Elektroauto Chronik eines Irrtums

Sono Motors

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Aktualisiert 24.1.2020

Aus Wikipedia: „Die Sono Motors GmbH ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in München. Das Unternehmen arbeitet an der Entwicklung eines Elektrofahrzeugs, das sowohl über das Stromnetz als auch über in die Karosserie integrierte Solarzellen geladen werden kann. Der Sion soll 2019 auf den Markt kommen. (…) Der Sono Sion ist ein rein elektrisch angetriebener Pkw, der neben der Aufladung über eine Typ2/CCS-Ladeschnittstelle auch durch die in die Karosserie integrierten Solarmodule geladen werden kann. So sollen täglich bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite generiert werden. Die reale Reichweite des Sion betitelt Sono Motors auf 250 Kilometer. Der Sion wird außerdem über ein bidirektionales Ladegerät verfügen, das sowohl Strom aufnehmen, als auch abgeben kann. Durch eine von Sono Motors bereitgestellte Smartphone-App werden Nutzer anderen Menschen Strom, eine Mitfahrgelegenheit oder das ganze Auto zur Verfügung stellen können.“

Schweißen und flexen by Youtube. 2013 gründeten Jona Christians, Laurin Hahn und Navina Pernsteiner das Münchner Start-up Sono Motors und entwickelten das Elektroauto-Modell Sion. Die Entwickler konnten anfangs weder schweißen noch flexen und brachten sich dies über Youtube bei. Das Elektroauto soll 120 Kilometer Reichweite haben. Das Basismodell verfügt über Akkus mit 14.4 kWh und soll etwa 12.000 Euro kosten, eine Version mit 30 kWh soll bis zu 250 km Reichweite bieten. Das Besondere am Sion sind 7,5 Quadratmeter PV-Zellen: „Die Karosserie ist mit Solarzellen bestückt, über die der Akku Energie für bis zu 30 Kilometer Reichweite laden soll – gratis und umweltschonend. (…) Ein erstes Exemplar des Sion wurde von der Roding Automobile GmbH gefertigt, einem auf Prototypen spezialisierten Unternehmen, das mit dem selbst entwickelten Carbon-Sportwagen Roadster R1 bekannt wurde.“1

5000 Vorbestellungen. Im Sommer 2018 könnte die 5000. Vorbestellung vorliegen. Ende 2019 soll die Produktion beginnen.2

Auslieferung Herbst 2020. Ab Herbst 2020 sollen die ersten Sion vom Band laufen. Jährlich wird eine Produktion von 43.000 Exemplaren angestrebt, insgesamt sollen 257.000 Sion produziert werden. Geschäftsführer Laurin Hahn: „Wir glauben an eine Zukunft, in der jedes Auto elektrisch ist und außerdem geteilt wird.“3 Ein eher unwahrscheinliches Szenario: Sono Motors will ausschließlich Ökostrom verwenden und den CO2-Rucksack kompensieren. Hahn: „Wir zahlen einen Ausgleich. Jedes unserer Fahrzeuge kommt mit einem CO2-Rucksack von Null auf die Straße.“3
Das dürfte teuer kommen!

Eine Konsequenz aus dem „Autogipfel“ am 4.11.2019 in Berlin: Kleinhersteller bedroht. Prof. Günther Schuh, der  Miterfinder des StreetScooter und Produzent des Kleinwagens e.Go, sieht durch die  Erhöhung der Prämien für Elektroautos unter 40.000 Euro auf 6000 Euro die Existenz seiner e.Go-Produktion bedroht. Dieser sollte als Basismodell 15.900 Euro kosten – davon wären 3000 Euro Prämie  seitens des Autoherstellers abzuziehen. e.Go müsste die 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Schuh: „e.Go kann das Geld nicht mit dem Verkauf von Verbrennerautos querfinanzieren, wie es die großen Hersteller machen.“4 Ähnlich geht es dem Münchner Kleinserienhersteller Sono Motors. Dessen Kleinwagen Sion hat einen Elektromotor mit 120 kW, eine Reichweite von etwa 250 Kilometern und kostet um die 16.000 Euro. Gründer Laurin Hahn: „Junge Unternehmen wie Sono Motors haben keinerlei Einfluss auf die E-Auto-Prämie und wurden bei der Ausgestaltung schlicht ignoriert.“4
Günther Schuh glaubt zwar nicht, dass man sein Unternehmen e.Go vom Markt verdrängen will: Das Aus für kleine Hersteller wäre aber zumindest ein nicht unerwünschter Nebeneffekt.

Letzte Ausfahrt: Crowdfunding. Nach wie vor gibt es vom Sion nur einen unfertigen Prototyp. Ursprünglich sollte die Produktion 2018 starten. Bis jetzt haben 10.000 Interessierte eine Anzahlung von mindestens 500 Euro gezahlt. Das nötige Geld für den Bau serienreifer Prototypen und der Bestellung von Produktionsmaschinen – 50 Millionen Euro -, soll über Crowdfunding hereinkommen. Diese für Crowdfunding ungewöhnlich hohe Summe soll innerhalb von nur 30 Tagen aufgebracht werden. Die zusätzliche Millionen erfordernde Produktion in dem alten Saab-Werk in Trollhättan/Schweden wird weitere Millionen kosten und soll im Herbst 2021 starten. Sono Motors hofft, die nächsten 50 Millionen Euro von den bisherigen interessierten 10.000 Käufern zu bekommen, die eine Anzahlung geleistet haben: Sie könnten den vollen Kaufpreis von inzwischen 25.500 Euro vorab entrichten. „Dass die Geldgeber am Ende ihr Auto bekommen, auch wenn sie jetzt den vollen Kaufpreis vorstrecken, ist nicht gesichert.“5 Das nächste Problem: Inzwischen haben viele Autobauer das Segment „Elektrische Kleinwagen“ entdeckt.

Sono sammelt erfolgreich. Am 30.12.2019 hatte Sono Motors 32,5 Millionen Euro eingesammelt. Investoren und Besteller plädierten laut Sono für eine Verlängerung des Crowdfundings. Am 19.1.2020 teilte Sono Motors mit, dass über 50 Millionen Euro eingesammelt wurden. Mit dieser Summe lassen sich allerdings nur die Prototyp-Serien finanzieren: Für die Serienproduktion in Trollhättan wären weitere 255 Millionen Euro nötig. „Zumindest einen Teil davon glaubt das junge Unternehmen über den Verkauf sogenannter CO2-Zertifikate eispielen zu können.“6 – Die SZ nannte es einen „Sieg in der Verlängerung“, der nicht nur aus Kleinbeträgen herrührte: Zwei Großinvestoren haben ihre Einlagen um zehn Millionen erhöht.7

Fußnoten und Quellen:
  1. Przybilla, Steve, Sonne tanken zum Schnäppchenpreis, in spiegel.de 23.6.2017 []
  2. Winkelmann, Marc, Green living, in Stern Extra 9.5.2018 []
  3. Wetzel, Jakob, Besorgte Unternehmer, in SZ 1.8.2019 [] []
  4. Frahm, Christian, Neue Prämie für E-Autos bedroht Existenz von Kleinherstellern wie e.Go, in spiegel.de 10.11.2019 [] []
  5. Kunkel, Christina, Letzte Ausfahrt, in SZ 5.12.2019 []
  6. Eckl-Dorna, Wilfried, Reiche, Lutz, Sono Motors sammelt 50 Millionen Euro über Crowdfunding ein, in manager-magazin.de 20.1.2020 []
  7. 50 Millionen für das Solar-Auto, in SZ 21.1.2020 []
von wz
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