Elektroauto Chronik eines Irrtums

e.Go Life

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Aktualisiert 1.12.2019

Der Entwickler des StreetScooters, Professor Günther Schuh, gründete 2015 den Elektroautohersteller e.Go Mobile AG und ließ 2017 bei Aachen für 26 Millionen Euro eine Referenzfabrik bauen. Hier soll der Kleinwagen e.GO Life gebaut werden. Die Basisversion wird 15.900 Euro kosten, wird an einer normalen Steckdose fünf Stunden geladen und hat 130 Kilometer Reichweite. „Der e.GO ist als Zweitwagen für moderne Städter konzipiert. (…) Der Antrieb kommt von Bosch, deren Werkstätten die e.Go-Käufer auch für den Service ansteuern sollen.“1 Das nächste Modell ist in Planung: der e.Go Booster, ein Fünftürer und ein „E-Kleinbus in Kastenform für bis zu 15 Personen, der auch autonom fahren kann und für dessen weitere Entwicklung die Aachener im Mai ein Joint Venture mit dem Zulieferer ZF gegründet haben.“1 „Einzig der e.Go Life aus dem Team der RWTH Aachen bleibt mit 3,35 Meter Länge der rollenden Öko-Kiste treu. Im Jahr 2018 soll der Zweitürer für 16. 000 Euro inklusive Batterie starten – mit 48-Volt-Technik von Bosch.“2

e.GoLife hatte im Mai 2018 bereits 3000 Vorbestellungen – trotzdem sich Günther Schuh entschieden hat, „den Wettstreit um die dickste Batterie nicht mitzumachen“.3 – „Läuft alles rund, werden nächstes Jahr 10.000 e.Go produziert.“3

Zen oder die Kunst, ein Elektroauto zu bauen… „‚Es ist nicht so schwer, ein Elektroauto zu bauen‘, sagt der 59-jährige Schuh. ‚Die Kunst ist aber, ein günstiges Elektroauto zu bauen.‘ (…) Da seine ersten Modelle jedoch nur mit 27 bis 82 PS daherkommen und die Batterie für höchstens 160 Kilometer reicht, ist der ‚Life‘ als reines Stadtauto gedacht, beispielsweise als Zweitwagen für kurze Strecken.“4

Die Finanzierung. Bis zum Sommer 2018 brachten Investoren und private Geldgeber 47 Millionen Euro für die neue Fabrik und die Entwicklung des e.Go auf; das Land Nordrhein-Westfalen förderte mit 2,6 Millionen Euro.4 „Das erste e.Go-Werk ist auf einer Fläche von gut zwei Fußballfeldern entstanden und schafft 140 neue Arbeitsplätze in Aachen. Im Herbst soll der Schichtbetrieb anlaufen. ‚Wir wollen im nächsten Jahr mindestens 10. 000 Autos, im übernächsten Jahr mindestens 20. 000 Autos produzieren‘, gibt Schuh den Takt vor. Mut macht dem Professor, dass bereits 3000 Privatkunden einen Kleinwagen vorbestellt haben. Zudem hat alleine ein Flottenbetreiber wie die Caritas Hunderte Fahrzeuge geordert. Pflege- und Lieferdienste wären mit dem Elektroauto vor Fahrverboten gefeit, wie sie etwa auch in Aachen drohen.“4

e.Go geht in Produktion. „Rund 17 Stunden dauere die Montage eines Fahrzeugs, das an 28 einzelnen Stationen zusammengebaut wird. Die ersten der jährlich 10.000 produzierten Fahrzeuge sollen noch Ende 2018 an die rund 3000 Vorbesteller ausgeliefert werden. (…) Besucher dürfen erstmals eine Probefahrt im seriennahen e.Go-Modell machen. Tritt man auf das Gaspedal spurtet das Auto in der für Elektroautos typischen antrittsstarken Beschleunigung nach vorne. Das geht in der leistungsstärksten Variante mit einer Leistung von 60 Kilowatt sehr flott: in 3,4 Sekunden von null auf 50 km/h, ein Wert, der in dieser Fahrzeugklasse seinesgleichen sucht. Der tiefe Schwerpunkt durch die im Boden verbaute Batterie sorgt zudem für ein unterhaltsames Gokart-Feeling. Der kurze Radstand von 2,20 Metern macht das Auto zudem sehr wendig, und mit 3,34 Metern Länge passt man auch noch in kleinere Parklücken. (…) Das Auto ist in drei Leistungsstufen erhältlich. Die Basisvariante hat einen Hochvolt-Elektromotor mit 20 Kilowatt Leistung, einen Akku mit einer Kapazität von 14,9 Kilowattstunden und eine reale Reichweite von 104 Kilometern zu einem Preis ab 15.900 Euro. Hinzu kommt die Variante mit 40 Kilowatt (124 Kilometer Reichweite, ab 17.400 Euro) und mit 60 Kilowatt (158 Kilometer Reichweite, ab 19.900 Euro). Der e.Go ist dank der rund 130 Kilo schweren Karosserie aus hochfestem Kunststoff sehr leicht. Je nach Version wiegt der Stromer zwischen 880 und 950 Kilogramm.“5

