Elektroauto Chronik eines Irrtums

Rebound-Effekt

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Aktualisiert 3.3.2019

Der Rebound-Effekt (1): „Mit Rebound-Effekt (englisch für Abprall- oder Rückschlageffekt) werden in der Energieökonomie mehrere Effekte bezeichnet, die dazu führen, dass das Einsparpotenzial von Effizienzsteigerungen nicht oder nur teilweise verwirklicht wird. Die Effizienzsteigerung sorgt dafür, dass der Verbraucher weniger Ausgaben hat und deshalb weitere Produkte erwerben kann. Führt die Effizienzsteigerung gar zu erhöhtem Verbrauch (das heißt zu einem Rebound-Effekt von über 100 Prozent), spricht man von Backfire. Der Rebound-Effekt ist ein Anstieg des Energieverbrauchs aufgrund einer Effizienzsteigerung. Er ist ein prozentualer Anteil des theoretischen Einsparpotenzials von Effizienzsteigerungen, der durch das Verhalten der Verbraucher nicht eingespart werden kann. Falls beispielsweise die Effizienzsteigerung um 20 % zunimmt, wird erwartet, dass der Ressourcenverbrauch um 20 % abnimmt. Wenn der Ressourcenverbrauch aber nur um 10 % zurück geht, ist die Größe des Rebound-Effekt 50 %. Zum Rebound tragen mehrere Effekte bei. Um von Rebound zu sprechen, müssen diese Effekte von der Effizienzsteigerung verursacht sein.“ (Wikipedia)
Weitere Beispiele: LED-Licht benötigt weniger Strom, also schaltet man es gar nicht mehr ab. Warmes Solarwasser wird vom Sonnenkollektor erhitzt, also badet man oder duscht länger. Und schließlich Elektroautos: Sie sollen vorgeblich umweltfreundlicher sein (was nicht stimmt): Also fährt man öfter und weiter damit. Verlierer sind der Fußgänger- und Fahrradverkehr und die Öffentlichen Verkehrsmittel.

Der Rebound-Effekt (2): „Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen erfordert einen effizienten Einsatz von Energie, Rohstoffen und Wasser. Durch die Steigerung der Effizienz können Produkte oder Dienstleistungen mit weniger Ressourcenverbrauch geschaffen werden. Oft sind damit auch Kosteneinsparungen verbunden. Diese haben wiederum Rückwirkungen auf das Kaufverhalten und den Gebrauch der Produkte.
Ein einfaches Beispiel: Wenn Pkw durch Effizienzsteigerungen günstiger werden, dann fällt beim nächsten Kauf die Entscheidung eventuell zugunsten des größeren Modells aus. Ein sparsamer Pkw verursacht geringere Treibstoffkosten pro gefahrenem Kilometer. Das wirkt sich zumeist auf das Fahrverhalten aus: Wege werden häufiger mit dem Pkw zurückgelegt, längere Strecken gefahren und öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad dafür weniger genutzt. So kommt es, dass die technisch möglichen Effizienzgewinne in der Praxis häufig nicht erreicht werden, weil das Produkt häufiger oder intensiver genutzt wird.“ (Umweltbundesamt, Rebound-Effekte)

Elektrischer Rebound-Effekt. 15 Professoren problematisierten im November 2017 die Elektromobilität. Ihr Thesenpapier problematisiert u. a. den „Rebound-Effekt“: „Es ist bekannt, dass jeder technische Fortschritt so genannte ‚Rebound-Effekte‘ auslösen kann. So wird beispielsweise die Energieeinsparung durch effizientere Fahrzeugantriebe zumindest teilweise durch eine intensivere Fahrzeugnutzung sowie durch Kauf und Nutzung größerer sowie schwererer Fahrzeuge mit größerer Motorleistung  bei annähernd gleich bleibenden Betriebskosten kompensiert. Genau dieser Rebound-Effekt war in den zurückliegenden Jahren an der immer exzessiveren Motorisierung der Pkw zu beobachten – mit steigenden Fahrzeuggrößen und Leistungskennziffern. Bezüglich der Einführung von Elektrofahrzeugen wird allerdings eine derartige Entwicklung bisher nicht berücksichtigt.“1
Weblink: https://www.researchgate.net/publication/321708137_Gruppe_emeritierter_Verkehrsprofessoren_Deutschlands_und_Osterreichs_
Elektromobilitat_Macht_der_Wandel_des_Fahrzeugantriebs_den_Verkehr_umweltfreundlich

Mehr Autoverkehr durch Elektroautos. „Die Käufer von Batteriemobilen ändern anscheinend ihre Verkehrsgewohnheiten und sind besonders viel mit ihren Gefährten unterwegs. Vielleicht leitet sie dabei die Überzeugung, damit der Umwelt etwas Gutes zu tun, vielleicht wollen sie den hohen Anschaffungspreis möglichst schnell durch die geringeren laufenden Kosten ausgleichen. Zudem – das zeigt zumindest eine norwegische Studie – fahren etwa 85 Prozent von ihnen mit dem Auto zur Arbeit, während das weniger als die Hälfte der Besitzer normaler Wagen tun. Entsprechend verschmähen Elektroautonutzer Fahrräder und den öffentlichen Nahverkehr weitgehend.
In der Umweltforschung nennt man das einen Rebound-Effekt: Wer ein umweltfreundliches Produkt kauft, neigt oft dazu, es häufiger zu benutzen als ein reguläres Fabrikat, ob nun LED-Lampe oder Elektroauto. Das frisst einen Teil der möglichen Einsparungen gleich wieder auf oder verkehrt die Wirkung sogar ins Gegenteil. Zudem werden die heutigen Elektroautos oft stillschweigend als Zweitwagen vermarktet und auch so genutzt. Nur eine Minderheit der Käufer ersetzt ihr bisheriges Auto mit einem Batteriemobil.“2

