Elektroauto Chronik eines Irrtums

Januar 2019

J

Aktualisiert am 10.7.2019

KBA: Bestand in Deutschland. „Der Bestand an Elektro-Pkw stieg von 53.861 auf 83.175, der an Hybrid-Pkw von 236.710 auf 341.411 Fahrzeuge an. Der Plug-in-Hybridfahrzeugbestand wuchs um +50,8 Prozent auf 66.997.“1

Schweiz: SUV schlägt Elektroauto. Der Anteil der Geländewagen an den Neuwagen in der Schweiz stieg 2018 auf 49,1 Prozent. Der Anteil der Elektroautos machte 3,1 Prozent aus.2

Aggressionen gegen selbstfahrende Autos. Seit 2017 dürfen in Chandler, einem Vorort von Arizonas Hauptstadt Phoenix, selbstfahrende Autos und autonome Taxis getestet werden. Waymo, das Unternehmen für autonome Fahrzeuge von Google, lässt dort seit 2017 selbstfahrende Autos fahren. Laut New York Times sind mindestens 21 Angriffe auf autonome Autos  in den letzten zwei Jahren in Chandler verübt worden. Erik O’Polka, der Eigentümer einer IT-Firma, versuchte im November 2018 mit seinem Wrangler-Jeep ein Waymo-Auto von der Straße abzudrängen. Seine Frau Elizabeth O’Polka sagte: „Sie haben uns nicht gefragt, ob wir Teil ihres Beta-Testes sein wollen.“3 Der Begriff Betatest bezeichnet laut Wikipedia den Softwaretest eines Software-Produktes im Entwicklungsstadium einer Beta-Version, der unter möglichst realen Anwendungssituationen von späteren Benutzern („Nachfrager“) durchgeführt wird.

0,9 Prozent Elektroautos. Von Januar bis Juni 2018 wurden in Deutschland 1,8 Millionen fossil betriebene Pkw neu zugelassen – und 17.234 reine Elektroautos. Das ist ein Verhältnis von 99,1 zu 0,9 Prozent.4

PV-Anlagen auf den Schweizer Bergen? Die ETH in Lausanne stellte ein Projekt von Solarfarmen auf höheren Bergregionen vor. Bedingt durch den geplanten Atomstrom-Ausstieg und seine Ersetzung durch Solarstrom würde sich folgender Flächenbedarf ergeben: Mit konventionellen Anlagen im Flachland 57 Quadratkilometer, im Hochgebirge, bedingt durch mehr Sonneneinstrahlung, weniger Wolken im Winter und Schneereflektion, 47 Quadratkilometer. „Mögliche Umweltauswirkungen der Berg-Solarfarmen haben die Forscher in der Studie nicht untersucht.“5

Tesla produziert in China. Anfang Januar 2019 war Baubeginn für eine neue Tesla-Fabrik in Shanghai, wo die Modelle 3 und Y gebaut werden sollen. Elon Musk war persönlich anwesend. Die Baukosten gibt Tesla mit zwei Milliarden Dollar an, die Finanznachrichtenagentur Bloomberg mit fünf Milliarden Dollar. Bereits in diesem Jahr soll mit der Produktion begonnen werden; Produktionsziel sind 500.000 Elektroautos pro Jahr. Durch die Produktion in China macht sich Tesla unabhängig von Handelsstreit zwischen den USA und China.6

Tesla Model Y. Das Model Y ist ein Mini-SUV mit Allradantrieb, ein Crossover auf der Basis des Tesla Model 3. Die Reichweite soll bei 400 km liegen, der Preis zwischen 35.000 und 40.000 Dollar.7

E-Autos in München. Ende November 2018 waren 3112 Elektroautos und 178 elektrische Lkw in München zugelassen – und 700.000 konventionelle Pkw. Die Fahrzeuge mit dem E im Nummernschild (reine E-Autos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenautos) dürfen zwei Stunden kostenlos auf öffentlichen Parkplätzen parken.
Derzeit haben die Stadtwerke München (SWM) 356 Ladesäulen mit 714 Ladepunkten im Stadtgebiet installiert; Ende 2019 sollen es 550 Ladesäulen mit 1100 Ladepunkten sein.8

