Elektroauto Chronik eines Irrtums

Tesla Energy

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Aktualisiert 22.8.2019

Tesla Energy. Am 30.4.2015 präsentierte Elon Musk das neue Tesla-Batteriesystem in Los Angeles, „Tesla Energy“. Ab 2015 ist auch in Deutschland die „Powerwall“ erhältlich: Der Tesla-Kunde bezahlt 3000 Dollar (rund 2700 Euro) für die Batterie mit 7 kWh oder 3500 Dollar für 10 kWh, de im Haus installiert wird. Bei einer eigenen Photovoltaik-Anlage kann der Kunde den Strom in die Powerwall einspeisen oder in das Netz. Elon Musk: „Wir wollen grundlegend ändern, wie die Welt Energie verwendet. Auf einer extremen Ebene.“ [1] Tesla Energy können auch Leute ohne Tesla-Auto nutzen; die Solaranlage kann praktischerweise bezogen werden über das Tesla-Unternehmen SolarCity, das inzwischen der größte Anbieter von Solaranlagen in den USA ist. „Die Frage ist nur, wie weit man mit den neuen Tesla-Batterien kommt. Schon in den meisten Elektroautos sind Batterien mit 15 bis 25 kWh verbaut, in den Fahrzeugen von Tesla gar bis zu 85 kWh. Und auch für den Hausgebrauch wären 10 kWh wahrlich keine riesige Speicherkapazität, ein amerikanischer Haushalt benötigt durchschnittlich etwa 30 kWh am Tag.“1

Ende des klassischen Strommarktes? Die Idee hinter „Tesla Energy“: Jeder kann seinen Strom selbst erzeugen – und den für seinen Tesla. Es ist eine dezentrale Umwälzung des Strommarktes: „Denn der US-Konzern forciert gerade das Ende des klassischen Energiemarkts. In dieser alten Welt produzieren wenige große Energiekonzerne gewaltige Mengen Strom in Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken. Über Tausende Kilometer Stromnetz bringen sie die in Haushalte und Unternehmen. Kunden zahlen dafür einen festen Preis. Ein System, das den Energiekonzernen bislang Milliardeneinnahmen bescherte – einfach, konkurrenzlos und dazu noch hoch profitabel. Doch der Energiemarkt verändert sich radikal. Der Boom grüner Energien drängt Großkraftwerke reihenweise aus dem Markt.“2
Auch in Deutschland wird die Stromerzeugung immer dezentraler, ein Trend, der grundsätzlich zu begrüßen ist, sofern gleichzeitig eine sparsame und sinnvolle Verwendung des Ökostroms erfolgt. Allerdings stellt sich hier das Problem der erneuerbaren Energien, die wiederum Fläche benötigen, oft zu Lasten der letzten Wildnis und Naturflächen. Und dazu soll der Strom aus erneuerbaren Energien den Atomausstieg, den Kohleausstieg und die geplante massenhafte Einführung von Elektroautos bewerkstelligen.

Tesla und Lichtblick. In Deutschland ist der größte alternative Stromversorger das Unternehmen Lichtblick. Tesla Energy plant mit Lichtblick den Verkauf und die Netzeinspeisung. „Das Ziel: die kleinen Anlagen zu einem Schwarm vernetzen und Energie abgeben, wenn sie andernorts gebraucht wird. Die Unternehmen drängen damit in einen milliardenschweren Zukunftsmarkt. Der Anteil grüner Energie an der Stromversorgung wächst weltweit.“2 Gleichzeitig schwankt das Angebot des Ökostroms, da er vom Wind, vom Tageslicht, vom Wasserstand oder anderen natürlichen Gegebenheiten abhängig ist. Deshalb ist das alte Problem der Speicherung der Elektrizität wieder äußerst aktuell. hierfür könnten auch Lithium-Ionen-Akkus stationär, als Hausbatterien, eingesetzt werden, die für den Betrieb von Elektroautos nicht mehr genügend Speicherkapazität haben.
Tesla ist natürlich auch von der Stromversorgung selbst abhängig. „Als Produzent von Elektroautos hilft dem Konzern eine möglichst günstige Stromversorgung beim Verkauf der eigenen Fahrzeuge. Zum anderen hofft die Firma auf einen positiven Nebeneffekt. Denn der neuen, fünf Milliarden Dollar teuren Riesen-Batteriefabrik, die Tesla in Nevada baut, verschaffen die Zu-Hause-Batterien eine höhere Auslastung. Batterien wie Autos könnten billiger werden.“2

Von Nevada in den eigenen Keller. Tesla stellt künftig seine Lithium-Ionen-Akkus in der eigenen Gigafactory in Nevada her, will aber auch seine Energiespeicher bei Hauseigentümern unterbringen. „Für die Kunden hätte das den positiven Nebeneffekt, dass sie mit ihrem überflüssigen Strom vom Dach ihr E-Auto auftanken könnten. Und die Hersteller hätten ein weiteres Standbein in Zeiten, da die Absatzzahlen von E-Autos ungewiss sind. Zusätzlicher Vorteil für die Hersteller: Sie können gebrauchte Batterie-Zellen ihrer E-Autos weiterverwerten, indem sie diese als Hausspeicher verkaufen. Denn wenn die Akkus nach einigen Jahren nur noch etwa 75 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung bringen, haben sie auf der Straße ausgedient“3

Andere Elektroautoproduzenten speichern auch zu Hause. Der Elektroautoproduzent Nissan wiederverwertet die Akkus aus seinen Elektroautos wie dem Nissan Leaf als Hausspeicher. „Daimler hat 2016 die Mercedes-Benz Energy GmbH gegründet. Sie hat in Deutschland bereits einen Marktanteil von zehn Prozent und spricht von einem ‚Wachstumsmarkt‘, der sich ‚sehr schnell‘ entwickle. (…) Ähnliches bietet BMW über die Firma Digital Energy Solutions, ein Joint Venture mit der Viessmann-Gruppe, an. Daneben bastelt die BMW-Sparte Energy Services an neuen Geschäftsmodellen.“ [3] Bald kommt noch der chinesische Elektroautoproduzent BYD hinzu, der seit März 2017 Hausspeicher in Deutschland vertreibt.3

Tesla speichert in Australien. In Australien hat Tesla 2017 das weltweit größte Batteriesystem installiert: Die Lithium-Ionen-Batterien sollen die Stromversorgung bei Engpässen gewährleisten. „Das Akkusystem in der Nähe des Ortes Jamestown nördlich von Adelaide ist an einen Windpark angeschlossen und soll mehr als 30.000 Haushalte mit Strom versorgen. Die Batterie hat eine Leistung von 100 Megawatt und eine Kapazität von 129 Megawattstunden und soll helfen, den Strombedarf zu decken – insbesondere in den heißen Sommermonaten, wenn in Australien die meiste Energie verbraucht wird.“4

Fußnoten und Quellen:
  1. Huber, M., Schmieder, J., „In Deutschland wird es riesig“, in SZ 2.5.2015 []
  2. Balser, Markus, Macht des Schwarms, in SZ 5.5.2015 [] [] []
  3. Getarnte Dachziegel, in SZ 13.7.2017 [] []
  4. Tesla nimmt weltgrößte Batterie in Betrieb, in spiegel.de 1.12.2017 []
von wz
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