Elektroauto Chronik eines Irrtums

August 2020

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Aktualisiert 4.8.2020

„Kein Kettcar“. Beim Hamburger Chefarzt Christian Kühne wurde das erste Opfer eines Elektro-Scooter-Unfalls eingeliefert. Er begann ein medizinisches Register mit bis heute 90 Unfallopfern. Sie waren meist männlich, im Durchschnitt 36 Jahre alt und meist in der Freizeit unterwegs. Damit sind die Elektro-Scooter also nicht, wie von Bundesverkehrsminister Andreas  Scheuer (CSU) propagiert, als Verkehrsmittel für Berufspendler im Einsatz. Alkohol war zu etwa  20 Prozent beteiligt, 87 Prozent haben ihren Crash ohne Unfallgegner verursacht, 40 Prozent erlitten Kopfverletzungen. Deshalb fordert Mediziner Kühne („Das ist kein Kettcar“) eine Helmpflicht, die aber das Geschäftsmodell der Verleiher gefährden würde: nämlich ein spontanes Ausleihen. „Wenn die Fahrer dafür einen Helm mitbringen müssten, hätten die Take-away-Roller wohl kaum mehr eine Chance auf dem Markt.“1

Höchste Autorabatte bei E-Autos. Auf dem deutschen Automarkt fallen die Autopreise. Die höchsten Rabatte gibt es laut Ferdinand Dudenhöffer von CAR bei den Elektroautos. Hier gibt es staatliche Subventionen von 6000 Euro und einen Herstellerzuschuss von 3000 Euro. Deshalb gibt es vor allem bei sehr kleinen E-Autos lange Lieferzeiten. „Am Marktanteil der E-Autos änderten die hohen Subventionen aber wenig, stellte Dudenhöffer fest. Die deutlich gestiegene Eigenzulassungsquote von fast 27 Prozent deute auf nicht ausgelastete Produktionskapazitäten, folgerte die Studie.“2

Kein Wunder: Rekord bei E-Auto-Förderung. Ab 4.6.2020 gilt die erhöhte Kaufprämie für Elektroautos: Die Hersteller bezahlen 3000 Euro, und der Staat hat seine Prämie von 3000 auf 6000 Euro erhöht, macht 9000 Euro. Plug-in-Hybride werden mit bis zu 6750 Euro gefördert. Der Witz: „Bei den Hybriden muss der Elektroantrieb nicht genutzt werden.“3  Deshalb ist bei Plug-in-Leasingfahrzeugen das Ladekabel oft noch original-verpackt. Nicht lustig: Auch Plug-in-Hybride werden mit den Super-Credits bewertet.
Durch die gewaltige Förderung wurden im Juni 2020 in Deutschland laut KBA rund 220.000 Fahrzeuge neu zugelassen, davon fast 19.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride (8,6 Prozent).  Und im Juli 2020 wurden 19.993 Anträge für die „Innovationsprämie“ für E-Autos und Plug-in-Hybride gestellt.3

Kein Tempolimit: Unfälle wahrscheinlicher und schlimmer. Der Koordinator für Verkehrssicherheit und nachhaltige Mobilität in der EU-Kommission, Matthew Baldwin: „Wenn wir das Durchschnittstempo auf allen Straßen in der EU um 1 km/h senken, könnten wie jährlich bis zu 2000 Menschen retten. Geschwindigkeit bewirkt zwei Dinge: Sie macht einen Unfall wahrscheinlicher, und sie macht ihn schlimmer.4

Fußnoten und Quellen:
  1. Evers, Marko, Spaßgefährt mit Tücken, in Der Spiegel 32/1.8.2020 []
  2. Autobauer geben mehr Rabatt – höchste Nachlässe bei E-Autos, in manager-magazin.de 1.8.2020 []
  3. Rekord nach erhöhtem Zuschuss: Fast 20.000 Anträge auf Elektroautoprämie im Juli, in manager-magazin.de 3.8.2020 [] []
  4. Hummel, Thomas, „Sehr emotionales Thema“, in SZ 3.8.2020; Hervorhebung WZ []
von wz
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