Elektroauto Chronik eines Irrtums

April 2012

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April 2012: Bayern und Sachsen bekommen Fördergelder. (Vgl. auch Januar 2012) Bayern und Sachsen planen eine Zusammenarbeit im Bereich Elektromobilität. Sie bewerben sich beim Wettbewerb der Bundesregierung „Schaufenster Elektromobilität“. Hier werden bis zu fünf Projekte mit zusammen 180 Millionen Euro gefördert. Die Freistaaten Bayern und Sachsen steuern zusätzlich jeweils 15 Millionen bei. Anfang April 2012 erhielten Bayern und Sachsen die Unterstützung für rund 80 Projekte mit dem Ziel, bis 2020 etwa 250.000 Elektroautos zu ermöglichen. So sollen mit Beteiligung von BMW, Audi, Siemens und einigen Stadtwerken an der A 9 Schnellladestationen entstehen.1

Lust am Elektroauto verloren. Anfang 2012 fuhren auf Deutschlands Straßen fast 43 Millionen Pkw, davon 4541 mit Elektroantrieb (macht rund 0,01 Prozent). Und das sollen im Jahr 2020 eine Million werden!? „VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der vermutlich engagierteste Motoringenieur in der Industrie überhaupt, hält so gut wie nichts vom Elektroauto. Seinen 500.000 Konzernmitarbeitern hat er schon mitgeteilt, mit welchem Mittel er gegen steigende Spritpreise und zunehmende Klimagefahren vorgehen will. Mit dem Verbrennungsmotor: ‚Das Ein- bis Zwei-Liter-Auto wird kommen, und es wird ökonomischer sein als das Elektroauto‘.“2

Elektroautos kosten Arbeitsplätze. Für die Autoindustrie bedeuten Elektroautos Entlassungen: da weniger Teile im Antriebsstrang benötigt werden und vieles von Zulieferern käme, die heute schon einen Anteil von rund 70 Prozent beisteuern. IG Metall-Chef Berthold Huber äußert die Befürchtung: „Beim klassischen Verbrennungsmotor werden wir sukzessive einen Abbau von Arbeitsplätzen erleben.“3

Bayerischer E-Wald (1). Im Bayerischen Wald läuft ein Modellprojekt namens E-Wald. Es soll Erfahrungen mit Privatleuten, Touristen und Behörden auswerten, die Elektroautos im ländlichen Bereich nutzen.3
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ließ eine Fünf-Punkte-Strategie zur Unterstützung von Leuchtturm-Projekten wie dem „E-Wald“ im ostbayerischen Raum verabschieden. „Doch nun, zwei Jahre später, hat es den Anschein, als habe das Projekt seine Zukunft schon hinter sich. Kommunalpolitiker sehen in E-Wald inzwischen vor allem den Modellcharakter dafür, wie ein modernes Projekt im Gerangel zweier Ministerien zerrieben werden kann. (…) Genährt werden die Befürchtungen durch angebliche Rivalitäten zwischen dem Wirtschafts- und Innenministerium.“4

Bayerischer E-Wald (2). Der Freistaat Bayern will mit der Elektromobilität eine Zukunftstechnologie in einer strukturschwachen Region fördern. „Auf mehr als 7000 Quadratkilometern Fläche sollen Ladesäulen sowie Steuerungs- und Kommunikationskonzepte installiert werden, die belegen, dass Elektromobilität im ländlichen Raum funktioniert. Unter dem Dach einer GmbH wird nun eine Flotte von 75 Elektrofahrzeugen und die Infrastruktur aufgebaut. Die Kosten von bis zu 20 Millionen Euro werden sich Kommunen, Unternehmen und hauptsächlich der Freistaat teilen. (…) Landkreise und Sparkassen sind jeweils mit 50.000 Euro eingeplant, Gemeinden jeweils mit 15.000 Euro.“5

Bayerischer E-Wald (3). Der E-Wald bekommt eine zweite Chance. Der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU) ist Sprecher der sechs beteiligten Landkreise und teilte mit, dass auch die Gemeinden über eine GmbH beteiligt werden. „E-Wald, das eine Fläche von mehr als 7000 Quadratkilometern umfasst, soll belegen, dass Elektromobilität auch im ländlichen Raum umsetzbar ist.“6
Nachtrag: Das E-Wald-Projekt, das von der Hochschule Deggendorf geleitet wurde, verzeichnete einen Fehlstart. Im Frühjahr 2012 drohte sein Scheitern. „Angeblich sollen sich Innen- und Wirtschaftsministerium in die Quere gekommen sein, Anträge sollen dem Freistaat nicht präzise genug gewesen sein, und die Hochschule begann bereits, eigens angestellten Mitarbeitern zu kündigen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) griff ein und mahnte ein schnelleres Arbeiten im Haus seines Vertreters Zeil an. Schließlich einigten sich doch alle Parteien auf eine Fortsetzung.“7

Fußnoten und Quellen:
  1. Millionen vom Bund für Elektroautos, in SZ 5.4.2019 []
  2. Büschemann, Karl-Heinz, Ohne Saft, in SZ 7.4.2012 []
  3. Tibudd, Michael, Autoländer unter Strom, in SZ 17.1.2012 [] []
  4. Wittl, Wolfgang, Verirrt im E-Wald, in SZ 25.4.2012 []
  5. Wittl, Wolfgang, Kurzschluss in der Elektro-Modellregion, in SZ 19.5.2012 []
  6. Gute Perspektive für E-Wald-Projekt, in SZ 4.5.2012 []
  7. Effern, Heiner, Spät gezündet, in SZ 13.6.2013 []
von wz
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