Elektro-Busse in München. Aus einer Presseinformation der SWM: „Das Ziel der MVG ist ambitioniert: Der Busverkehr in der Stadt soll irgendwann zu 100 Prozent elektrisch und zu 100 Prozent emissionsfrei sein. Das geht natürlich nur Schritt für Schritt und daher werden zunächst einmal sechs elektrisch betriebene Fahrzeuge bestellt, genauer gesagt vier E-Solobusse (12 Meter lang) und zwei E-Gelenkbusse (18 Meter lang).“9
Es handelt sich um Elektro-Busse der Marke EBUSCO. Die vier ersten Solobusse werden im 1. Halbjahr 2019 geliefert, und ab Mitte 2020 soll in München die erste Buslinie eröffnet werden, die von Elektrobussen bedient wird. „Sollten sich die ersten sechs E-Busse im Betrieb bewähren, sollen in einem zweiten Schritt 16 weitere E-Solobusse und acht zusätzliche E-Gelenkbusse bestellt werden.“ 9
Die Reichweite soll nach Anforderungen der SWM bei 280 km liegen und über ein effizientes Heiz- und Kühlsystem verfügen. Die sechs Busse kosten 3,9 Millionen Euro.8

VW verkauft Elektroautos und Ökostrom. VW will europaweit Ökostrom an Elektroauto-Fahrer verkaufen und gründet deshalb eine eigene Tochter namens „Elli“ (Electric & Life), die 2020 starten soll, wenn das erste Modell der VW-ID-Familie auf den Markt kommt. „Spätestens 2025 soll die Marke VW weltweit mehr als eine Million E-Mobile im Jahr bauen, konzernweit sollen es dann bis zu drei Millionen sein.“ [9] Volkswagen will Ökostrom verkaufen, in spiegel.de 8.1.2019 – Angeboten werden von Elli Stromtarife, Ladeboxen, Ladesäulen und für Privat- und Gewerbekunden Geräte, Abrechnungsservices und digitale Zusatzleistungen.10

Harley-Davidson elektrisch. Das neue Modell Live Wire wurde auf der Technikmesse CES in Las Vegas präsentiert: von Null auf 100 km/h unter 3,5 Sekunden, 177 Kilometer Reichweite.11
Wenigstens geht bei der elektrischen Harley kein Akkustrom für die Heizung drauf.
Nachtrag:
Anfang März 2019 wurde bekannt, dass Harley-Davidson die kalifornische Firma StaCyc gekauft hat, die Elektroräder für Kinder herstellt. Die StaCyc-Räder werden laut Harley-Davidson „den jüngsten Fahrern einen Einstieg bieten, um den Nervenkitzel des Fahrens  zu genießen“12
Anfixen, so früh es geht: Und die gesunde normale Fortbewegung mit dem Kinderfahrrad per Muskelkraft wird durch die Akkus abgeschafft.

München baut ab. Die Stadtwerke München bauen in der Hofangerstr. 84 drei von vier Ladesäulen wieder ab. Geschäftsleute hatten sich über den Wegfall von vier Kurzzeit-Parkplätzen beschwert.13

Musk baut ab. Die Raketenfirma SpaceX bietet ab 2023 Flüge zum Mond an, später geplant sind Flüge zum Mars. SpaceX arbeitet mit der Nasa und dem US-Militär zusammen, hat derzeit 6000 Beschäftigte und will zehn Prozent der Belegschaft entlassen. Weiter im Geschäft ist die Raketenfirma Blue Origin vom (vor seiner Scheidung) reichsten Mann der Welt, Jeff Bezos und Virgin Galactic von Milliardär Richard Branson.14

VW: E-Autos statt Mogeldiesel. VW will 700 Millionen Euro in sein Werk in Chattanooga investieren, um Elektroautos zu bauen. 2022 wird der Stadtgeländewagen ID Crozz ausgeliefert werden, dazu der E-Bus ID Buzz.15
Was ist ein Stadtgeländewagen – und wozu braucht man ihn???