Vom StreetScooter zum e.Go. „Dass Schuh dieser Coup gelungen ist, kommt nicht völlig überraschend. Schließlich hat er mit seinen Studenten bereits erfolgreich den E-Kleinlaster StreetScooter für die Deutsche Post konzipiert und damit gegen Hersteller wie VW oder Mercedes aufbegehrt, die nicht willens waren, der Post ein solches Auto zu bauen, weil das Projekt aus Konzernsicht zu wenig Gewinn abgeworfen hätte.“6 Die Deutsche Post, Initiator und erster Abnehmer für den StreetScooter, hat die Herstellerfirma gekauft und baut jährlich 20.000 E-Transporter,  auch für externe Kunden wie Handwerksbetriebe etc., die direkt von einem möglichen Dieselfahrverbot in Innenstädten betroffen wären.

Zwischenstand September 2018: Die Produktion von e.Go Life 60 startete am 13.7.2018; Gewicht mit Akkus 1000 kg. 3000 Bestellungen liegen vor, Preis 15.900 Euro (E-Auto-Prämie 4000 Euro), Reichweite 184 Kilometer, Akkuleistung 24 kWh, Ladezeit bei 220 V über Nacht.7

Zwischenstand Oktober 2018: Auslieferungsbeginn ab April 2019 – bedingt durch Zuliefererprobleme. Der e.Go Life ist ein Zweitürer mit 3,35 Meter Länge, 1,70 Meter Breite und 1,57 Meter Höhe. „Zum Start kommt der Life mit 20, 40 oder 60 Kilowatt Höchstleistung. Die Preise: 15.900, 17.400 und 19.900 Euro. (…) Die Ausstattung ist wie bei allen preissensiblen Stromern übersichtlich. Infotainment (1.200 Euro), Alus (ab 600 Euro), Klimaanlage (1.700 Euro), LED-Licht (650 Euro) oder Sitzheizung (150 Euro) kosten extra. Erstes Fazit: Das könnte was werden.“8

Auslieferung im April 2019. Die Firma von Günther Schuh, e.Go Mobile AG, hat 36 Millionen Euro in die e.GO-Fabrik investiert. Im April 2019 werden die ersten e.GOs ausgeliefert zum Preis ab 15.900 Euro. Die Reichweite beträgt etwa 130 Kilometer, die Ladezeit fünf Stunden.9

Produktionsbeginn. Ab Mitte März 2019 beginnt die Produktion, ab Mai die Auslieferung: In diesem Jahr sollen 3300 e.Go Life produziert werden; später sollen bis zu 30.000 hergestellt werden. Der e.Go kostet geringe 15.900 Euro. Die Vorbestellungen sind hoch, die Produktion 2019 ausverkauft, die Auslieferung wird auf Deutschland beschränkt. Gewünscht wird eine bessere Ausstattung.10

VW ID Buggy made by Schuh? Vorstandschef Herbert Diess hatte sich schon 2018 mit Günther Schuh in Verbindung gesetzt: Der ID Buggy soll nur in Stückzahlen von 3000 bis 5000 jährlich gebaut werden. Das schafft ein Mammutkonzern wie VW nicht, aber ein Start-up wie e.Go. Und eventuell könnte e.Go den von VW für Milliarden Euro entwickelten Elektrobaukasten MEB mitnutzen.10

e.GO kommt auf die Straße. Reichweite: 100 bis 145 km elektrisch; Abmessungen: 3.345 mm L x 1.747 mm B x 1.588 mm H; Batterie: 14,5-23,5 kWh 234-374 V Lithium-lonen; Ladevolumen: 140 l, 640 l inklusive Sitzbereich; Fahrzeuggewicht: 1.150 bis 1.210 kg.
Drei Ausstattungsvarianten: e.GO Life 20: 15.900€; e.GO Life 40: 17.400€; e.GO Life 60: 19.900€
((https://e-go-mobile.com/de/modelle/e.go-life/, Stand 7.7.2019))
Der e.GO wird im Aachener Stadtteil Rote Erde gebaut: In das Werk wurden 47 Millionen Euro investiert und 150 Arbeitsplätze geschaffen.11

e.Go-Test in spiegel.de.  Ein- und Ausparken schwergängig, billig wirkende Innenausstattung (bei dem Preis kein Wunder), reines Stadtauto mit Reichweite bis zu 30 km, variable Sitzplatzwahl zwischen zwei und drei Sitzen. Im Test mit 18 kWh Verbrauch sparsamer als im WLTP-Test mit 24,2 kWh.12

e.Go-Test in der SZ. Das Basismodell für 12.000 Euro hat keine Klimaanlage, Sitzheizung, keinen Parkassistenten. Das Werk in Aachen könnte ab Sommer 2020 im Drei-Schicht-Betrieb jährlich etwa 30.000 e.Go produzieren. Die erste Version (First Edition) hat noch kein genehmigtes elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP): Deshalb kann bei der First Edition noch keine Rekuperation aktiviert werden. Sie kostet trotzdem 4000 Euro mehr, hat trotzdem 3300 Vorbestellungen. Die Wartezeit beträgt derzeit etwa ein Jahr. „Laut Günther Schuh wird der Elektroflitzer aktuell noch oft als  Zweit- oder Drittwagen gekauft.“
((Kunkel, Christina, Günstig, aber nicht sparsam, in SZ 6.7.2019)) Der e.Go ist nicht schnellladefähig und braucht an der 230-Volt-Steckdose sieben Stunden zum Laden. „Klein heißt nicht gleich sparsam. Laut WLTP zieht der e.Go Life in der First Edition auf hundert Kilometern 16,2 kWh Strom.“13

