Elektroauto Chronik eines Irrtums

August 2010

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Induktives Laden: „Neben der Energieübertragung über Kabel und Steckverbindungen kann elektrische Energie auch über elektrische Wechselfelder induktiv übertragen werden. Neben der Vermeidung von verschleißenden Steckverbindungen an elektrisch leitenden Kontakten ist auch ein Berührungsschutz gegeben. Prinzipiell wird dabei die Transformatortechnik genutzt mit einer primärseitigen Erregerspule, die von Wechselstrom aus dem Stromnetz durchflossen wird. Den in der fahrzeugseitigen (Sekundärseite) Induktionsspule ausgekoppelten Wechselstrom wandelt das im Fahrzeug eingebaute Ladegerät in Gleichstrom und lädt die Traktionsbatterie. Induktive Ladesysteme gibt es seit vielen Jahren. Das gleiche Prinzip nutzen auch akkubetriebene elektrische Zahnbürsten. Die gute Koppelung beider Spulen durch einen geringen Abstand verringert die Übertragungsverluste.“ (Aus: Wikipedia)

Auch Elektroautos können mit Induktionsstrom geladen werden – allerdings mit einem vergleichsweise schlechten Wirkungsgrad. „Wilfried Nietschke, Leiter der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr IAV, die für VW und weitere Autohersteller an Elektronik, Antriebssträngen und Fahrzeugentwicklung arbeitet, hat bereits das Konzept für einen kabellosen Elektro-Taxi-Stand in der Tasche. Elektrofahrzeuge könnten über die Ladeplatte im Boden nicht nur ihre Bordbatterien aufladen, sondern bei stehendem Fahrzeug den Akku schonen, indem sie zugleich Heizung und Bordsysteme mit Energie versorgen. (…) Die Energieübertragung funktioniert auch dann, wenn die Induktivschleife – ähnlich wie beim Transrapid – als eine Art offener Trafo verlegt wird und das Fahrzeug gar nicht stehen bleibt, sondern weiterfährt. Das Magnetfeld wandert dann unter dem Fahrzeug mit. Nietschke hält diese Methode auch auf Ladespuren anwendbar, die mit verringertem Tempo auf der Autobahn genutzt werden könnten. Sind die Bordbatterien geladen, wechselt der Autofahrer wieder auf die Überholspur. Über drahtlose Informationsübertragung wie mit Wlan oder per SMS könnte die Abrechnung erfolgen. Aus- und eingeschaltet wird die Stromübertragung auf dem Fahrbahnstück nur, wenn sich ein mit entsprechender Kennung versehenes Fahrzeug darüber befindet.“1

General Motors hofft auf das Elektroauto. Der größte US-Autokonzern erwartet eine höhere Nachfrage nach seinem Elektroauto Chevrolet Volt und erhöht die Produktion um fünfzig Prozent. Im Jahr 2012 sollen 45.000 Volt gebaut werden. „In den USA liegt der Volt preislich allerdings auf dem Niveau von Premiumautos wie dem Geländewagen VW Touareg, dem Sportwagen Audi TT oder einer gut ausgestatteten 3er-Limousine von BMW. (…) Allerdings unterstützt der amerikanische Staat den Umstieg auf das Elektroauto kräftig und gewährt ein Steuergeschenk von bis zu 7500 Dollar. Der Volt fährt im Gegensatz zu Hybridautos völlig elektrisch. Ein eingebauter Verbrennungsmotor lädt hier bei Bedarf nur die Batterie auf. General Motors nennt das Aggregat deshalb den ‚Reichweitenverlängerer‘.“2

Elektrischer Transporter von Mercedes. Seit Anfang 2010 dürfen in Berlin nur noch Lkw und Transporter mit der grünen euro-4-Plakette in die Innenstadt. 62 Prozent der Lieferfahrzeuge erfüllen diese Abgasauflage nicht. Deshalb produziert Mercedes 2012 2100 Exemplare des elektrischen Vito E-Cell mit einer Reichweite von bis zu 130 km und einer Vmax von 80 km/h. Der Vito E-Cell ist um den Faktor 1,4 teurer als ein Diesel-Vito. [3] Kunden gibt es bei Online-Auslieferern und Versandhändlern. „Bis 2020 will beispielsweise die Otto Group als weltweit größtes Online-Versandhaus ihre CO2-Emissionen um die Hälfte reduzieren. Teil des Masterplans sind kundennahe Verteilerzentren des hauseigenen Logistikers Hermes, die sich als Standort für E-Transporter anbieten.“3 Mercedes verzichtet bei den Akkus des E-Vito bewusst auf Schnellladung, um eine Lebensdauer von zehn Jahren zu erreichen. „Trotzdem ist die Garantiezeit auf vier Jahre beschränkt: Niemand kann genau voraussagen, wie sich die 500 Kilo schweren Akkus mit einer Kapazität von 36 Kilowattstunden auf Dauer verhalten werden.“3

