Elektroauto Chronik eines Irrtums

Februar 2020

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Aktualisiert 24.2.2020

Christliche Raser gegen Tempolimit. Die CSU hat am Wochenende eine Kampagne gegen ein Tempolimit gestartet: ein Entlastungsangriff für Bundesverkehrsminister Andreas  Scheuer (CSU) –  und ganz im Sinn von His Master’s Voice. Auf der CSU-Webseite steht: „Der Umwelteffekt eines Tempolimits ist sehr gering.“1. Die Zahl der Unterstützer stieg bis 3.2.2020 auf über 62.000.2 – Am 4.2.2020 startete die DUH eine Gegenaktion mit der Kampagne „Tempolimit Jetzt!“3

Grüne Raser. Der grüne MbB Dieter Janecek trat im Interview mit der Augsburger Allgemeinen dafür ein, Elektroautos mit Ökostrom zur Nachtzeit ohne Tempolimit über die Autobahn rasen zu lassen.2 Grünen-Fraktionschef Oliver Krischer sieht dies  anders: „Als Grüne sind wir für ein Tempolimit ohne Ausnahmen.“3

Tesla: Shortseller mit fast neun Milliarden Dollar Verlust in 2020. Die Tesla-Aktie stieg – unbegreiflicherweise – im Jahr 2019 und nun auch 2020. Am 3.2.2020 stieg der Kurs um 20 Prozent – und die Shortseller, die auf fallende Kurse wetten, machten damit einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar. Dazu gehören die US-Hedgefonds Greenlight Capital (David Einhorn) und Stanphyl Capital (Mark Spiegel).4 – Am 4.2.2020 stieg die Tesla-Aktie sogar auf 969 Dollar: Damit ist Tesla nunmehr 140 Milliarden Dollar wert und damit besser bewertet als VW und BMW zusammen.5

Tesla und der Corona-Virus. Teslas Gigafactory in Shanghai hat nach dem chinesischen Neujahrsfest am 25.1.2020 immer noch Produktionsstopp wegen des Coronavirus-Ausbruchs. Durch diese Ankündigung von Tesla fiel die Aktie in der Nacht vom 5. auf 6.2.2020 um bis zu 17 Prozent auf 734,70 Dollar.6 – „Börsianer warnen vor einer ‚Tesla-Bubble‘, einer Finanzblase, die jederzeit platzen könne. Sie mögen recht haben, und wer jetzt noch Tesla-Aktien kauft, braucht die Nerven eines Zockers.“7

Musiker Musk. Elon Musk hat ein Stück namens „Don’t Doubt Ur Vibe“ auf Streaming-Plattformen veröffentlicht. „Jeder halbwegs sich selbst respektierende Musiker hätte den Schrott sofort gelöscht oder ihn auf einem Memory-Stick begraben. Elon Musk wollte ihn aber veröffentlichen..“8

aCar aus Bayern. Martin Šoltés und Sascha Koberstaedt entwickeln seit 2013 an der TU München eine Art E-Pick-up, das aCar. Dazu gründeten sie Evum-Motors, fanden Kapitalgeber und eine Halle bei Landshut. Das aCar hat 200 Kilometer Reichweite, fährt 70 km/h, hat Allradantrieb und eine Tonne Zuladung. Es soll auch in Afrika gebaut werden.9

Mehr Mitarbeiter bei BMW-Elektromotoren. Im BMW-Werk Dingolfing (insgesamt 18.000 Mitarbeiter) wird die Zahl der Mitarbeiter in der Fertigung von Elektromotoren von 600 auf 1400 erhöht. Später sollen bis  zu 2000 Mitarbeiter im Bereich E-Motoren, Batteriemodule und Hochvoltspeicher beschäftigt werden. Das BMW-„Kompetenzzentrum für E-Antriebe“ wird von 8000 auf 80.000 Quadratmeter erweitert.10

Altmaier fördert „industriepolitische Entscheidung“. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte in Kaiserslautern am Standort der künftigen Batteriezellen-Produktion von Opel und Saft die Rückkehr der Batterieproduktion nach Deutschland: „Das ist eine industriepolitische Entscheidung ersten Ranges.“11 Diese Entscheidung wird vom deutschen Staat mit einem dreistelligen Millionenbetrag subventioniert. Die Fabrik kostet etwa zwei Milliarden Euro, soll im Jahr 2024 den Betrieb aufnehmen und 2000 Arbeitsplätze schaffen.11
Vergleiche auch: Deutsche Batteriegeschichte

