Elektroauto Chronik eines Irrtums

August 2013

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Norwegen: Zweitwagen Elektroauto. Im Jahr 2013 fahren bei etwa 2,4 Millionen Pkw rund 11.000 Elektroautos auf Norwegens Straßen. (In Deutschland ist dieses Verhältnis 43 Millionen Pkw zu rund 8000 Elektroautos.) Norwegen hat 2009 die Bedingungen für Elektroautos verbessert: Diese wurden von der Mehrwertsteuer (25 Prozent) befreit, ebenso von Zulassungs-, Import- und Zollabgaben. “Vor allem im Großraum Oslo, dessen Straßen oft überlastet sind, ist die freie Fahrt auf den Busspuren ein attraktiver Kaufanreiz für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug. (…) Allerdings hat der Elektroauto-Boom in Norwegen auch eine Schattenseite. Bjart Holtsmark, Analyst im norwegischen Statistikamt, kritisiert, dass viele Norweger sich ein Elektroauto als Zweitwagen anschaffen. Dadurch kämen insgesamt immer mehr Autos auf die Straßen, und parallel dazu werde der öffentliche Nahverkehr immer weniger genutzt. Außerdem werden irgendwann auch die Busspuren von E-Fahrzeugen verstopft sein.“1 – Die Mautbefreiung soll nach Stand 2013 bis 2017 gelten, die Steuervorteile bleiben bis 2018.
Norwegen förderte E-Mobilität bis zum Jahr 2018. Dann wurden die Förderungen zum Teil zurückgenommen: das Modell war zu erfolgreich geworden. Vgl. Norwegen-Elektroautos

Tesla vernetzt. Jerôme Guillen, Tesla-Manager, erklärt, dass Tesla mögliche Probleme eines Tesla über Ferndiagnose ermitteln kann. Und die Tesla-Zentrale ist mit jedem Auto vernetzt. Guillen behauptet, dass dadurch Probleme online erkannt werden können, bevor sie auftreten. “Und wir können den Wagen auf diese Weise warten. Das ist für uns alle etwas Neues. Wir haben in den USA zurzeit an die 10.000 Model S auf der Straße, aber es werden viel mehr werden in den nächsten Jahren. Wir haben ein neues Automodell und damit ein völlig neues Geschäftsmodell.“2 Was sich später als Problem herausstellen wird: wenn nämlich Tesla ein Update im laufenden Betrieb aufspielen sollte.

Elektrische Ladenhüter (1). Die Nachfrage nach Elektroautos läuft in den USA genauso schleppend wie in Europa. Deswegen senken Generl Motors (GM) in den USA und Daimler drastisch die Verkaufspreise. Bei der (damaligen) Opel-Mutter GM sank der Preis für den Plug-in-Hybrid Volt um mehr als zehn  Prozent auf unter 35.000 Dollar. Der elektrische Daimler-Kleinwagen Smart kostet monatliche Leasingraten von 139 Dollar. Nissan senkte seit Anfang 2013 die Preise für den Leaf um 6000 Dollar: Er kostet nun unter 30.000 Dollar (umgerechnet ca. 22.700 Euro). Honda senkte im Mai 2013 die Leasing-Raten für seinen elektrischen Kompaktwagen Fit EV um über 30 Prozent auf 259 Dollar.3

Elektrische Ladenhüter (2). Von Januar bis Juli 2013 wurden in den USA weniger als  49.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride ausgeliefert, 0,5 Prozent der verkauften 9,1 Millionen Neuwagen. “Wie in Amerika sind Elektroautos auch in Deutschland kaum gefragt: Im Juli wurden zwischen Flensburg und Bodensee 515 Pkw mit Elektroantrieb angemeldet – das waren nur zwei Promille aller Neuzulassungen.“3 – „Die Lage für Elektroauto-Bauer in Deutschland ist noch kritischer als in den USA. Im Juli wurden hier 515 Pkw mit Elektroantrieb angemeldet – im Schnitt nur zwei von 1000 Neuwagen. (…) Als der ADAC letzthin 4000 seiner Mitglieder zu Antriebstechniken befragte, fand sich kein einziger E-Mobil-Fahrer. Und nur 1,5 Prozent konnten sich vorstellen, ein solches zu kaufen.“4