E-Förderung in München. Seit dem 1.4.2016 gibt es das Förderprogramm „München emobil“. Damit werden elektrische Leichtfahrzeuge wie E-Roller oder E-Lastenfahrräder gefördert. Aktuell gibt es 1300 von der Stadt geförderte E-Roller in München.16

E-Mobilität global. 2018 wurden weltweit rund 2,1 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft, wie der Leiter des CAM-Institutes in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel, in einer Studie feststellte. „Treiber der Entwicklung ist laut Studie weiterhin China. Die Volksrepublik steht für 60 Prozent der weltweiten Nachfrage, so Bratzel: Gut eine Million E-Autos und 202.000 elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge seien vergangenes Jahr dort verkauft worden. Der Marktanteil sei auf 4,5 Prozent gestiegen. Im laufenden Jahr erwarte er einen weiteren Zuwachs auf 1,6 Millionen E-Fahrzeuge.“17

In den USA wurden 361.000 E-Autos verkauft (Marktanteil 2,1 Prozent), in Norwegen 73.000, jeder zweite Neuwagen), in Deutschland 68.000 (2 Prozent Marktanteil), in Großbritannien 60.000 und in Frankreich 46.000.17
Vergleiche auch: Norwegen-Elektroautos

Lithiumbatterien = Gefahrengut“. In München-Moosach hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) versuchsweise Depotcontainer für Elektrokleingeräte aufgestellt. Sie werden nun wieder abgebaut. Grund ist eine Verschärfung der Bestimmungen. Elektrogeräte enthalten oft Lithiumbatterien, und diese gelten als Gefahrengut. Deshalb müsste das Sammelgut frei von ihnen sein, und das ist nicht gewährleistet.18

Tesla entlässt sieben Prozent. Nach Elon Musks Unternehmen SpaceX kommt nun auch bei Tesla eine Entlassungswelle. Im Oktober 2018 hatte Musk noch 45.000 Tesla-Beschäftigte angegeben; sieben Prozent Entlassungen wären 3150 Stellen. Musk schrieb: „Der Weg vor uns ist sehr schwierig. (…) Tesla wird diese Einschnitte machen müssen, während gleichzeitig die Model-3-Produktion hochgefahren wird und wir in der Herstellung in den nächsten Monaten noch vieles verbessern müssen.“19
Eine Begründung von Musk: Das als Massenprodukt geplante Tesla Model 3 soll billiger werden. Der Grundpreis liegt bei 35.000 Dollar – in den USA beginnt die Preisgestaltung erst bei 44.000 Dollar.20

Keine Ladesäulen-Pflicht in Neubauten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wirbt seit Amtsantritt für Elektromobilität und Ladesäulen. Im neuen Gebäudeenergiegesetz seines Ministeriums fehlt aber eine Verpflichtung, bei Neubauten Ladestationen zu installieren. „Dabei hat die EU die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Einrichtung einer Ladeinfrastruktur bei Neubauten und Renovierungen per Gesetz vorzuschreiben. Dies muss bis zum März 2020 erfolgen, sonst droht ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland.“21 – „Das Ministerium will ‚die Frist der EU nutzen‘, um die Vorgaben in einem anderen Gesetz zu erfüllen. Der Grünenabgeordnete Oliver Krischer vermuret hingegen, die Immobilienlobby könnte Druck ausgeübt haben  und  sagt: ‚Die Bundesregierung verschleppt den Hochlauf der Elektromobilität.'“22
Es dreht sich ja nicht nur um die Infrastruktur in den Tiefgarage oder Hinterhöfen: Die jeweiligen Stadtwerke müssten die Hausanschlüsse mit völlig neuen Zuleitungen bewerkstelligen: eine riesige Kostenlawine droht.

