Elektroauto Chronik eines Irrtums

BMW i8

B

Aktualisiert 28.10.2019

Der BMW i8 ist einen Plug-in-Hybrid mit einem 1,5-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit 223 PS und einem 170 PS starken Elektromotor. Mit Carbon-Karosserie und Alu-Chassis wiegt der i8 1485 Kilogramm. Die Basisversion des i8 kostet 126.000 Euro und geht bis rund 140.000 Euro hoch.
Die offizielle Reichweite soll mit Strom und Benzin mehr als 200 Kilometer betragen – allerdings nicht bei der zu erreichenden Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Georg Kacher in der SZ: „Das Aufladen an der heimischen Steckdose dauert knapp drei Stunden, an der BMW-i-Wallbox geht’s eine Stunde schneller. (…) BMW nennt einen Mixverbrauch von 2,1 Liter, doch der ist Makulatur, denn zum einen wird der Zyklus mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 40 km/h absolviert, und zum anderen fällt gleichzeitig ein Stromverbrauch von 11,9 kWh an. Die in der Praxis erfahrenen Werte sehen daher anders aus: gemischter Stadtverkehr knapp vier Liter, Überland gemäßigt über sechs Liter, Überland scharf rund neun Liter, Vollgas auf der Autobahn zwölf Liter und mehr.“1

i-Serie doch kein Erfolg. 2015 verkaufte BMW über zwei Millionen fossil betriebene Pkw – und knapp 30.000 elektrische i-Fahrzeuge. Das Geschäft wird BMW vor allem mit den großen Fossil-Boliden machen. „Bayerns Antwort auf die Stuttgarter S-Klasse ist ein Schlachtschiff mit Laserscheinwerfern, vollautomatischem Einparkservice und um die 300 PS. Es ist, wenn man so will, die große Melkmaschine der Münchner: Das teure Flaggschiff bringt das, was die E-Autos noch nicht bringen: dicke Renditen. Weil das so ist, baut BMW auch in Zukunft große Autos. Ein Groß-SUV, der X7, soll kommen; die PS-starke M-Reihe wird wachsen.“2

BMW als Vorbild. Christian Wüst wies im Spiegel darauf hin, dass BMW als einziger deutscher Autokonzern bezüglich der Diskussion um Klimaerwärmung und fossil betriebene Automobile Konsequenzen gezogen habe. „Die Münchner Marke vollzog im vergangenen Jahrzehnt einen denkwürdigen Imagewandel von der Rasermarke zum Öko-Primus. BMW wird in diesem Jahr voraussichtlich 100.000 Elektroautos und halbelektrische Plug-in-Hybride produzieren, liegt mit 30 Prozent Weltmarktanteil auf dem Niveau von Tesla und setzt dabei hohe Umweltstandards in der Herstellung. Das Münchner Stammwerk ist mit Solarpaneelen überzogen, der Produktionsstrom soll schon zur Hälfte aus regenerativen Quellen stammen, und auch die Fahrzeuge selbst scheinen durchdachter konstruiert zu sein. BMW hat die bislang aufwendigste Entwicklung getrieben: Leichtbaukarosserien, deren Carbon-Grundstoff mit reinem Ökostrom hergestellt wird, schmale Reifen und überschaubare Akkugrößen. (…) Der Riesenakku mit 100 Kilowattstunden, sagt Firmensprecher Bruch, würde weder die Hauskriterien für Profitabilität noch die für Nachhaltigkeit erfüllen: ‚Und solange das noch nicht gelingt, bauen wir ein solches Auto auch nicht‘.“3

Teurer i8 Roadster: Ab Mai 2018 bringt BMW den i8 Roadster für mindestens 155.000 Euro auf den Markt. Der 1,5-Liter-Dreizylinder hat 231 PS, der E-Motor 143 PS, der Lithium-Ionen-Akku hat 11,6 kWh Ladung und liefert rein elektrisch eine Reichweite von 53 Kilometer. „Während das geschlossene Auto ein 2+2-Sitzer ist, fällt beim Roadster die Rückbank weg und wird zur Ablage für etwa 100 Liter Gepäck. Der eigentliche Kofferraum bietet Platz für 88 Liter Ladevolumen – und für die Stoffhaube, die sich bis Tempo 50 auch während der Fahrt binnen 15 Sekunden auf Knopfdruck nach hinten faltet. (..) Im normalen Betrieb fährt der i8 bis Tempo 105 elektrisch, auf Knopfdruck sind auch bis 120 km/h strombetrieben drin. Arbeiten beide Motoren im Team, dauert der Sprint von 0 auf 100 km/h 4,6 Sekunden und erst bei Tempo 250 ist Schluss. Dann ist es im offenen Auto so stürmisch, dass man den Motor ohnehin nicht mehr hört.“4