„Funktioneller Rebound-Effekt“. So nennt das Umwelt- und Prognose-Institut (UPI) in Heidelberg den Effekt, dass 43 Prozent der Käufer von Hybrid-Pkw und 59 Prozent der Käufer von reinen Elektroautos diese als zusätzlichen Pkw nutzen. Dies bedeutet zusätzlichen Ressourceneinsatz und verschärft das Stellplatzproblem in den Städten.3

Elektroautos schädigen den Öffentlichen Verkehr. In Norwegen ergab sich durch den Kauf eines Elektroautos eine Verlagerung vom Öffentlichen Verkehr zum individuellen Autoverkehr. Im Jahr 2015 nutzten vor dem Kauf eines Elektroautos 65 Prozent einen Pkw und 23 Prozent den ÖPNV; nach dem Kauf stieg die Pkw-Nutzung auf 83 Prozent, die Nutzung des ÖPNV fiel auf 4 Prozent. Der Rückgang betrug 82 Prozent.4

Mehr Heizen nach Sanierung. Wenn Wohnräume oder Gebäude energetisch saniert werden, wird oft mehr geheizt als in unrenovierten Räumen. Herbert Dannecker ist Vorstand des Deutschen Energieberater-Netzwerkes DEN, berichtet über diesen Rebound-Effekt: Haushalte in unsanierten Gebäuden heizen oft nur das Wohnzimmer und haben deswegen einen geringen Energieverbrauch. „Wenn nun das Haus saniert wird, heizen sie mehr Räume und dazu womöglich das Wohnzimmer auf eine höhere Temperatur. Das macht die erhofften Einsparungen zum Teil wieder zunichte.“5

Mehr Licht durch sparsame Lampen. Anfang 2009 wurden von der EU die Glühbirnen verboten und die quecksilberhaltigen „Energiesparlampen“ eingeführt. Dann kam die LED-Technik. Der Anteil der Beleuchtung in deutschen Haushalten ging von 12,2 TWh im Jahr 2008 auf gerade einmal 102 TWh zurück: Die LEDS brauchen ein Zehntel des Stroms der Glühbirne, dafür brennen sie die ganze Zeit durch (weil sie so sparsam sind), und sie brennen jetzt überall – bis hin zur nächtlichen Gartenbeleuchtung.6

Verkehr: Technische Verbesserungen durch höhere Nutzung zunichte gemacht.. Die Umweltorganisation ICCT wertete in einer neuen Studie Daten aus dem Jahr 2015 aus. Ein Ergebnis: In diesem Jahr starben um die 43.000 Menschen an den Folgen von Feinstaub und Ozon und davon 13.000 durch Emissionen aus dem Verkehrsbereich. Die technischen Verbesserungen werden wieder zunichte gemacht: „Der ICCT-Bericht warnt zudem davor, dass das zunehmende Verkehrsaufkommen die Fortschritte bei der Luftreinhaltung durch bessere Motoren, Katalysatoren und Filter wieder zunichtemachen könnten.“7

Fußnoten und Quellen:
  1. Gruppe emeritierter Verkehrsprofessoren Deutschlands und Österreichs Elektromobilität: Macht der Wandel des Fahrzeugantriebs den Verkehr umweltfreundlich?, Berlin/Wien, 14.11.2017 []
  2. Schrader, Christopher, So öko sind Elektroautos wirklich, in spektrum.de 3.11.2017; vgl. auch Schrader, Christopher, Die Ökobilanz der E-Mobilität, in Spektrum der Wissenschaft 5.18 []
  3. Umwelt- und Prognose-Institut e.V., Heidelberg, Ökologische Folgen von Elektroautos – Ist die staatliche Förderung von Elektro-und Hybridautos sinnvoll? Dieter Teufel, Sabine Arnold, Petra Bauer, Thomas Schwarz, UPI-Bericht Nr. 79, August 2015, 2. aktualisierte Auflage August 2017; hier; Kurzfassung hier; Zitat S. 3 []
  4. Umwelt- und Prognose-Institut e.V., Heidelberg, Ökologische Folgen von Elektroautos – Ist die staatliche Förderung von Elektro-und Hybridautos sinnvoll? Dieter Teufel, Sabine Arnold, Petra Bauer, Thomas Schwarz, UPI-Bericht Nr. 79, August 2015, 2. aktualisierte Auflage August 2017; hier; Kurzfassung hier; Zitat S. 3f []
  5. Diermann, Ralph, Der fatale Hang zum Komfort, in S  7.9.2018 []
  6. Bauchmüller, Michael, Auf die Birne, in SZ 16.2.2019 []
  7. Charisius, Hanno, Gift aus dem Auspuff, in SZ 28.2.2019 []
von wz
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