Günther Schuh zum e.Go Life im SZ-Interview: Der eingeschränkte Nutzen des Elektroautos sollte durch einen geringen Preis ausgeglichen werden, sodass für den Kunden das Preis-Leistungsverhältnis wieder stimmt. „Trotzdem wissen auch wie nicht, ob der Kunde mit der niedrigen Reichweite von nur 150 Kilometer auskommt.“ ((Kinkel, Christina, „Der Kunde will keine Elektroautos“, in SZ 11.7.2019)) Die Vorbestellungen liegen derzeit bei  über 3000. „Wer jetzt bei uns ein Auto bestellt, bekommt es im nächsten Jahr im Juni.“14

Eine Konsequenz aus dem „Autogipfel“ am 4.11.2019 in Berlin: Kleinhersteller wie e.GO bedroht. Prof. Günther Schuh, der  Miterfinder des StreetScooter und Produzent des Kleinwagens e.Go, sieht durch die  Erhöhung der Prämien für Elektroautos unter 40.000 Euro auf 6000 Euro die Existenz seiner e.Go-Produktion bedroht. Dieser sollte als Basismodell 15.900 Euro kosten – davon wären 3000 Euro Prämie  seitens des Autoherstellers abzuziehen. e.Go müsste die 3000 Euro auf die Kunden abwälzen. Schuh: „e.Go kann das Geld nicht mit dem Verkauf von Verbrennerautos querfinanzieren, wie es die großen Hersteller machen.“15 Ähnlich geht es dem Münchner Kleinserienhersteller Sono Motors. Dessen Kleinwagen Sion hat einen Elektromotor mit 120 kW, eine Reichweite von etwa 250 Kilometern und kostet um die 16.000 Euro. Gründer Laurin Hahn: „Junge Unternehmen wie Sono Motors haben keinerlei Einfluss auf die E-Auto-Prämie und wurden bei der Ausgestaltung schlicht ignoriert.“15
Günther Schuh glaubt zwar nicht, dass man sein Unternehmen e.Go vom Markt verdrängen will: Das Aus für kleine Hersteller wäre aber zumindest ein nicht unerwünschter Nebeneffekt.

Aus der SZ-Kleinwagen-Revue: e.GO Life. Ein Jahr Wartezeit bis zur Auslieferung. Die Version First Edition (ohne Umweltprämie) kostet 19.900 Euro. Vmax bei 112 km/h; Reichweite mit 14,5-kWh-Akkus etwa 100 Kilometer nach WLTP. ((Kompakte Stromer, in SZ 23.11.2019))

Fußnoten und Quellen:
  1. Rosenbach, Marcel, Angriff der Zwerge, in Der Spiegel 30/22.7.2017 [] []
  2. Becker, Joachim, Die kleinen Preisbrecher, in SZ 5.8.2017 []
  3. Winkelmann, Marc, Green Living, in Der Stern 9.5.2018 [] []
  4. Müller, Benedikt, Ein E-Flitzer aus Aachen, in SZ 14.7.2018 [] [] []
  5. Frahm, Christian, Günther gegen Goliath, in spiegel.de 22.7.2019 []
  6. Frahm, Christian, Günther gegen Goliath in spiegel.de 22.7.2018 []
  7. Becker, Joachim, Tom Sawyer der E-Mobilität, in SZ 7.9.2018 []
  8. Baumann, Uli, Conrad, Bernd, Harnischfeger, Michael, Elektroauto e.Go Life verzögert sich: Kleinwagen mit E-Antrieb kommt erst 2019, in auto-motor-und-sport.de 10.10.2018 []
  9. Balser, Markus, Bauchmüller, Michael, Becker, Joachim, Hägler, Max, Heidtmann, Jan, Wunsch und Wirklichkeit, in SZ 5.1.2019 []
  10. Specht, Michael, Ein VW-Strandbuggy aus Aachen, in spiegel.de 6.3.2019 [] []
  11. Fromm, T., Müller, B., Stromer für alle, in SZ 10.5.2019 []
  12. Nefzger, Emil, Das etwas andere Elektroauto, in spiegel.de 10.5.2019 []
  13. Kunkel, Christina, Günstig, aber nicht sparsam, in SZ 6.7.2019 []
  14. Kinkel, Christina, „Der Kunde will keine Elektroautos“, in SZ 11.7.2019 []
  15. Frahm, Christian, Neue Prämie für E-Autos bedroht Existenz von Kleinherstellern wie e.Go, in spiegel.de 10.11.2019 [] []
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