Nationale Plattform Zukunft der Mobilität. Vorbemerkung: So langsam kommt man kaum noch hinterher vor lauter Plattformen: Von Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität (2010) zu Nationale Plattform Elektromobilität zu Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (2018). Das erste Verlässliche: Prof. Henning Kagermann ist immer dabei. Das zweite Verlässliche: Die Elektromobilität soll gefördert werden, koste es, was es wolle.
Zur Genese der Plattform: „Am 19.09.2018 wurde die Einberufung der Plattform durch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ins Bundeskabinett eingebracht und dort beschlossen. Die NPM nimmt mit der konstituierenden Sitzung des Lenkungskreises am 26.09.2018 ihre Arbeit auf. (…) Den Vorsitz des Lenkungskreises übernimmt Prof. Dr. Henning Kagermann. Die weiteren Mitglieder können in der folgenden Übersicht abgerufen werden.“ (https://www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/die-npm/)
Der Spiegel berichtete Mitte Januar 2019 von einer ersten Liste mit Vorschlägen der sechs Arbeitsgruppen. So besteht die Überlegung, bis zum Jahr 2025 die Autohersteller zu einer Elektroauto-Quote von 25 Prozent zu verpflichten, bis 2030 zu 50 Prozent. „Käufer etwa von dicken Geländewagen sollen zudem eine Strafabgabe von mehreren Hundert Euro zahlen, mit der ein Bonus für E-Auto-Kunden finanziert werden soll. Mit einer Prämie von 8000 Euro je Fahrzeug soll die ‚Nachfrage effizienter Verbrenner und E-Pkw‘ erhöht werden.“ (Traufetter, Gerald, Regierung missachtet Pflicht zum Bau von Ladesäulen für Elektroautos, in spiegel.de 19.1.2019))
Die paar hundert Euro setzen die Käufer der dicken Geländewagen – Dienstwagen! – kalt lächelnd von der Steuer ab.
Die Steuersätze von Benzin und Diesel sollen egalisiert und erhöht werden, sodass im Jahr 2030 der Liter Kraftstoff um 52 Cent mehr kosten würde. Ein Tempolimit auf Autobahnen von 130 km/h soll kommen. Ende März 2019 soll die entscheidende Sitzung der Plattform sein.22

Zeichen und Wunder: Deutsches Tempolimit vorgeschlagen. Experten der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“ haben ein generelles Tempolimit von 130 km/h in Deutschland vorgeschlagen – 18.1.2019, 12.04. (Da wird der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Dreieck springen.) Außerdem sollen die Preise von Benzin und Diesel angeglichen werden. und die Förderung von Elektroautos soll verdoppelt werden: „Beim Kauf von Autos mit besonders hohem Verbrauch soll zudem eine Abgabe von mehreren Hundert Euro erhoben werden. Mit ihr könnte der Bund eine Förderprämie für die Käufer von Elektroautos in Höhe von 8000 Euro finanzieren. So soll die ‚Nachfrage effizienter Verbrenner und E-Pkw‘ erhöht werden.“23

Das Bundesverkehrs-Imperium schlägt zurück. Die Antwort ließ nicht lange auch sich warten – 18.1.2019, 16.55: „Das Bundesverkehrsministerium reagierte auf den Bericht des SPIEGEL und bezeichnete den Vorschlag der sogenannten ‚Arbeitsgruppe 1‘ als ‚weder sozial noch wirtschaftlich zu verantworten‘ – dabei wurde die Expertengruppe auf Vorschlag von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einberufen.“24
– „Dabei hatte er sich erst gar nicht mit dem Konzept auseinandergesetzt.“25 Herr Scheuer klassifizierte die Vorschläge als „gegen den gesunden Menschenverstand“ gerichtet und sagte dann sogleich erbost die nächste Sitzung der Expertenkommission am 23.1.2019 ab.26 Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sekundierte sogleich: „Was wir jetzt erleben ist eine reine Phantomdebatte.“27
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU): Das Tempolimit ist eine typisch ideologische Verbotsdiskussion aus der grünen Mottenkiste.“28
Und was sagte die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu einem Tempolimit? Nichts. Moderator Thomas Walde: „Ich habe eben Umweltministerin Svenja Schulze, SPD gefragt, wie ihre Position zu einem Tempolimit ist. Dann habe ich sie das nochmal gefragt. Dann nochmal. Und nochmal. Und nochmal.“29
Und her Mistress‘ Voice, Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert: „Es gebe schon jetzt „auf einem großen Teil“  des deutschen Straßennetzes Geschwindigkeitsregelungen, und: „Es gibt  auch noch intelligentere Steuerungsmöglichkeiten als ein allgemeines Tempolimit.“30
Nachdem der Vorschlag eines Tempolimits für gehörige Aufregung gesorgt hat, erfolgte eine  Umbesetzung in der  Arbeitsgruppe: Helge Pols (Grundsatzfragen der klimafreundlichen Mobilität, Klimakabinett) wurde ersetzt durch Norbert Salomon (Grundsatzangelegenheiten).31

