Elektroauto Chronik eines Irrtums

April 2013

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Laden und rasten … BMW, Eon und Siemens wollen mit einem Pilotprojekt an der A 9 die elektrische Versorgung zur Verfügung stellen: Zwischen den 400 Kilometern zwischen München und Leipzig werden acht Gleichstrom-Schnellladesäulen an Rastanlagen installiert. Durch die Schnellladestationen soll die Ladezeit auf 20 bis 30 Minuten verkürzt werden: Dann sind 80 Prozent Ladekapazität erreicht. Ein Problem stellen die unterschiedlichen Versorger dar: Ein Elektroautobesitzer hat meist nur einen Versorgervertrag mit einem Stromversorger. „Um die Säule nutzen und seine Rechnung bezahlen zu können, muss er sich in der Regel beim jeweiligen Betreiber registriert haben. Daher haben unter anderem BMW, Bosch und der Energieversorger EnBW die Firma Hubject gegründet, um eine neue Handelsplattform zu entwickeln. Über diese soll es künftig möglich sein, dass E-Auto-Fahrer jede Stromzapfsäule nutzen können – egal wer diese betreibt. Abgerechnet wird dann, ähnlich wie beim Handy, nur über den eigenen Anbieter.“1

658 Prozent beim Volvo V60 über der Verbrauchsangabe. Bei einem Test des Volvo V60 Plug-in-Hybrid in auto motor und sport lagen 658 Prozent Differenz zwischen Minimal- und Maximalverbrauch, nämlich 1,4 bis 9,6 Liter Diesel/100 km. Ein Test der SZ kam auf einen Wert von 5,5 Liter auf 100 Kilometer.2 – „Tatsächlich proklamieren die Schweden einen Durchschnittsverbrauch von nur 1,8 Liter/100 km für den ‚fortschrittlichsten Volvo aller Zeiten‘ (Eigenwerbung). Möglich wird ein CO2-Wert von lediglich 48 g/km im Normzyklus, weil die Erzeugung des vorher geladenen Batteriestroms nicht in die Emissionswertung einfließt.“3
Ähnlich unrealistische Verbrauchswerte gelten auch für Hybride – und natürlich auch für Elektroautos.

Elektroauto nicht leise. Das Umweltbundesamt hat in einer Studie die Lärmentwicklung bei Elektroautos untersucht.4Fazit: Elektroautos sind nicht der Durchbruch zum leisen Verkehr. Bis etwa 25 km/h ist das Antriebsgeräusch dominant. Über 25 km/h wird zunehmend das Reifen-Fahrbahn-Geräusch bestimmend. Da bei niedrigen Geschwindigkeiten das Elektroauto schwer wahrzunehmen ist, wird an Warnsignale für Blinde und Sehbehinderte gedacht, Diese Dauersignale können für Anwohner störend sein und sind aus Gründen des Lärmschutzes abzulehnen. Das UBA empfiehlt eine Art Klingel als Ergänzung zur Hupe. „Selbst wenn bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs wären – diese Zahl wird von der Bundesregierung angestrebt, viele Experten halten sie jedoch für völlig illusorisch – würde der Lärm am Straßenrand nach Schätzungen der Behörde im Schnitt um mickrige 0,1 Dezibel sinken. ‚Das ist ein völlig unbedeutender Effekt‘, heißt es in der Studie.“5 Lärmminderungspotenziale könnten bei schweren Fahrzeugen wie Bussen, Lkws, Müllfahrzeugen erzielt werden, bei denen eine Umstellung auf Elektroantrieb jedoch technisch schwierig und wirtschaftlich unattraktiv ist. Bei Mopeds und Motorrädern könnte eine wesentliche Minderung der Geräuschemissionen erreicht werden.

China elektrisch. China strebte ursprünglich einen Fünf-Prozent-Anteil für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybrid-Modelle an, dann im Juli 2012 die neue Zahl von sogenannten „New Energy Vehicles (NEV)“ von 500.000 bis 2015 und fünf Millionen bis 2020. 2012 gab es bei über 13 Millionen Neuzulassungen weniger als 13.000 Elektroautos bei einem Gesamtbestand von unter 30.000. Die Regierung in Peking fördert den Kauf mit umgerechnet 7500 Euro, dazu kommen Förderungen der Provinzen wie Shanghai (6200 Euro) oder Shenzen (7500 Euro). Dazu gibt es Vorteile bei der Zulassung.
„Während man in Peking das Nummernschild für ein herkömmliches Auto per Losverfahren erhält und Zulassungen in Shanghai versteigert werden, was im März umgerechnet 10.000 Euro kostete, gibt es die Kennzeichen für ein NEV-Modell zum Nulltarif und ohne Wartezeit. Die Einschränkung: Die Vorteile gelten in der Regel nur für Elektroautos, deren Akkus, E-Motoren oder Steuerungseinheiten aus China kommen. Deswegen gründen europäische und japanische Hersteller Joint Ventures und entwickeln in China neue oder zumindest grundlegend veränderte Fahrzeuge, die sich vor allem in einem Detail unterscheiden: der Batterie. Während in Europa die Lithium-Ionen-Technik als der Weisheit letzter Schluss gilt, fördern und fordern die chinesischen Behörden Lithium-Eisen-Akkus, sagt ein Daimler-Sprecher.“6

Chinesische Autoproduktion. Nissan und Dongfeng bauen zusammen den Leaf, Toyota gründete mit FAW die Submarke Ranz , dazu kommt der Partner Guangzhou. BMW kooperiert mit Brillance im Joint Venture Zinoro. Daimler und Bild Your Dreams gründeten Denza.6

Fußnoten und Quellen:
  1. Völklein, Marco, Strom tanken auf der Autobahn, in SZ 5.4.2013 []
  2. Becker, Joachim, Der große Spritspar-Schwindel, in SZ 13.4.2013 []
  3. Becker, Joachim, Die Fabel vom Zweiliterauto, in SZ 6.4.2013 []
  4. Kurzfristig kaum Lärmminderung durch Elektroautos, Dessau-Roßlau 18.4.2013; vgl. auch: Krachmacher Elektroauto, in spiegel.de 23.4.2013 []
  5. Krachmacher Elektroauto, in spiegel.de 23.4.2013 []
  6. Grünweg, Tom, Fortschritt mit Wackelkontakt, in spiegel.de 26.4.2013 [] []
von wz
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