Unbeliebte Ladesäulen. Bis Ende 2019 haben die Stadtwerke München etwa 550 Ladesäulen in München installiert. Im Fall Kolbergerstr. 15 stehen die zwei Ladesäulen auf dem Gehsteig vor einer Erdgeschosswohnung. Die CSU Bogenhausen forderte den Bezirksausschuss auf, einen neuen Standort beim Planungsreferat zu beantragen – „ohne eine derart direkte Exponierung zu Wohn- oder Schlafbereichen“.12 Das  Referat  teilte mit, dass es aufgrund von Baumgräben und Radwegen in der Gegend keinen Alternativstandort gäbe. Auch an der Sternwartstraße in Alt-Bogenhausen lehnte das Referat einen Rückbau ab.12

München lädt vor. Bundesweit führt München mit 1100 Ladepunkte und 550 Ökostrom-Ladesäulen. Die SWM wollen 2020 weitere 60 zusätzliche Ladepunkte installieren und die Zahl der Schnellladestationen auf bis zu 18 erhöhen.13

Alles öko? Marie-Luise Wolff, Präsidentin des BDEW, in der Sendung „Hart aber fair“: „Wenn jedes Auto ein E-Auto wäre, bräuchten wir 20 bis 30 Prozent mehr Strom in Deutschland.“ Und der Strom dafür „müsste dann natürlich aus erneuerbaren Energien kommen“. 14

Von Grünheide zu Schwarzheide. Der BASF-Konzern errichtet in Schwarzheide in Brandenburg eine Anlage für Batteriematerialien, die 2022 in Betrieb gehen wird. Die Vorprodukte kommen aus einem BASF-Betrieb in Finnland; in Schwarzheide soll dann Kathodenmaterial für jährlich etwa 400.000 reine Elektroautos produziert werden. „Hintergrund für die Ansiedlung ist eine Entscheidung der EU-Kommission, wonach die Batteriezellenfertigung in der EZ mit bis zu 3,2 Milliarden Euro bezuschusst werden kann.“15

Verwaltungsgericht: Tesla darf weiterroden. Die Grüne Liga Brandenburg und der Verein für Artenpflege und Landschaftsschutz (VLAB) in Bayern haben den Antrag gestellt, die Rodungen in Grünheide bis zur Erteilung einer Baugenehmigung zu stoppen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder hat am 14.2.2020 im Eilverfahren entschieden, dass Tesla weiterroden darf.16

Grüne Liga Brandenburg erwirkt Rodungsstopp. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied am 15.2.2020, dass zunächst über die Beschwerde der Grünen Liga gegen die Baumfällarbeiten des Tesla-Konzerns entschieden werden muss. Tesla begann am 13.2.2020 „auf eigenes Risiko“ mit den Rodungen von zunächst 91 Hektar Wald. Bis 5.3.2020 können noch Beschwerden gegen den Bau erhoben werden.17 Einige Politiker und Institutionen forderten angesichts des Rodungsstopps sofort, das Klagerecht der Umweltverbände einzuschränken.18
Die Grüne Liga hat den Vorwurf gegenüber der Landesregierung Brandenburg erhoben, deutsches und europäisches Recht für den Bau der Tesla-Gigafactory zu beugen. Ihr Rechtsvertreter Dirk Teßmer: „Wenn Tesla und das Land Brandenburg mit der vorzeitigen Rodung durchkommen, ohne dass eine abschließende Prüfung der Umweltauswirkungen stattgefunden hat, ist das Natur- und Umweltrecht nichts mehr wert.“18 Für Heinz-Herwig Mascher, den Vorsitzenden der Grünen Liga Brandenburg geht es darum, dass für Tesla die gleichen Regeln zu gelten haben wie für andere Investoren: „Uns geht es um Rechtssicherheit.“19 Das ist auch bitter nötig. Denn das Konstrukt der Landesregierung Brandenburg sieht so aus: Man schafft erst einmal vollendete Tatsachen. „Binnen zwei Wochen sollte der 91 Hektar große Wald gefällt werden.“19 Und falls Tesla keine Baugenehmigung bekommt? Dann müsste Tesla wieder aufforsten.
Ein Stück aus dem Tollhaus.
Mehr dazu unter: Tesla Berlin/Brandenburg