Nächste Generation i8 (1). Der Projektleiter des i8, Rainer Rump, verwies bei der Vorstellung des neuen i8 auf die zehn Prozent Mehrleistung und 70 Prozent mehr Speicherleistung. Frage an potentielle Käufer: „Wer kauft nun ein Auto wie den i 8, wenn er für das gleiche Geld bei der Konkurrenz mit mehr Zylindern und mehr PS bedient wird? Von der ersten Generation des i 8 Coupés hat BMW etwa 14.000 Exemplare verkauft, beim neuen Roadster geht man von einer ähnlichen Zahl aus.“5

Nächste Generation i8 (2). Mindestens 155.000 Euro für einen Sportwagen mit drei Zylindern und einer elektrischen Reichweite von 53 Kilometer: Da bleibt der Kundenkreis klein. „Im vergangenen Jahr konnte BMW in Deutschland gerade einmal 273 Kunden für den i8 gewinnen, eine homöopathische Dosis im Vergleich zum Porsche Carrera beispielsweise (7520 Einheiten). 2016 waren es 243, 2015 als Höchstmarke 393 Fahrzeuge. Insgesamt wurden seit dem Marktstart im Juni 2014 rund 13.600 i8 produziert. Bester Einzelmarkt sind die Vereinigten Staaten. Beim Roadster dürften die Verkäufe auf ähnlich niedrigem Niveau weiterlaufen. (…) Die Gesamtleistung aus 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner plus Elektromotor, platziert auf der Vorderachse, stieg von 266 kW (362 PS) auf 275 kW (374 PS). Deutlicher ist der Unterschied bei der elektrischen Reichweite. Entsprechend der neuen Batteriekapazität, sie wurde von 7,2 auf 11,2 kWh erhöht, stieg die Reichweite von 37 auf 55 Kilometer (53 km beim Roadster), was für den einen oder anderen Berufspendler die Möglichkeit eröffnet, ganz ohne Zuschalten des Dreizylinders ins Büro und wieder nach Hause zu fahren.“6

250 km/h zu langsam. Unter den Auto-Flops des Jahres 2018 zählt spiegel.de auch den neuen BMW i8 Roadster: „Denn für die Bleifußfraktion ist der Plug-in-Hybrid nicht kräftig und leidenschaftlich genug und mit 250 km/h Spitze auch zu langsam. Da sind Porsche oder McLaren stürmischer. Und für Weltverbesserer ist der i8 auch nix, weil seine elektrische Reichweite bei 53 Kilometern liegt und er im Akku-Modus nicht schneller als 130 km/h fahren kann.“7
Mit 250 km/h zu langsam: Da  dreht es einem doch in Zeiten der Klimakatastrophe den Magen um …

Hybrid-BMW i8 brennt. Am In der Nacht zum 8.10.2019 brannte in der Münchner Dreimühlenstraße ein BMW i8: Es wird Brandstiftung vermutet. Da sich in Brand geratene Akkus von Elektroautos im Zeitraum von bis zu drei Tagen wieder entzünden können, hat die BMW-Berufsfeuerwehr einen Spezialcontainer angefordert, in den das Fahrzeug hineinpasst und der im Brandfall komplett mit Wasser geflutet werden kann.8

Fußnoten und Quellen:
  1. Kacher, Georg, Die Zeitmaschine, in SZ 3.5.2014 []
  2. Fromm, Thomas, Der große Widerspruch, in SZ 10.5.2016 []
  3. Wüst, Christian, Strom-Illusionen, in Der Spiegel 34/19.8.2017 []
  4. Grünweg, Tom, Luft nach oben, in spiegel.de 30.4.2018 []
  5. Fahrenholz, Peter, Vernünftig unvernünftig, in SZ 5.5.2018 []
  6. Ausfahrt mit dem BMW i8 Roadster, in spiegel.de 7.6.2018 []
  7. Frisch gekürt: Die Auto-Flops des Jahres, in spiegel.de 27.12.2018 []
  8. Unbekannte zünden Hybrid-Auto an, in SZ 9.10.2019 []
von wz
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