Auf 70 Prozent der deutschen Autobahnen gibt es kein Tempolimit. Die Hamburger Verkehrsexpertin Philine Gaffron verwies darauf, dass bei tödlichen Unfällen auf der Autobahn in 44 Prozent der Fälle die überhöhte Geschwindigkeit die Ursache ist – im Jahr 2017 waren dies 181 Tote und 2478 Schwerverletzte. „Aber je höher die Geschwindigkeit, desto schwerer der Unfall.“32  Auf einem 62 Kilometer langen Abschnitt der A24in Brandenburg halbierte sich nach Einführung eines Tempolimits von 130 km/ die Zahl der Unfälle, die Zahl der tödlich Verletzten sank um mehr als die Hälfte. Ein ähnlicher Effekt wurde auf der A4 in Nordrhein-Westfalen verzeichnet: Nach mehreren schweren Unfällen und neun Verkehrstoten wurde 2017 Tempo 130 km/h eingeführt, und es ereignete sich seitdem kein tödlicher Unfall mehr.33
Soviel zum Thema „gesunder Menschenverstand“ des Herrn Scheuer und Frau Kramp-Karrenbauer. – Ich darf auf meine Publikation aus dem Jahr 2007 verweisen: Rasen im Treibhaus – Warum Deutschland ein Tempolimit braucht.

VW-Konzern und die chinesische Konkurrenz. Der VW-Konzern hat Angst vor der chinesischen Elektroauto-Konkurrenz. „VW-Chef Herbert Diess hat deshalb ein riesiges Investitionsprogramm von 30 Milliarden Euro aufgelegt. Nun muss er die Stromautos auch an die Kunden bringen, wenn es sein muss, mithilfe höherer Steuern und Spritpreise – auch wenn das öffentlich niemand bei VW so ausdrücken wollte.“34
Es ist doch klar, dass auch der Strompreis in die Höhe gehen wird, wenn die Nachfrage durch die Elektromobilität steigt.

Elektroautos und Abbau von Arbeitsplätzen. Der deutsche Autoexperte Stefan Bratzel stellte fest: „Ein Auto mit Verbrennungsmotor hat 90-mal mehr bewegliche Teile als ein E-Auto.“35 dementsprechend werden mit steigendem Anteil der Elektroautos Arbeitskräfte freigesetzt. Bratzel rechnet bis 2025 mit einem Gleichgewicht von E-Motor und Verbrennungsmotor: Danach sinkt der Anteil Letzterer. Jörg Hofmann von der IG Metall rechnet mit einem Abbau von 200.000 Arbeitsplätzen im Gefolge der Elektromobilität. Für Österreich lautet die Prognose von Bratzel: Verlust von zehn bis 15 Prozent der Auto-Jobs.36

Ab 2030 keine Verbrenner mehr in Schweden. Schweden will ab 2030 keinen Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Damit sollen die CO2-Emissionen reduziert werden. In Norwegen liegt das Ende der fossilen Fahrzeuge im Jahr 2025, in Dänemark im Jahr 2030. Island visiert 2030 an, Großbritannien und Frankreich 2040.35

Pro Elektroauto. Der Direktor des Berliner Thinktanks „Agora Verkehrswende“, Christian Hochfeld, hat sich in einem Gastbeitrag in der SZ für die Elektromobilität positioniert: natürlich mit Strom aus erneuerbaren Energien. Nur mit Elektroautos könne eine klimafreundliche Verkehrswende gelingen, die im Kampf gegen den Klimawandel eine Schlüsselrolle spielen. „Einen Pkw mit weit mehr als einer Tonne Eigengewicht in Bewegung zu setzen, um Personen über oft nur kurze Distanzen zu befördern, kostet enorm viel Energie.“37
Das gilt natürlich auch und gerade für Elektroautos mit ihrem Akku-Gewicht.
Hochfeld verweist auch auf den CO2-Rucksack und auf eine neue Agora-Studie: Ein Elektroauto würde schon nach 60.000 Kilometern seinen Akku-bedingten Klimanachteil wettmachen und nach 150.000 Kilometern einen Klimavorteil von 25 Prozent herausfahren.37
Das widerspricht einmal der schwedischen IVL-Studie. Zum zweiten kenne ich derzeit keine Literaturstelle, die von einem Elektroauto mit gefahrenen 150.000 Kilometern mit dem ersten Akkusatz berichtet. Bei einem zweiten Akkusatz verdoppelt sich der CO2-Rucksack.
Hochfeld spricht sich auch für eine klimaverträglichere Batteriezellen-Herstellung aus. „Weil der europäische Strommix CO2-ärmer ist als der Strommix in den bisherigen Zellfertigungsländern, wäre die Ansiedlung von Batteriefabriken in Europa ein Schritt nach vorn.“37
Die derzeitigen Pläne, eine Zellfertigung mit polnischem Strom (zu 80 Prozent aus Kohlekraftwerken) zu versorgen, erhöht den CO2-Rucksack weiter.