„E-plan München“ (3). Im Rahmen des Modellprojekts “E-Plan München” werden demnächst fünf Ladesäulen in Schwabing installiert. „Bisher sind weniger als 0,1 Prozent der in der Landeshauptstadt angemeldeten Fahrzeuge reine Elektroautos. (…) Insgesamt 5,5 Millionen Euro Fördermittel werden dafür in München bereitgestellt. Der auf drei Jahre angelegte Testlauf ist zunächst begrenzt auf Schwabing.“5

Vernetzt zum Tanken. Vom Elektroauto zum vernetzten Elektroauto – der Erfinder des „Mute“, Professor Markus Lienkamp, entwickelte ein vernetztes Elektroauto. Lienkamp stellte fest, dass nicht jeder eine Steckdose in der Garage hätte: “Da dachten wir, es wäre doch ganz praktisch, wenn das Auto abends alleine zur Ladestation fährt und morgens wieder automatisch vor die Haustür.”6 Das so entstandene “teleoperierte Fahren” stelle einen kostengünstigen Weg dar, die Probleme fehlender Ladestationen zu lösen. “Kameras und Mikrofone zeichnen die Informationen aus dem Auto auf, die Übertragung an eine Steuerzentrale geschieht per Handynetz und mobilem Internet. Von dort aus kann das Auto wie mit einer Fernsteuerung zur nächsten Stromtankstelle gelenkt werden, ganz ohne Fahrer am Steuer. Die Ausrüstung dafür kostet nicht mehr als einige Hundert Euro, die Zuverlässigkeit des Mobilfunknetzes ist momentan noch das größere Hindernis. Lienkamp betont immer wieder, Sinn des Projekts, das vom Bundesbildungsministerium mit immerhin 10,8 Millionen Euro gefördert ist und mit Daimler und BMW große Automobilkonzerne als Partner hat, sei es nicht, einen unsichtbaren Chauffeur-Service zu schaffen, sondern vielmehr eine ökologisch sinnvollere Form der Fortbewegung zu finden.“6
Was so alles ökologisch ist!

Teurer Batteriestrom. Nach aktuellen Berechnungen kostet die Speicherung einer Kilowattstunde Strom abhängig von der Batterieleistung zwischen 28 und 58 Cent. Dazu müssen die Produktionskosten des Solarstroms von etwa 14 Cent pro kWh addiert werden. “Insgesamt schlägt also die Kilowattstunde gespeicherter Solarstrom mit 42 bis 72 Cent zu Buche. Beim Strom aus der Steckdose sind es hingegen 28 Cent. Damit ist Batteriestrom noch viel zu teuer, als dass sich die Technologie schon bald weit verbreiten wird. Und das obwohl der Bund inzwischen ein Förderprogramm für Batteriespeicher aufgelegt hat.“7

Fußnoten und Quellen:
  1. Pander, Jürgen, Das verstromte Land, in spiegel.de 2.8.2013 []
  2. Fromm, Thomas, „Gewinne sind Teil unserer Mission“, in SZ 5.8.2013 []
  3. SZ/Reuters, Anschluss gesucht, in SZ 8.8.2013 [] []
  4. Hägler, Max, Werner, Kathrin, Grünes Statussymbol, in SZ 9.8.2013 []
  5. Draxel, Ellen, Schwabing unter Strom, in SZ 17.8.2013 []
  6. Höss, Laura, Allein zur Steckdose, in SZ 21.8.2013 [] []
  7. Sebald, Christian, Völlig losgelöst, in SZ 24.8.2013 []
von wz
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