ADAC-Fachtagung im Juli 2010 in Berlin. Dazu einige Aussagen. ADAC-Präsident Peter Meyer: „Die größte Angst der Menschen ist, dass Autofahren teurer wird.“4 Die Erdölförderung wird als immer schwieriger und teurer eingeschätzt. Beim aktuellen Strommix mit hohem Kohleanteil ist die CO2-Bilanz eines Elektroautos vergleichbar mit einem fossil betriebenen Auto. Die Reichweite von 100 Kilometer ist für die meisten Autofahrer ausreichend. Gregor Matthies, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company: E-Mobilität ist die Voraussetzung dafür, dass individuelle Mobilität im Jahr 2040 überhaupt noch möglich ist.“ Laut Bain & Company wird der Weltmarktanteil von Elektroautos bei Neuwagen im Jahr 2020 zwischen 5 und 20 Prozent liegen.4
Aus der Sicht des Jahres 2019 erinnert man sich an die Feststellung: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

BMW Mini E: Erkenntnisse. BMW und Eon waren Projektpartner beim Feldversuch mit 15 Mini E: 100 Fahrer aus dem Münchner Raum fuhren 150.000 km „emissionsfrei“ mit Eon Wasserkraft. Für Eon war es auch ein Test über das Ladeverhalten. „So schlossen die Nutzer ihre Mini E zumeist in ihrer heimischen Garage und an ihrem Arbeitsplatz an das Stromnetz an. Also dort, wo die Autos ohnehin länger stehen. Erst an dritter Stelle nutzten die Testfahrer die öffentlichen Eon-Stromtankstellen. (…) Grüner Strom stand ganz oben auf der Wunschliste der Testfahrer. Fast alle wünschten sich durch den Einsatz erneuerbarer Energien vollkommen emissionsfrei fahren zu können und sind auch bereit, dafür einen Aufschlag auf den Strompreis zu akzeptieren.“5

Elektroautos für Reiche. Das Elektroauto fungiert derzeit als Zweit- oder gar Drittfahrzeug. Denn Reichweitenprobleme und die spärliche Ladeinfrastruktur machen aus dem Elektroauto kein Urlaubsfahrzeug. Dieser Grund wird zumindest von den deutschen Premiumherstellern Audi und Mercedes genannt, warum sie teure und große Elektroautos entwickeln. Audi baut in den nächsten Monaten eine Kleinserie des E-Tron Roadsters und Mercedes-Edeltuner AMG entwickelt bis 2012 einen Flügeltürer mit Elektroantrieb, den Mercedes AMG SLS E-Cell mit 392 kW (533 PS) und 880 Newtonmeter Drehmoment. Gasgeben ohne schlechtes Gewissen, lautet die frohe Botschaft selbst für notorische Bleifüße. Die 80.000 Euro für Hochleistungsakkus sind in diesem exklusiven Käufersegment kein Hinderungsgrund. Wer gerne mehr als 500 Pferdestärken dirigiert, dem war der Spritverbrauch bisher ohnehin egal.“6

Und die Zuschüsse? Nach wie vor verweigert Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer Zuschüsse für Elektroautos, ebenso der neue Industriekommissar der Europäischen Union, Antonio Tajani: „Es darf keine dauerhaften Subventionen zum Ankauf von Fahrzeugen geben.“ [5] – „Ohne staatliche Zuschüsse wird der Massenmarkt für Elektrofahrzeuge jedenfalls noch länger auf sich warten lassen.“6

Fußnoten und Quellen:
  1. Koch, Klaus C., Die Energie liegt auf der Straße, in SZ 2.8.2010 []
  2. dpa, 7500 Dollar vom Staat, in SZ 2.8.2010 []
  3. Becker, Joachim, Spannung in der Ladezone, in SZ 9.8.2010 [] []
  4. Becker, Joachim, Rudschies, Wolfgang, Vigl, Mario, Die Spannung steigt, in ADAC Motorwelt 8/2010 [] []
  5. Mini E: 150.000 Strom-Kilometer, in abendzeitung.de 18.8.2010 []
  6. Der Verbraucher hat das Wort, in SZ 19.8.2010 [] []
von wz
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