Elektroauto Chronik eines Irrtums

Februar 2012

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Chinesische Elektroautos mit Kohlestrom. China forciert die Elektromobilität, obwohl dort der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung bei 90 Prozent liegt. Ein chinesisches Forscherteam hat nun eine Bilanz der Luftverschmutzung für Elektroautos aufgestellt: „In China sind Elektroautos wahre Dreckschleudern. Pro gefahrenen Personen-Kilometer entstehen bei ihnen mehr Schadstoffe – Kohlendioxid, Feinstaub und Stickoxide – als bei jedem anderen Verkehrsmittel einschließlich stinkender Dieselbusse. ) Für einen Kilometer im Elektroauto stoßen die Kraftwerke 19-mal so viel Feinstaub aus, wie aus dem Auspuff eines Benzinautos dringt. Allerdings werden Partikel aus dem Schornstein im Durchschnitt von weniger Menschen eingeatmet als Emissionen im Stadtverkehr, weil die Kraftwerke eher außerhalb der Ballungsräume stehen. Übrig bleibt ein Faktor von 3,6, den chinesische Stromer gefährlicher sind als Benzinautos. Auf das Beispiel Shanghai angewandt, bedeuten die Zahlen, dass zehn Milliarden Personen-Kilometer im Benziner neun zusätzliche Todesopfer durch Feinstaub verursachen, im Elektroauto 26, bei Dieselbussen 32 und bei Dieselautos 90. Letztere scheiden viel Feinstaub in Ballungszentren ab.“1

Deutsche Elektroautos mit deutschem Strom-Mix. Auch in Deutschland kommt es auf die Herkunft des eingesetzten Stroms bei Elektroautos an. Eine akzeptable CO2-Bilanz gibt es nur mit Strom aus erneuerbaren Energien: Und dieser muss zusätzlich über den vorgesehenen Ausbau erzeugt werden, wie das Ökoinstitut kürzlich feststellte. Denn sonst gibt es nur eine Verschiebung: „Dann fahren zwar die Autos sauber, dafür sind die übrigen Verbraucher wieder schmutziger.‘“1
Vulgo: Eine mit regenerativen Energien erzeugte Kilowattstunde kann nur einmal verbraucht werden: entweder für ein Elektroauto, oder für eine Waschmaschine, oder Beleuchtung etc. Wenn die Elektroautos also großflächig den Ökostrom verbrauchen, werden die übrigen Verbraucher wieder schmutziger.

Strom kontra fossil. Wenn man von einem (eher sparsamen) Stromverbrauch von 18 kWh auf 100 Kilometer ausgeht, würde das Elektroauto beim deutschen Strommix (nach der atomaren Katastrophe von Fukushima und dem deutschen Atomausstieg) „indirekt etwa so viel Kohlendioxid ausstoßen wie die sparsamsten Autos mit Verbrennungsmotor. Immerhin kann der Besitzer beim Strom-Auto über dessen Lebensdauer damit rechnen, dass sich die Umweltbilanz verbessert, weil der Strom grüner wird.“1
Aber der industriell erzeugte Ökostrom ist nicht umsonst und umweltneutral zu haben: Er kostet eben Fauna und Flora, Landschaft und Ästhetik.

Fußnoten und Quellen:
  1. Schrader, Christopher, Elektro-Dreckschleudern, in SZ 15.2.2012 [] [] []
von wz
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