Grünheide vom 16.1  bis 4.2.2020 zwischen 17 bis 19 Uhr geöffnet sein. Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) deutet den Zweck des Bürgerbüros durch die beginnenden Proteste vor Ort an: „Ich hoffe, dass  sich mit diesem Bürgerbüro die Situation jetzt auch ein bisschen entspannt.“28 – „Am Wochenende hatte es eine Demonstration gegen die geplante Ansiedlung gegeben.“29

Demos contra und pro Tesla. Am 18.1.2020 protestierten etwa 200 Bewohner von Grünheide gegen die Tesla-Gigafactory und die Abholzung des Waldes. Auf den Plakaten stand: „Keine Großfabrik im Wald“ und „Geheim verhandelt – Umwelt verschandelt“. Für die Ansiedlung demonstrierten etwa 30 Personen, von denen einige in ihrem Tesla kamen. Auf deren Plakaten stand u. a: „Elon, ich möchte ein Auto von dir“ und „Gestalten statt verhindern“.30

Fußnoten und Quellen:
  1. Tesla baut Gigafactory in Deutschland, in spiegel.de 12.11.2019 [] []
  2. „Müssen ein höheres Tempo vorlegen“, in spiegel.de 13.11.2019 [] [] [] []
  3. Brandenburg will Tesla mit Charme und Ökostrom überzeugt haben, in spiegel.de 13.11.2019 [] [] [] []
  4. Hage, Simon, Es wird ungemütlich für die deutsche Autoindustrie, in spiegel.de 13.11.2019 []
  5. VW-Chef: „Froh, dass Elon uns antreibt“, in manager-magazin.de 13.11.2019 [] []
  6. „Nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln“, in spiegel.de 13.11.2019 []
  7. Balser, M., Hägler, M., Heidtmann, J., Kunkel, C., Riesennummer am Peetzsee, in SZ 14.11.2019 [] [] [] [] []
  8. Dittmer, Nicole, „Elon Musk steht für Größenwahn“, in deutschlandfunkkultur.de 13.11.2109 [] []
  9. Kröger, Michael, Wassermann, Andreas, Warum ausgerechnet Grünheide? in spiegel.de 13.11.2019 [] []
  10. Schmieder, Jürgen, Der Milliardenmann, in SZ 20.6.2015 []
  11. Schmieder, Jürgen, Renovation, in SZ 6.12.2014 [] []
  12. Prösser, Claudius, Freude am Obszönen, in taz.de 14.11.2019 [] []
  13. Berkel, Manuel, Giga oder Gaga? in spiegel.de 14.11.2019 []
  14. Meinhof, Renate, Schweigen im Walde, in SZ 4.1.2019 [] []
  15. Hulverscheidt, Claus, Ein deutsches Auto, in SZ 14.9.2019; Brauck, Markus, Dettmer, Markus, Hage, Simon, Mingels, Guido, Wassermann, Andreas, Elon und die Deutschen, in Der Spiegel 47/16.11.2019 []
  16. Fasse, Markus, Teslas Ankündigung setzt BMW-Chef Zipse unter Druck, in handelsblatt.com 14.11.2019; Hervorhebung WZ []
  17. Fasse, Markus, Teslas Ankündigung setzt BMW-Chef Zipse unter Druck, in handelsblatt.com 14.11.2019 []
  18. Hägler, Max, „Die neue Dreifaltigkeit“, in SZ 15.11.2019 []
  19. Brauck, Markus, Dettmer, Markus, Hage, Simon, Mingels, Guido, Wassermann, Andreas, Elon und die Deutschen, in Der Spiegel 47/16.11.2019 [] [] []
  20. DPA, EU-Zuschüsse für Teslafabrik, in SZ 18.11.2019 []
  21. Croyé, Melanie, Tatje, Claas, Aufbruch in den Wald, in Die Zeit 21.11.2019 [] [] []
  22. Eckl-Dorma, Winfried, Was die „neue Seidenstraße“ mit Teslas Nachbarn zu tun hat, in manager-magazin.de 27.11.2019 []
  23. Tesla und Land Brandenburg einigen sich auf Grundstückskauf, in spiegel.de 20.12.2919 []
  24. Heidmann, Jan, Teslas Märchenwald, in SZ 7.1.2020 []
  25. Tesla zahlt rund 41 Millionen Euro für Gelände in Brandenburg, in spiegel.de 8.1.2020; Hervorhebung WZ []
  26. Finanzausschuss billigt Grundstücksverkauf an Tesla, in spiegel.de 9.1.2020 []
  27. Tesla-Vorstand stimmt Kaufvertrag zu, in spiegel.de 19.1.2020 []
  28. Tesla umgarnt die neuen Nachbarn, in spiegel.de 15.1.2020 []
  29. DPA, Tesla  eröffnet Bürgerbüro, in SZ 16.1.2020 []
  30. Tesla-Gegner und Anhänger beschimpfen sich, in spiegel.de 18.1.2020 []
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