BDI: Elektrifizierung gegen Klimaerwärmung. Der Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) setzt auf Elektroautos, um von den derzeitigen Emissionen von 170 Mill. to CO2 70Mill. to einzusparen. Bis 2030 müssten mindestens 4,5 Millionen Elektroautos und zwei Millionen Plug-in-Hybride in Deutschland fahren. CO2-neutrale Kraftstoffe müssten sich vervierfachen. Die Lkws müssten zu einem Drittel mit alternativen Antrieben fahren, dazu 2500 Kilometer Oberleitungen an Autobahnen für Elektro-Lkw. Bei einer CO2-Steuer von 250 Euro pro Tonne würde dies den Durchbruch für die Elektromobilität bedeuten; bei 150 Euro pro Tonne müsste zusätzlich ein Kaufanreiz von 4000 Euro gewährt werden.38
Keine Rede von Einsparen, Reduzierung, Wachstumsbeschränkungen: Immer weiter so elektrisch oder wie auch immer.

Jaguar: Elektrisch Flottenverbrauch senken. Der britische Autokonzern Jaguar Land Rover hat einen Flottenverbrauch von 150 g CO2 pro km. Ab 2021 hat die EU-Kommission diesen auf 95 g CO2 abgesenkt. Da besteht Handlungsbedarf. 2018 hat Jaguar das Elektroauto i-Pace vorgestellt. Nun kommt der Range Rover Sport als Plug-in-Hybrid: Er wiegt rund 2,5 Tonnen und hat einem 300-PS-Verbrennungsmotor und einen 104-PS-Elektromotor. Die rein elektrische Reichweite liegt bei 48 km – wohl um die günstigeren Steuerkonditionen von elektrischen Dienstwagen zu erfüllen, bei denen nicht mehr ein Prozent, sondern 0,5 Prozent des Listenpreises versteuert werden. Diese müssen 40 Kilometer rein elektrisch fahren.39

ADAC schwenkt um. Der ADAC-Ecotest setzte fünf Elektroautos auf die  ersten Plätze: VW e-Golf, VW e-up!, BMW i3s, Mercedes Smart fortwo coupé EQ, Hyundai Kona Elektro.40