Ansichten einer „grünen“ Berliner Wirtschaftssenatorin. Ramona Pop äußerte zum Rodungsstopp in Grünheide, den die Grüne Liga erwirkt hat: „Man muss nicht immer gegen alles sein. Wie abwegig, eine Kiefernplantage zu einem Wald zu erklären.“20
Das ökonomische Sein prägt das Bewusstsein…

Tesla-Abholzungen gehen weiter. Das OVG Berlin-Brandenburg hat am Abend des 20.2.2020 die Eilanträge von Grüner Liga Brandenburg und VLAB abgelehnt. Damit können die Rodungen fortgesetzt werden. Der Anwalt der Grünen Liga, Dirk Teßmer: „Wir waren optimistisch, dass es anders ausgeht.“21

Lieferschwierigkeiten bei LG Chem. Die Produktion des Audi e-tron in Brüssel musste vom 13.2. bis 18.2.2020 eingestellt werde: Es gab „Engpässe bei der Teilezulieferung“. Der Batterielieferant LG Chem meldet Produktionsprobleme. Diese betreffen auch den EQC von Mercedes und den Porsche Taycan, die ebenfalls mit Akkus von LG Chem ausgestattet werden.22

Fußnoten und Quellen:
  1. CSU startet Kampagne gegen Geschwindigkeitsbegrenzung, in spiegel.de 2.2.2020 []
  2. Grüne denken über Ausnahmen für Elektroautos auf Autobahnen nach, in spiegel.de 4.2.2020 [] []
  3. Büttner, Jens/dpa, Grünen-Fraktion reagiert irritiert auf Tempolimit-Vorstoß, in spiegel.de 4.2.2020 [] []
  4. Rottwilm, Christoph, Tesla-Shortseller verlieren Milliarden – und bleiben cool, in manager-magazin.de 4.2.2020 []
  5. Schmidbauer, Jan, Sie läuft und läuft und läuft…, in SZ 5.2.2020 []
  6. Timmler, Vivien, Tesla-Aktie bricht nach Rally ein, in SZ 6.2.2020 []
  7. Hage, Simon, Teslas Höhenflug an der Börse: Luftnummer oder Gefahr für VW und Co.? in spiegel.de 7.2.2020 []
  8. Kedves, Jan, Schnittstelle zum Hirn, in SZ 4.2.2020 []
  9. Scherf, Martina, Ein Auto für alle Zwecke, in SZ 5.2.2020 []
  10. BMW baut E-Fertigung in Dingolfing aus, in SZ 7.2.2020 []
  11. DPA, Optimist, in SZ 8.2.2020 [] []
  12. Tankstelle vor dem Fenster, in SZ 8.2.2020 [] []
  13. Neue Hauptstadt der Ladepunkte, Anzeige der LH München, SZ 11.2.2020 []
  14. Velten, Julian, Ist unser Leben schlecht fürs Klima? in n-tv.de 18.2.2020 []
  15. DPA, BASF investiert in Brandenburg, in SZ 13.2.2020 []
  16. DPA, Tesla rodet weiter, in SZ 15.2.2020 []
  17. DPA, Elektroautobauer Tesla muss Rodungen in Brandenburg stoppen, in manager-magazin.de 16.2.2020 []
  18. Kröger, Michael, Rodungsstopp für Tesla: Was der Rodungsstopp für den Konzern bedeutet, in spiegel.de 17.2.2020 [] []
  19. Sägepause im Tesla-Wald, in SZ 17.2.2020 [] []
  20. Senatorin kritisiert Rodungsstopp für Tesla-Gelände, in welt.de 18.2.2020 []
  21. Tesla-Werk in Grünheide: Waldrodungen dürfen fortgesetzt werden, in spiegel.de 20.2.2020 []
  22. Hecking, Mirjam, In Audis e-tron-Fabrik stehen die Bänder still, in manager-magazin.de 21.2.2020 []
von wz
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