  1. https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/Fahrzeugbestand/pm05_fz_bestand_pm_komplett.html?nn=2141712 []
  2. Honegger, Urs, 4×4-Wagen boomen – Elektroautos nicht, in www.hochperterre.ch 4.1.2019 []
  3. Romero, Simon, Wielding Rocks and Knives, Arizonans Attack Self-Driving Cars, in nytimes.com 31.12.2018. Vgl. auch Freigang, Caroline, Mensch gegen Roboter, in SZ 4.1.20192. []
  4. Balser, Markus, Bauchmüller, Michael, Becker, Joachim, Hägler, Max, Heidtmann, Jan, Wunsch und Wirklichkeit, in SZ 5.1.2019 []
  5. Kraftwerke auf dem Berg, in spiegel.de 7.1.2019 []
  6. Tesla startet Fabrik in Shanghai, in spiegel.de 7.1.2019 []
  7. Koch, Alexander, Neue Details zum Model Y, in autozeitung.de 09.01.2019 []
  8. Schubert, Andreas, 3290 Elektro-Exoten, in SZ 8.1.2019 [] []
  9. MVG baut Elektrobus-Flotte weiter aus, 9.10.2018, https://www.muenchen.de/aktuell/2018-10/mvg-baut-elektrobus-flotte-weiter-aus.html [] []
  10. DPA, Volkswagen gründet Ökostrom-Anbieter, in SZ 8.1.2019 []
  11. Der neue Harley-Sound, in SZ 9.1.2019 []
  12. Harley-Davidson will Kinder fürs Motorrad begeistern, in sdpiegel.de 5.3.2019 []
  13. Grundner, Hubert, Stadt zieht den Stecker, in SZ 10.1.2019 []
  14. Elon Musks Raketenfirma, in spiegel.de 12.1.2019 []
  15. DPA, VW baut E-Autos in den USA, in SZ 15.1.2019 []
  16. Schubert, Andreas, Förderung für E-Fahrzeuge ist beliebt, in SZ 16.1.2019 []
  17. In Norwegen fährt bereits jeder zweite Neuwagen elektrisch, in spiegel.de 17.1.2019 [] []
  18. Naujokat, Anita, Sammeln abgeblasen, in SZ 17.1.2019 []
  19. Tesla entlässt sieben Prozent der Beschäftigten, in spiegel.de 18.1.2019 []
  20. Er lässt sparen, in SZ 19.1.2019 []
  21. Ladestellen keine Pflicht in Neubauten, in Der Spiegel 4/19.1.2019 []
  22. Traufetter, Gerald, Regierung missachtet Pflicht zum Bau von Ladesäulen für Elektroautos, in spiegel.de 19.1.2019 [] []
  23. Traufetter, Gerald, Regierungskommission schlägt Tempolimit auf Autobahnen vor, in spiegel.de 18.1.2019 []
  24. Verkehrsministerium bezeichnet eigene Expertenvorschläge als „nicht zu verantworten“, in spiegel.de 18.1.2019 []
  25. Traufetter, Gerald, Vergesst das Tempolimit! in spiegel.de 21.1.2019 []
  26. Traufetter, Gerald, Streit über Tempolimit – Minister düpiert Klimakommission, in spiegel.de 22.1.2019; DPA, Scheuer gegen Tempolimit und höhere Dieselsteuer, in sueddeutsche.de 19.1.2019 []
  27. Kramp-Karrenbauer nennt Streit über Tempolimit „reine Phantomdebatte“, in spiegel.de 26.1.2019 []
  28. Scheuer beklagt „ständige Gängelung“, in spiegel.de 27.1.2019 []
  29. Regierung erteilt Tempolimit klare Absage, in spiegel.de 28.1.2019; vgl. auch Bizarres Interview im ZDF – Umweltministerin Schulze verweigert minutenlang jegliche Antwort zu Tempolimits, in focus.de 27.1.2019; Umweltministerin Schulze in der Kritik, in spiegel.de 28.1.2019 []
  30. Balser, Markus, Bauchmüller, Michael, Regierung erteilt Tempolimit klare Absage, in SZ 29.1.2019 []
  31. Balser, Markus, Ich geb‘ Gas, in SZ 5.3.2019 []
  32. DPA, Scheuer gegen Tempolimit und höhere Dieselsteuer, in sueddeutsche.de 19.1.2019 []
  33. Frahm, Christian, Nefzger, Emil, Tempolimit senkt Unfallzahlen drastisch, in spiegel.de 29.1.2019 []
  34. Traufetter, Gerald, Leicht entzündlich, in Der Spiegel 4/19.1.2019 []
  35. Schweden verbietet Verkauf von Diesel- und Benzinautos von 2030 an, in spiegel.de 22.1.2019 [] []
  36. Bruckner, Petra, E-Mobilität setzt Zulieferer unter Strom und schürt Angst vor Jobverlust, in derstandard.at 18.1.2019 []
  37. Hochfeld, Auf den Strom kommt es a, in SZ 24.1.2019 [] [] []
  38. Elektrisch aus der Klimakrise, in SZ 26.1.2019 []
  39. Fahrenholz, Peter, Ein Stromer, der kaum stromert, in SZ 26.1.2019 []
  40. E-Mobil vor Diesel, in SZ 26.1.2019 []
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